British American Tobacco plc, GB0002875804

BAT-Aktie nach Milliardenabschreibung: Value-Chance oder Value-Falle?

19.02.2026 - 15:57:12 | ad-hoc-news.de

British American Tobacco schockt den Markt mit Milliarden-Abschreibungen – und lockt zugleich mit zweistelliger Dividendenrendite. Was steckt wirklich hinter dem Kurs, und was bedeutet das für deutsche Dividendenjäger?

Bottom Line zuerst: British American Tobacco (BAT) steht nach massiven Abschreibungen auf US-Zigarettenmarken, einem laufenden Umbau Richtung E?Zigaretten & Nikotinbeutel und einer weiter sehr hohen Dividendenrendite im Brennglas der Anleger. Für deutsche Investoren ist die Aktie damit zugleich Risiko- und Einkommensstory – abhängig davon, wie glaubwürdig man den Strategiewechsel einschätzt.

Was Sie jetzt wissen müssen: Der Konzern hat jüngst gewarnt, dass die traditionellen Zigarettenmärkte schneller schrumpfen als gedacht, Milliarden auf Markenwerte abgeschrieben und stellt sich operativ neu auf. Gleichzeitig bestätigen Analysten überwiegend ihre Kaufempfehlungen – bei teils deutlich über dem aktuellen Kurs liegenden Kurszielen. Für Anleger aus Deutschland geht es um die Frage: Ist die zweistellige Dividendenrendite nachhaltig – oder eine Falle?

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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

BAT ist einer der größten Tabakkonzerne der Welt und an der London Stock Exchange notiert. Die Aktie ist in Deutschland unter anderem über Xetra sowie diverse Neobroker und Direktbanken handelbar und gehört in vielen hiesigen Depots zu den klassischen Dividendenwerten. Genau diese Rolle wird derzeit vom Markt neu bewertet.

Auslöser der jüngsten Volatilität sind vor allem drei Faktoren:

  • Hohe Abschreibungen auf US-Marken wie Newport und Camel, weil künftige Cashflows niedriger eingeschätzt werden.
  • Regulatorischer Druck (Mentholverbote, Diskussion um Nikotinobergrenzen, strengere Auflagen für Vaping-Produkte).
  • Strategiewechsel hin zu „New Categories“ (Vapes, erhitzter Tabak, Nikotinbeutel) – mit hohen Investitionen und Anlaufkosten.

Damit hat sich das Narrativ der Aktie verschoben: Weg vom nahezu „obligatorischen Dividendentitel“ hin zu einem zyklischen Repricing eines strukturell schrumpfenden Geschäfts. Das spiegelt sich im Kursverlauf der letzten Jahre wider: Trotz hoher Ausschüttungen notiert die Aktie deutlich unter früheren Höchstständen.

Kernausgangslage in Zahlen (vereinfacht)

Kennzahl Aktuelle Einordnung (Marktnahe Größenordnung) Einordnung für deutsche Anleger
Geschäftsmodell Globaler Tabakkonzern, stark in traditionellen Zigaretten, Ausbau von Vaping & Nikotinbeuteln Exponiert gegenüber Regulierung, aber hoher Cashflow – wichtig für Dividendenstrategien
Regionale Exponierung Starker Fokus USA & Schwellenländer, aber global diversifiziert Für deutsche Anleger Währungsrisiko (GBP/USD vs. EUR), aber Streuung abseits Euro-Raum
Dividendenrendite Zweistelliger Prozentbereich auf Basis des aktuellen Kurses Sehr attraktive laufende Rendite – Nachhaltigkeit hängt von Cashflow & Regulierung ab
Bewertung (KGV, fwd.) Niedrig einstelliger bis mittlerer einstelliger Bereich Deutet auf Skepsis des Marktes hin – Chance für Contrarians, Risiko für Momentum-Anleger
Schulden Deutlich, bedingt durch frühere Übernahmen, aber kontinuierlicher Abbau Wichtig für deutsche Einkommensinvestoren: Verschuldung begrenzt künftige Dividendenfantasie

Warum deutsche Anleger genau hinschauen sollten

Für Anleger hierzulande spielt BAT vor allem in zwei Strategien eine Rolle:

  • Dividenden-Depot: Viele deutsche Privatanleger nutzen BAT als „Cashflow-Baustein“ – etwa im Rahmen einer Dividendenstrategie oder FIRE-Konzepte (Financial Independence, Retire Early).
  • Value-/Contrarian-Ansatz: Das niedrige Bewertungsniveau zieht Investoren an, die auf eine Neubewertung und Stabilisierung des Geschäftsmodells setzen.

Beide Ansätze sind aktuell jedoch mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Der Markt stellt drei Fragen, die auch für deutsche Investoren zentral sind:

  1. Wie schnell schrumpft das klassische Zigarettengeschäft wirklich?
  2. Wie profitabel werden die „New Categories“ – und wann?
  3. Reicht der Free Cashflow aus, um Dividende, Schuldenabbau und Investitionen zu stemmen?

In seinen jüngsten Verlautbarungen betont BAT, dass die Wachstumsraten in Vaping, erhitztem Tabak und Nikotinbeuteln zweistellig sind und der Break-even in diesen Segmenten näher rückt. Gleichzeitig räumt das Management ein, dass das US-Zigarettengeschäft durch Regulierung und Konsumtrends unter Druck steht – was auch die erwähnten Abschreibungen ausgelöst hat.

Für deutsche Anleger ist besonders relevant, dass BAT eine progressive Dividendenpolitik verfolgt: Die Ausschüttung je Aktie soll über die Zeit weiter steigen, sofern es Cashflow und Bilanz zulassen. Das macht die Aktie anfällig für Kursreaktionen, wenn Zweifel an dieser Dividendenstory aufkommen.

Makro- und Zinsumfeld: Rücken- oder Gegenwind?

Das Zinsumfeld spielt für BAT eine doppelte Rolle:

  • Bewertungseffekt: Steigende Zinsen reduzieren den relativen Vorteil von Dividendenwerten gegenüber sicheren Anleihen. Das belastet defensive „Bond-Proxies“ wie BAT.
  • Finanzierungskosten: Höhere Zinsen verteuern Refinanzierung und verzögern den Schuldenabbau.

Sollten die großen Notenbanken – inklusive EZB und Bank of England – ihren Leitzinskurs perspektivisch lockern, könnte das BAT und anderen Hochdividendenwerten Bewertungsunterstützung geben. Für deutsche Anleger, die in Euro denken, kommt zudem noch der Wechselkurs-Effekt hinzu: Ein stärkeres Pfund kann Renditen in Euro nachträglich erhöhen, ein schwächeres entsprechend schmälern.

Regulierung & ESG: Das unterschätzte Deutschland-Risiko

Während BAT einen Großteil seines Umsatzes außerhalb der EU erzielt, ist der deutsche Kapitalmarkt stark von ESG-Trends geprägt. Zahlreiche Fonds und ETFs schließen Tabak konsequent aus, was den institutionellen Nachfragepool begrenzt. Für Privatanleger eröffnet das zwar potenziell bessere Einstiegskurse, aber:

  • Index-Gewichtungen zugunsten nachhaltigerer Sektoren verstärken den Verkaufsdruck auf Tabakwerte.
  • Politische Signale – etwa Debatten um Werbeverbote oder Verpackungsvorschriften – wirken sich indirekt auch auf die Bewertung von BAT aus.

Deutsche Anleger sollten daher nicht nur auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen achten, sondern auch auf die Kapitalmarkt-Stimmung gegenüber „Sin Stocks“ generell. Diese kann Bewertungsmultiplikatoren dauerhaft niedrig halten, selbst wenn die Cashflows stabil bleiben.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Die Analystenlandschaft ist bei BAT gespalten, aber tendenziell positiv. Große Adressen wie JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Deutsche Bank haben in den vergangenen Monaten ihre Modelle an die Abschreibungen und das Wachstum der „New Categories“ angepasst, ohne flächendeckend in den Verkaufsmodus zu wechseln.

Über mehrere Finanzportale (u.a. Reuters, Bloomberg, Finanzen.net) ergibt sich folgendes Bild: Der Konsens liegt mehrheitlich im Bereich „Kaufen“ bis „Halten“, während explizite Verkaufsempfehlungen in der Minderheit sind. Die durchschnittlichen Kursziele liegen spürbar über dem aktuellen Kursniveau, was auf ein eingepreistes Risiko, aber auch auf Upside-Potenzial schließen lässt.

Institut (Beispiel) Rating-Tendenz Implizite Aussage für Anleger
JPMorgan Überwiegend positiv (Kauf-/Übergewichten-Tendenz) Value-Case intakt, Abschreibungen als Bilanz- und nicht Cash-Thema interpretiert
Goldman Sachs Neutral bis positiv Risiko aus Regulierung & Nachfrage anerkannt, aber hohe Cash-Generierung als Puffer
Morgan Stanley Eher neutral Abwarten, ob „New Categories“ die Lücke zum rückläufigen Zigarettengeschäft schließen
Deutsche Bank Verhalten positiv Dividende als attraktiv, aber stark von Schuldenabbau und Cashflow-Entwicklung abhängig

Für deutsche Anleger wichtig: Analysten unterscheiden klar zwischen der bilanztechnischen Wucht der Abschreibungen und den laufenden Cashflows. Abschreibungen mindern zwar das ausgewiesene Ergebnis, verändern aber kurzfristig keinen Cent an der Liquidität – diese ist jedoch entscheidend für Dividenden und Schuldenabbau.

Genau hier liegt der Kern der Investment-These:

  • Wer den Analysten folgt und davon ausgeht, dass BAT seinen Free Cashflow stabil halten kann, sieht eine unterbewertete Dividendenmaschine mit optionalem Bewertungsaufschlag, sobald sich die Regulatory- und Transformationstory klärt.
  • Wer skeptisch ist, fürchtet, dass die strukturelle Schrumpfung des Zigarettenmarktes und mögliche Regulierungsüberraschungen die Cashflows schneller erodieren lassen, als es der Konsens aktuell einkalkuliert.

Konkrete Implikationen für deutsche Depots

In vielen deutschen Depots ist BAT als Einzelwert und über internationale Dividenden-ETFs vertreten. Anleger sollten für sich drei Szenarien durchspielen:

  1. Basisszenario: Cashflows bleiben robust, „New Categories“ wachsen, Dividende bleibt hoch und wird moderat gesteigert. Ergebnis: Hohe laufende Rendite, moderate Kurschancen.
  2. Negativszenario: Schärfere Regulierung, schnellere Nachfrage-Erosion, Margendruck. Ergebnis: Dividendenkürzung möglich, Kursrückschläge, Value-Falle.
  3. Positivszenario: Transformation gelingt schneller als erwartet, Tabakgeschäft schrumpft kontrolliert, Zinsumfeld entspannt sich. Ergebnis: Neubewertung, Kurs plus Dividende in Summe sehr attraktiv.

Welche Gewichtung BAT im deutschen Portfolio einnehmen sollte, hängt somit von Risikobereitschaft, Anlagehorizont und ESG-Präferenzen ab. Kurzfristig orientierte Trader setzen eher auf Volatilität rund um Nachrichten und Analystenkommentare; langfristig denkende Einkommensinvestoren achten vor allem auf Free-Cashflow-Trends, Verschuldungsgrad und regulatorische Meilensteine.

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