Bayer übertrifft Erwartungen - Agrarsparte überzeugt - Kurssprung
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 09:30 Uhr | dpa.deZudem legten in der Pharmasparte die Verkaufszahlen noch recht neuer Medikamente weiter deutlich zu. Der Aktienkurs zog im frühen Handel an. JPMorgan-Analyst Richard Vosser sprach in einer ersten Reaktion von starken Geschäftszahlen, die zu steigenden Gewinnerwartungen am Markt führen dürften.
Kurz nach dem Börsenstart stieg der Aktienkurs um 4,5 Prozent auf 49,28 Euro. Nach dem jüngsten Rücksetzer vom Kurssprung Ende Juni legten die Papiere damit wieder zu. Ende Juni hatte ein Erfolg vor dem obersten US-Gericht in den Streitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosatbasierter Unkrautvernichter eine Rally ausgelöst.
Der US Supreme Court hatte entschieden, dass Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden kann. Das Oberste Gericht berief sich dabei darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien - damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben. Tausenden Klagen auf Basis angeblicher Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen worden sein.
Bayer-Chef Bill Anderson trieb die angestrebte Lösung des Glyphosat-Themas auch anderweitig voran. Am 19. August steht hierzu eine Anhörung für eine mögliche endgültige Genehmigung eines Anfang des Jahres angekündigten Sammelvergleichs zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup in den USA an. Die Entscheidung des Richters wird im weiteren Jahresverlauf erwartet. Im Rahmen dieses Vergleichs wird Bayer bis zu 21 Jahre lang abnehmende, gedeckelte jährliche Zahlungen in Höhe von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leisten.
Und auch im Tagesgeschäft lief es zuletzt besser. In den drei Monaten bis Ende Juni stieg der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang erwartet.
Dabei steigerte die Agrarsparte Crop Science bei einem moderaten Umsatzwachstum ihren operativen Gewinn um fast ein Drittel auf 902 Millionen Euro, wobei auch niedrigere Herstellungskosten durch Effizienzprogramme halfen. Zudem profitierte der Dax DE0008469008-Konzern von Zuwächsen im Geschäft mit Soja- sowie Baumwoll-Saat infolge der Wiederzulassung Dicamba-basierter Produkte in den USA. So hatte die US-Umweltbehörde im Februar die Zulassung von Dicamba-Herbiziden in 34 US-Bundesstaaten wiederhergestellt. Das hilft der Nachfrage nach Saatgut für Dicamba-tolerante Soja- und Baumwollpflanzen.
Im Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten sank das operative Ergebnis wegen höherer Kosten für die Vermarktung neuer Arzneien zwar etwas auf 1,055 Milliarden Euro, allerdings lief es besser als von Analysten erwartet. Hier wachsen die Geschäfte mit noch jungen Medikamenten wie dem Krebsmittel Nubeqa sowie Kerendia zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen sowie Herzinsuffizienz deutlich, was hilft, fortgesetzte Umsatzeinbrüche beim Blutgerinnungshemmer Xarelto sowie dem Augenmedikament Eylea abzufedern. Die beiden Kassenschlager leiden nach Patentabläufen unter Generika-Konkurrenz. Unter dem Strich verblieb bei Bayer ein Konzerngewinn von 219 Millionen Euro, nach einem Verlust von 199 Millionen vor einem Jahr. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein Plus von 2,2 Prozent.
Den währungsbereinigten Umsatzausblick für 2026 von 45 bis 47 Milliarden Euro bestätigte Bayer; inklusive Wechselkurseffekten stieg der Ausblick leicht auf 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro.
Die Prognosen für das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben exklusive sowie inklusive Wechselkurseffekten unverändert bei 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro beziehungsweise bei 9,4 bis 9,9 Milliarden.
Optimistischer blickt die Bayer-Chefetage derweil auf die Verschuldung. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende nun bei 29 bis 30 Milliarden Euro liegen, statt bei den bisher avisierten 32 bis 33 Milliarden. Grund ist ein vor wenigen Wochen bekannt gegebener Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo US03769M1062. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln einbringt. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge drei Milliarden Euro Eigenkapital.
