Bayer Aktie: Supreme Court im Fall Durnell
24.06.2026 - 20:09:24 | boerse-global.deDas Urteil könnte Milliarden wert sein. Noch in dieser Woche erwarten Beobachter die Entscheidung des US Supreme Court im Fall „Durnell" — und Bayer-Anleger schauen gebannt hin. Die Aktie legt heute knapp vier Prozent zu und notiert bei 40,03 Euro.
Im Kern geht es um die Frage, ob EPA-Zulassungen einzelstaatliche Klagen wegen fehlender Warnhinweise blockieren. Ein Ja der Richter würde den Glyphosat-Rechtsstreit strukturell beenden. Für Bayer wäre das eine massive Entlastung — das Management rechnet allein 2026 mit rund fünf Milliarden Euro Abfluss für Rechtsstreitigkeiten.
US-Handelsuntersuchung als neue Belastung
Parallel läuft eine neue Bedrohung an. Am 18. Juni leitete die Trump-Administration eine Handelsuntersuchung nach Section 301 gegen Deutschland ein. Der Vorwurf: Zu niedrige Arzneimittelpreise zwingen amerikanische Patienten, einen unverhältnismäßig hohen Anteil der globalen Forschungskosten zu tragen.
Es ist das erste Mal, dass Washington seine Pharmapreisagenda gegen ein einzelnes europäisches Land durchsetzt. Handelsbeauftragter Greer nannte höhere Erstattungspreise als mögliche Alternative zu Zöllen. Eine öffentliche Anhörung folgt im September.
Für Bayer ist das relevant. Der Konzern betreibt Produktions- und Vertriebsstrukturen auf beiden Seiten des Atlantiks. Zölle oder Preisanpassungen würden die Margen im Pharmasegment direkt treffen.
Pipeline liefert Gegengewicht
Auf der operativen Seite gibt es Fortschritte. Am 15. Juni ließ die FDA das Kontrastmittel Ambelvist (Gadoquatrane) für die kontrastverstärkte MRT-Bildgebung zu — für Erwachsene und pädiatrische Patienten einschließlich Neugeborener. Das Präparat enthält 60 Prozent weniger Gadolinium als vergleichbare makrozyklische Kontrastmittel. Japan hatte es bereits im März zugelassen; EU- und China-Anträge laufen.
Hinzu kommt Asundexian. Europa und die USA prüfen den Schlaganfall-Kandidaten aktuell. Eine Phase-III-Studie zeigte eine Risikosenkung um 26 Prozent gegenüber Placebo. Das ist strategisch wichtig: Xarelto-Erlöse brachen 2025 um ein Drittel auf 2,6 Milliarden US-Dollar ein — der Patentablauf hinterlässt eine Lücke, die Bayer dringend schließen muss.
Solides Q1, aber negativer Cashflow erwartet
Das erste Quartal 2026 lief besser als befürchtet. Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um 4,1 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um neun Prozent auf 4,5 Milliarden Euro zu. Nubeqa wuchs um 57 Prozent, Kerendia um 84 Prozent.
Der freie Cashflow soll 2026 dennoch auf bis zu minus 2,5 Milliarden Euro rutschen — belastet durch die Glyphosat-Zahlungen. Das ist der Riss im soliden Quartalsbild.
Die Aktie notiert auf Jahressicht rund 51 Prozent im Plus, liegt aber noch knapp 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro. Das Supreme-Court-Urteil dieser Woche dürfte darüber entscheiden, ob Bayer diesen Abstand schließen kann.
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