BaFin warnt vor „Buy now, pay later“ als Top-Risiko
14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deDie Finanzaufsicht stuft Ratenkäufe ohne Prüfung als gefährlich ein – und ein massiver Rechtsumbau steht bevor. Ab November 2026 wird die bequeme Zahlung auf Pump streng reguliert sein.
Das Ende der Grauzone für Ratenkäufe
Jahrelang boomte „Buy now, pay later“ (BNPL) in einer rechtlichen Grauzone. Kleine Beträge, kurze Laufzeiten und zinsfreie Stundungen entgingen oft der strengen Kreditregulierung. Das ändert sich grundlegend. Am 20. November 2026 tritt die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II) in Deutschland in Kraft.
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Die neuen nationalen Gesetze, darunter das Absatzfinanzierungsaufsichtsgesetz (AbsFinAG), ziehen einen klaren Schlussstrich. Künftig gelten auch Kleinstkredite unter 200 Euro, dreimonatige Stundungen und Null-Prozent-Finanzierungen als vollwertige Verbraucherkredite. Die Folge: Anbieter müssen vor jeder Transaktion eine bonitätsabhängige Prüfung durchführen. Der schnelle, ungeprüfte Kauf per Mausklick gehört dann der Vergangenheit an.
BaFin-Daten zeigen fatale Überschuldungsgefahr
Die Aufsicht begründet ihre scharfe Warnung mit alarmierenden Zahlen. Eine von der BaFin in Auftrag gegebene Studie vom April 2025 ergab: 20 Prozent der 18- bis 60-Jährigen nutzen BNPL. Doch die Bequemlichkeit hat einen hohen Preis.
14 Prozent aller Nutzer haben bereits den Überblick über ihre offenen Raten verloren. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 24 Prozent. Die Aufsicht warnt vor einer gefährlichen Schuldenspirale durch viele Mikrokredite. „Die Anhäufung dieser scheinbar kleinen Beträge kann schnell in eine schwere Überschuldung münden“, so die BaFin. Sie kündigte für 2026 schärfere Überwachung und Verbraucheraufklärung an.
Schufa-Scoring: Ratenkauf kann Bonität senken
Parallel zur Gesetzesverschärfung ändert sich die Bewertung der Kreditwürdigkeit. Im März 2026 führt die Schufa ihr „Next Generation Scoring“ ein. Das neue, transparente Punktesystem (100-999) bewertet aktives Finanzverhalten streng.
Die häufige Nutzung von Ratenkauf-Diensten wird dabei negativ ins Gewicht fallen. Jede Transaktion löst eine Bonitätsanfrage aus. Das neue Modell wertet permanente Mikrokredit-Nachfrage als Zeichen für Liquiditätsengpässe – und kann den Score vorübergehend senken. Ab November 2026 wird jede BNPL-Transaktion eine solche Anfrage nach sich ziehen. Wer also heute sorglos viele Ratenkäufe tätigt, könnte sich morgen den Zugang zu dieser Finanzierungsform selbst verbauen.
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E-Commerce vor milliardenschwerer Compliance-Herausforderung
Für den Handel und Fintech-Unternehmen bedeutet der Umbau immense Anstrengungen. Nach dem neuen AbsFinAG müssen sich viele Anbieter bei der BaFin registrieren lassen. Geschäftsmodelle mit externen Finanzierern gelten oft als Kreditvermittlung und benötigen eine Erlaubnis nach der Gewerbeordnung.
Die größte Hürde ist technologischer Natur. Händler müssen Echtzeit-Bonitätsprüfungen nahtlos in ihren Bezahlvorgang integrieren – ohne dass zu viele Kunden den Kauf abbrechen. Gleichzeitig müssen die Kosten und Risiken des „Kauf auf Pump“ klar kommuniziert werden. Aggressive Werbung für sofortige Finanzierung wird der Vergangenheit angehören.
Europa zieht die Zügel an
Deutschland ist kein Einzelfall. In Europa wächst der Konsens, den wildwüchsigen Mikrokredit-Markt zu bändigen. Die Niederlande erwogen 2025 sogar ein BNPL-Verbot im stationären Handel, um Spontankäufe auf Kredit einzudämmen.
Experten sehen in der Regulierung trotz kurzfristiger Kosten eine Chance. Obligatorische Bonitätschecks halten Verbraucher fern, die sich die Raten nicht leisten können. Das dürfte die Ausfallquoten senken und für mehr Stabilität sorgen. Der digitale Ratenkauf wird erwachsen – und ähnlichen Standards unterworfen wie der klassische Bankkredit.
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