BASF Aktie: Prognose steigt, Kurs sinkt
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bessere Zahlen, schwächerer Kurs — bei BASF passt das eine nicht zum anderen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hat am Mittwoch die Jahresprognose angehoben und im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Die Aktie reagierte trotzdem mit Verlusten von zeitweise mehr als drei Prozent auf ein Tagestief bei 47,77 Euro, nachdem sie kurz zuvor sogar ins Plus gedreht hatte.
Zahlen übertreffen Erwartungen deutlich
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro — getragen von höheren Preisen und größeren Absatzmengen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte 2,4 Milliarden Euro und lag damit klar über der Analystenschätzung von 2,1 Milliarden Euro sowie über dem Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro. Mit Ausnahme der Sparte Surface Technologies verbesserten sich alle Segmente.
Für das Gesamtjahr rechnet BASF nun mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Der Konsens der Analysten lag bereits bei 7,3 Milliarden Euro — die Anhebung bewegt sich also im erwarteten Rahmen, was die verhaltene Kursreaktion erklären dürfte.
Ein Sondereffekt verzerrt das Bild zusätzlich: Das Ergebnis nach Steuern schoss auf 4,1 Milliarden Euro, weit über der Schätzung von 2,4 Milliarden Euro. Grund ist ein Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro vor Steuern aus dem zum 30. Juni abgeschlossenen Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle.
Cashflow belastet, Ausblick bleibt vorsichtig
Operativ zeigt sich allerdings auch eine Schwachstelle. Höhere Rohstoffpreise banden mehr Kapital, der Free Cashflow rutschte im Quartal auf minus 0,2 Milliarden Euro, nach plus 0,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr hält BASF an der Spanne von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro fest.
Die Konzernführung hat zudem die konjunkturellen Annahmen für 2026 leicht nach unten korrigiert — das Wachstum der Chemieproduktion wird jetzt nur noch mit 1,8 Prozent statt 2,4 Prozent veranschlagt. Wie stark sich das zweite Halbjahr entwickelt, hänge maßgeblich vom Ausgang der Verhandlungen zwischen den USA und Iran ab, insbesondere von der Nutzbarkeit der Straße von Hormus für den Rohstoffhandel. Eine anhaltende Blockade dieser Route würde die Wirtschaft spürbar bremsen, eine schnelle Einigung dagegen Rückenwind liefern.
Bernstein Research bekräftigte unterdessen die Einstufung "Outperform" mit einem Kursziel von 61 Euro und hält die jüngste Kurskorrektur für übertrieben. Das Analysehaus setzt im zweiten Halbjahr auf zusätzliche Impulse aus dem geplanten Börsengang der Agrarchemie-Sparte.
Den vollständigen Halbjahresbericht will BASF am 29. Juli 2026 vorlegen — dann dürfte sich zeigen, ob die operative Stärke außerhalb des Coatings-Sondereffekts trägt.
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