Betrieblicher, Arbeitsschutz

Betrieblicher Arbeitsschutz wird zum strategischen Wettbewerbsvorteil

09.02.2026 - 21:43:11

Investitionen in Sicherheit und Gesundheitsförderung steigern die Arbeitgeberattraktivität deutlich. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Qualität der Umsetzung entscheidend ist.

In Zeiten des akuten Fachkräftemangels wird ein umfassender Arbeits- und Gesundheitsschutz für deutsche Unternehmen zum entscheidenden Pluspunkt im Wettbewerb um Talente. Eine neue Studie belegt: Investitionen in Sicherheit und Wohlbefinden steigern die Attraktivität als Arbeitgeber massiv.

Studie: Gesundheit und Sicherheit sind Top-Kriterien für Jobwahl

Der kürzlich veröffentlichte iga.Report 49 der Initiative Gesundheit und Arbeit liefert handfeste Daten. Demnach bewerten Beschäftigte ihren Arbeitgeber umso positiver, je breiter und systematischer Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung und zum Arbeitsschutz verankert sind. Die Studie basiert auf einer deutschlandweiten Befragung von 1.847 Beschäftigten.

Besonders aufschlussreich: Entscheidend ist nicht die reine Anzahl der Maßnahmen, sondern die Qualität der Umsetzung. Selbst kleinere und mittlere Unternehmen können mit wenigen, aber gut kommunizierten und von der Führung aktiv getragenen Angeboten eine starke Wirkung erzielen. Es geht um gelebte Wertschätzung, nicht um eine reine Pflichtübung.

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Flexibilität braucht klare Schutzgrenzen

Die zunehmende Forderung nach flexiblen Arbeitszeitmodellen stellt den Arbeitsschutz vor neue Herausforderungen. Der VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit warnt eindringlich vor Reformen, die auf Kosten der Erholung der Beschäftigten gehen.

Mehr Flexibilität kann nur funktionieren, wenn sie menschengerecht gestaltet und im Betrieb kontrollierbar umgesetzt wird. Der Verband fordert daher, Arbeitszeitmuster verbindlich als eigenständigen Gefährdungsfaktor zu bewerten. Dabei müssen psychische Belastungen, Ermüdungsrisiken und die Gefahr von Wegeunfällen systematisch erfasst werden. Verlässliche Ruhezeiten sind nicht verhandelbar.

Vom Schutzhelm zur psychischen Gesundheit

Ein moderner Arbeitsschutz verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Einerseits bleibt der Schutz vor physischen Gefahren wie krebserregenden Stoffen unverzichtbar. Andererseits rückt die psychische Gesundheit immer stärker in den Fokus.

Stress, hohe Arbeitsintensität und emotionale Erschöpfung werden als ernsthafte Gesundheitsrisiken anerkannt. Unternehmen, die hier nachhaltige Konzepte entwickeln – von der Gefährdungsanalyse bis zu Unterstützungsangeboten – zeigen ein umfassendes Verständnis für das Wohl ihrer Belegschaft.

Im Spannungsfeld der Sozialstaats-Debatte

Die Debatte findet vor einer angespannten wirtschaftspolitischen Lage statt. Während über Reformen des Sozialstaats diskutiert wird, warnen Gewerkschaften vor einem „Kahlschlag“ bei Arbeitnehmerrechten.

In diesem Kontext wird der strategische Wert des Arbeitsschutzes besonders deutlich: Er ist kein reiner Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit. Auf einem Markt, auf dem Fachkräfte die Wahl haben, werden eine positive Sicherheitskultur und sichtbares Engagement zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

Ausblick: Integration in die Unternehmens-DNA

Die Zukunft liegt in der vollständigen Integration von Gesundheit und Sicherheit in die Unternehmenskultur. Die bloße Einhaltung von Vorschriften reicht nicht mehr. Gefragt ist ein proaktives Management, das auf Wertschätzung und Mitarbeiterbeteiligung setzt.

Unternehmen, die diesen Wandel verstehen und Arbeitsschutz als integralen Teil ihrer Marke begreifen, werden nicht nur gesetzliche Pflichten erfüllen. Sie werden ihre Attraktivität nachhaltig steigern und sich die dringend benötigten Fachkräfte für die Zukunft sichern.

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