BayWa, Aktie

BayWa Aktie: Sanierung bis 2030 verlängert

01.07.2026 - 00:36:35 | boerse-global.de

Der hochverschuldete Agrarkonzern BayWa einigt sich mit Gläubigern und Aktionären auf ein überarbeitetes Sanierungskonzept mit längerer Laufzeit.

BayWa verlängert Sanierungsfahrplan bis Ende 2030
BayWa - Eine lange, kurvige Straße, die in einem nebligen Horizont verschwindet, symbolisiert eine verlängerte Sanierung und zukünftige Herausforderungen. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Sanierungsfahrplan des hochverschuldeten Agrarkonzerns BayWa braucht mehr Zeit als erhofft. Statt Ende 2028 soll die finanzielle Gesundung nun erst Ende 2030 abgeschlossen sein — zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

Grundlage ist eine Grundsatzverständigung, die BayWa heute Abend per Ad-hoc-Meldung bekannt gab. Vorstand, Gläubigerbanken und die beiden Großaktionäre — die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie die Raiffeisen Agrar Invest AG — haben sich im Prinzip auf ein überarbeitetes Konzept geeinigt. Bis Herbst 2026 soll daraus eine rechtsverbindliche neue Sanierungsvereinbarung werden. Die Verständigung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung aller beteiligten Gremien.

Was die Gläubiger und Großaktionäre beisteuern

Das Konzept verteilt die Lasten auf beide Seiten. Die Gläubigerbanken wollen Kredite in Höhe von bis zu 700 Millionen Euro in ein nachrangiges Instrument umwandeln — bedeutet: Im Falle eines erneuten Scheiterns würden andere Gläubiger bevorzugt bedient. Die Großaktionäre, die zusammen rund 67 Prozent der BayWa-Aktien halten, übertragen ihre Anteile zunächst auf einen Treuhänder.

Der Rückfall dieser Aktien ist an eine Bedingung geknüpft: Stellen die Großaktionäre im Rahmen einer für 2029 geplanten Kapitalerhöhung mindestens 220 Millionen Euro bereit, löst sich die Treuhand auf. Tun sie es nicht, ist der Treuhänder ermächtigt, die Aktien zu verkaufen.

Hinzu kommt die Entkonsolidierung der Tochtergesellschaft BayWa r.e. AG. Deren Anteile — von BayWa und dem Mitgesellschafter Energy Infrastructure Partners gemeinsam gehalten — sollen auf einen sogenannten Transformations-Gesellschafter übertragen werden, der die Restrukturierung und den späteren Verkauf begleitet. Aus diesem Verkauf erwartet BayWa Erlöse von bis zu 900 Millionen Euro zur Schuldentilgung.

Fokus auf Kerngeschäft

Parallel dazu schärft BayWa sein Profil. Der Konzern will sich künftig auf die Bereiche Agrar, Technik und Baustoffe konzentrieren. Den Geschäftsbereich Wärme und Mobilität plant das Unternehmen bis Ende 2029 zu veräußern, die Erlöse sollen Schulden tilgen. Die Kernbereiche Agrar und Technik sollen zudem in eine separate Tochtergesellschaft überführt werden — mit Blick auf eine bessere Refinanzierbarkeit am Ende des Sanierungszeitraums.

Dass die Warnsignale lange sichtbar waren, betonen inzwischen auch Bilanzexperten: Schon ab 2018 hätten zentrale Kennzahlen auf strukturelle Schwächen hingedeutet, 2021 seien diese unübersehbar geworden. Der jetzt verlängerte Sanierungsplan zeigt, wie viel Weg noch vor dem Münchner Traditionsunternehmen liegt. Ob die Kapitalerhöhung 2029 gelingt und die Großaktionäre tatsächlich liefern, wird darüber entscheiden, ob BayWa den Turnaround aus eigener Kraft schafft — oder die Aktionärsstruktur grundlegend verändert werden muss.

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