Bayer, Aktie

Bayer Aktie: Übernahme und Rechtsrisiko

17.06.2026 - 14:45:02 | boerse-global.de

Bayer schließt Übernahme von Perfuse Therapeutics ab, während ein neues Worst-Case-Szenario der UBS die Aktie belastet.

Bayer Aktie: Pharmazukauf und neues Glyphosat-Risiko
Bayer - Abstrakte Darstellung von Recht und Wissenschaft, mit Waagschalen, die Moleküle und Rechtsdokumente ausbalancieren, in einem Büroumfeld. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bayer liefert an diesem Mittwoch gleich zwei Schlagzeilen auf einmal — und die zeigen, wie weit der Konzern derzeit von ruhigem Fahrwasser entfernt ist. Auf der einen Seite ein frischer Zukauf im Pharmabereich, auf der anderen ein juristisches Szenario, das die Aktie um mehr als ein Viertel drücken könnte.

Augen auf: Perfuse Therapeutics abgeschlossen

Mit der abgeschlossenen Übernahme von Perfuse Therapeutics sichert sich Bayer die vollständigen Rechte an PER-001, einem Augenheilkunde-Wirkstoff der sich derzeit in der klinischen Phase II befindet. Das Mittel soll Glaukom und diabetische Retinopathie behandeln — zwei der weltweit häufigsten Erblindungsursachen. Die Sofortzahlung beläuft sich auf 300 Millionen Dollar; inklusive erfolgsabhängiger Meilensteinzahlungen liegt das Gesamtpotenzial der Transaktion bei bis zu 2,45 Milliarden Dollar.

Der strategische Fit ist nachvollziehbar: Bayer hat in der Ophthalmologie bereits eine etablierte Basis, PER-001 könnte diese ausbauen. Allerdings ist der Wirkstoff noch weit von der Zulassung entfernt — ein Blockbuster-Versprechen, das noch eingelöst werden muss.

Glyphosat: Das juristische Labyrinth

Parallel dazu läuft das Glyphosat-Verfahren weiter und sorgt für Unsicherheit. Die UBS hat ein "Worst-Case"-Szenario skizziert, das ein Kursziel von 28 Euro impliziert — deutlich unter dem aktuellen Niveau.

Ausgelöst würde dieses Szenario durch zwei gleichzeitig ungünstige Entwicklungen: Erstens, falls der Glyphosat-Vergleich nicht beim Gericht in Missouri verbleibt, sondern in die Bundesgerichtsbarkeit wechselt — und dort an Richter Vince Chhabria in Kalifornien gelangt, der dem Vergleich grundsätzlich skeptisch gegenübersteht. Zweitens, falls der Supreme Court im separaten Durnell-Fall ein für Bayer negatives Urteil fällt.

UBS-Analyst Matthew Weston weist darauf hin, dass Experten die Wahrscheinlichkeit eines positiven Supreme-Court-Votums auf rund 70 Prozent schätzen. Eine Entscheidung wird noch vor Ende Juni erwartet. Selbst bei einem Sieg in Washington blieben die übrigen Glyphosat-Klagen vergleichspflichtig — das juristische Kapitel ist damit in keinem Szenario schnell geschlossen.

Der Verfahrensweg selbst ist gerade in Bewegung: Richter Henry Autrey muss zunächst entscheiden, ob der Vergleich an Missouri zurückgeht oder in die Bundesgerichtsbarkeit überführt wird. Beide Ausgänge gelten als ähnlich wahrscheinlich — das erhöht die Unsicherheit zusätzlich.

Das Supreme-Court-Urteil im Durnell-Fall dürfte in den kommenden Wochen zur entscheidenden Weichenstellung werden — sowohl für die Vergleichsverhandlungen als auch für die Kursentwicklung der Aktie.

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