Aktien Frankfurt: Autowerte bremsen Dax vor US-Zinsentscheid
17.06.2026 - 14:43:44 | dpa.deZweimal ist der deutsche Leitindex in dieser Woche über der Tausendermarke schon abgedreht, doch am Mittwoch gehen die Anleger mit Vorsicht an den US-Zinsentscheid am Abend heran.
Nach der gekappten Prognose von BMW DE0005190003 bremsten schwache Automobilwerte den Dax. Am Nachmittag lag der deutsche Leitindex leicht mit 0,2 Prozent im Minus bei 24.870 Punkten. Er war damit wieder nahe an seiner 21-Tage-Linie, die als Kurzfristindikator gilt. Der MDax DE0008467416 mit den mittelgroßen deutschen Werten schlug sich mit einem Anstieg um 0,3 Prozent auf 32.687 Punkte besser.
Gespannt wird auf die US-Zinsentscheidung geblickt, weil es die erste unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh ist. Da keine schnelle Zinsänderung erwartet wird, stehen wohl seine begleitenden Äußerungen im Mittelpunkt des Geschehens. Laut dem Marktbeobachter Maximilian Wienke vom Broker eToro wollen Anleger vor allem wissen, ob die Fed unter dem Druck des US-Präsidenten Donald Trump unabhängig bleibt.
"Der deutliche Rückgang der Ölpreise im Zusammenhang mit dem US-Iran-Abkommen verschafft Warsh bei seinem heutigen Debüt etwas mehr Spielraum und verringert ein wenig die Risiken, die mit dem Treffen verbunden sind", glaubt der Experte Krishna Guha vom US-Analysehaus Evercore ISI. Er geht aber davon aus, dass die Risiken durch den Antritt des neuen Fed-Chefs immer noch höher sind als sonst üblich. Warsh bewege sich auf einem "schmalen Grat".
Auf Unternehmensseite hatte BMW am Vorabend mit gekappten Prognosen die Anleger geschockt. Gründe sind die Marktschwäche in China und der Iran-Krieg. Gleich mehrere Experten sprachen von einer "großen" oder "bedeutenden" Gewinnwarnung. Der Autobauer rechnet in diesem Jahr nur noch mit einer operativen Gewinnmarge von einem bis drei Prozent. Die Kürzung an sich ist laut dem Deutsche-Bank-Analysten Tim Rokossa keine Überraschung, sehr wohl aber das Ausmaß. Bisher hatte das Management 4 bis 6 Prozent Marge veranschlagt.
Für die BMW-Aktien ging es am Morgen in der Spitze um zwölf Prozent abwärts, erst bei knapp 60 Euro konnten sie sich auf einem Tief seit 2020 fangen. Zuletzt war der Abschlag dann etwa sieben Prozent groß. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einem Weckruf für die gesamte Branche. Mercedes-Benz DE0007100000 gaben um 3,8 Prozent nach und die Titel von Volkswagen DE0007664039 büßten 2,8 Prozent ein.
Während die Autobauer mit Absatzproblemen kämpfen, will der Gebrauchtwagenhändler Auto1 DE000A2LQ884 seine Absätze kräftig steigern. Mit einem Kurssprung um 7,6 Prozent machten dessen Aktien ihren Rückschlag vom Vortag wett. Wie Auto1 anlässlich des Kapitalmarkttags mitteilte, wird eine Steigerung des Absatzes auf 1,5 Millionen Fahrzeuge als nächstes Zwischenziel angepeilt.
Wieder gefragt waren dieses Mal die Rüstungskonzerne, aber auch die Titel der Commerzbank DE000CBK1001. Diese folgten im Übernahmeringen dem weiter gehenden Kursanstieg bei der italienischen Unicredit IT0005239360, der die Offerte der Italiener attraktiver macht. Seit dem Vortag liegt deren Angebot etwas über dem aktuellen Commerzbank-Kurs.
Im MDax und SDax zogen die Kurse der Halbleiterausrüster Aixtron DE000A0WMPJ6 und PVA Tepla DE0007461006 um bis zu 6,8 Prozent an. Experte Stephane Houri von der Investmentbank Oddo BHF bleibt in einer Studie optimistisch gestimmt für die Chipbranche nebst ihrer Zulieferer. Grundsätzlich ist er weiter von anhaltender KI-Dynamik überzeugt.
Unter den deutschen Nebenwerten hatten die Anleger noch Hapag-Lloyd DE000HLAG475 im Blick. Als Antreiber für ein erstes, sechs Prozent hohes Spitzenplus wirkte ein Bericht im "Manager Magazin", wonach der Konkurrent MSC ein Auge auf die Reederei geworfen haben soll. Die Fantasie dafür verabschiedete sich aber schnell wieder, denn zuletzt lag der Hapag-Kurs dann mit 1,4 Prozent im Minus.
