Baden-Württemberg setzt auf Wohnungstausch gegen die Krise
21.02.2026 - 23:10:12 | boerse-global.deDer angespannte Wohnungsmarkt in Baden-Württemberg rückt vor der Landtagswahl in den Fokus. Während Parteien über Neubau debattieren, gewinnt eine pragmatische Idee an Bedeutung: der Tausch von Wohnungen. Senioren in zu großen Wohnungen könnten so mit Familien tauschen, die dringend mehr Platz brauchen. Doch die Praxis ist kompliziert.
Der Markt bleibt angespannt
Die Lage im Südwesten ist kritisch. In Metropolen wie Stuttgart, Freiburg oder Heidelberg übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Die Mietpreise bleiben hoch. Besonders dramatisch ist die Situation bei Sozialwohnungen. Aktuellen Analysen zufolge stehen knapp 55.000 Sozialwohnungen etwa 800.000 armutsgefährdeten Haushalten gegenüber. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Neubau in den kommenden Jahren zurückgeht. Der Druck auf den bestehenden Wohnraum steigt also weiter.
Die Idee ist einfach, die Hürden sind hoch
Das Prinzip des Wohnungstauschs klingt logisch: Effizientere Nutzung des Bestands, ohne einen einzigen Neubau. In der Praxis scheitert das Konzept jedoch oft an rechtlichen und finanziellen Barrieren. In Deutschland gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Tausch. Mieter können ihre Verträge nicht einfach tauschen. Stattdessen müssen alle beteiligten Vermieter zustimmen – was rechtlich neuen Mietverträgen gleichkommt. Vermieter nutzen diese Gelegenheit oft für Mieterhöhungen. Zudem müssen beide Tauschparteien die Bonitätsprüfung des neuen Vermieters bestehen.
Vermieter, die bei einem Mieterwechsel oder Wohnungstausch rechtssicher und fair handeln wollen, finden praktische Hilfe im kostenlosen Mietspiegel-Report 2025. Der PDF-Report liefert Vergleichsmieten für deutsche Städte, rechtssichere Begründungen für Mieterhöhungen und hilft, typische Fehler zu vermeiden – in nur 5 Minuten zum Download. Jetzt kostenlosen Mietspiegel-Report herunterladen
Ein Landesprogramm soll helfen
Die Landesregierung versucht mit Anreizen gegenzusteuern. Ein zentrales Instrument ist der „Wohnflächenbonus BW“, der bis Ende 2026 läuft. Das Programm fördert Kommunen, die Mieter in kleinere Wohnungen vermitteln. Gelingt ein Umzug, bei dem die Wohnfläche um mindestens 15 Quadratmeter reduziert wird, erhält die Kommune eine Grundprämie von 3.000 Euro. Dieses Geld kann flexibel eingesetzt werden, etwa für Zuschüsse zu Umzugskosten. Das Ziel: Untergenutzten Wohnraum für größere Haushalte freimachen.
Wahlkampf-Debatte um bezahlbares Wohnen
Im Vorfeld der Landtagswahl fordern Politiker aller Parteien entschlossene Maßnahmen. Die Vorschläge reichen von beschleunigten Genehmigungsverfahren über reduzierte Baukosten bis hin zu mehr Förderung für gemeinwohlorientierte Träger. Während sich die Debatte oft um Neubau dreht, bieten Instrumente wie der Wohnungstausch konkrete Lösungen für den Bestand. Könnten solche pragmatischen Ansätze mehr Gewicht bekommen?
Tausch allein löst das Problem nicht
Experten sehen im Wohnungstausch ein wertvolles, aber begrenztes Instrument. Die grundlegende Knappheit kann nur durch Neubau behoben werden. Doch in Zeiten hoher Baukosten und langer Verfahren kann die Aktivierung von „stillem Wohnraum“ schnell Entlastung bringen. Initiativen wie kommunale Tauschbörsen oder Online-Plattformen versuchen, Partner zusammenzubringen. Ihr Erfolg hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen ab. Der „Wohnflächenbonus“ senkt finanzielle Hürden. Die größere Herausforderung bleibt das fehlende Recht auf Tausch.
Die Diskussion wird sich bis zur Wahl weiter zuspitzen. Die Wirksamkeit des befristeten Bonus-Programms wird ausgewertet und könnte Vorbild für künftige Maßnahmen sein. Auf Bundesebene wird zwar über einen Rechtsanspruch diskutiert, ein konkreter Plan fehlt jedoch. Kurzfristig liegt der Fokus auf freiwilligen Modellen mit finanziellen Anreizen. Die Lösung für Baden-Württemberg wird ein Mix sein müssen: mehr Neubau und eine klügere Nutzung des Bestands.
Hol dir den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt kostenlos anmelden
Jetzt abonnieren.


