Grenke verdient trotz vieler Insolvenzen mehr - Aktie unter Druck
12.03.2026 - 17:38:51 | dpa.de(Neu: Aktienkurs fällt deutlich, Kommentar von Analyst DZ Bank)
BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Der Leasingspezialist Grenke DE000A161N30 hat im Jahr 2025 etwas mehr verdient als im Vorjahr - trotz einer anhaltend hohen Zahl von Zahlungsausfällen und Insolvenzfällen unter seinen Kunden. 2026 dürfte die Schadenquote zwar weiterhin hoch bleiben, doch rechnet sich das Management nochmals mehr Gewinn aus. Zentraler Fokus für die kommenden Jahre bleibe dabei Rentabilität, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dabei setzt Grenke auch auf den jüngsten Umbau des Geschäfts.
Die Aktie stieg nach den Nachrichten im frühen Handel um fast drei Prozent, kam dann aber Druck. Kurz vor dem Handelsende ging für den Aktienkurs dann um mehr als 8 Prozent nach unten auf ein Tief seit Mai 2025. Damit rutschte das Papier auf den letzten Platz des Nebenwerteindex-SDax.
Grenke habe gute Zahlen veröffentlicht, die allerdings im Rahmen der Erwartungen lägen, schrieb Analyst Philipp Häßler von der DZ Bank in einem ersten Kommentar. Der deutliche Anstieg des Zinsüberschusses und der unterproportionalen Anstieg der Kosten seien positiv. "Die Risikovorsorge hat uns dagegen leicht negativ u?berrascht."
"Mit dem Abschluss der Franchiser-Übernahmen und der Einleitung des Verkaufs unseres Factoring-Segments konnten wir unseren strategischen Fokus schärfen", zog Grenke-Chef Sebastian Hirsch laut Mitteilung in Baden-Baden sein Resümee für 2025. Damit habe der Konzern im vergangenen Jahr eine wichtige Etappe gemeistert. "Denn jetzt können wir all unsere Ressourcen auf unser globales Kerngeschäft Small-Ticket-Leasing konzentrieren." Als Nächstes will Hirsch bis 2030 eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent nach Steuern erreichen, dazu werde sich Grenke jedes Jahr um durchschnittlich rund einen Prozentpunkt verbessern.
Die Baden-Badener finanzieren in ihrem Hauptgeschäft als Leasing-Anbieter vor allem Verträge mit einem relativ kleinen Umfang, etwa für Büro-Ausstattung wie Laptops, Kopierer und Drucker. Daneben hatte Grenke früher im Rahmen des sogenannten Factoring bestimmte Forderungen etwa von Unternehmen an Kunden aufgekauft und anschließend selbst die ausstehenden Beträge bei den Schuldnern eingetrieben.
Im vergangenen Jahr wurde der Bereich dann an die Schweizer Teylor AG verkauft, wobei die einzelnen Landesgesellschaften noch schrittweise übertragen werden. Ferner kaufte Grenke seit der Attacke eines Leerverkäufers vor einigen Jahren systematisch Franchiseunternehmen zurück, die von externen Investoren gegründet worden waren.
Für 2026 prognostiziert das Management nun einen Gewinnanstieg auf 74 bis 86 Millionen Euro. Das wäre im Bestfall ein Plus von knapp einem Fünftel, im schlechtesten um rund 3 Prozent. Damit sei für das laufende Jahr eine solide geschäftliche Entwicklung zu erwarten, kommentierte Warburg-Analyst Andreas Pläsier die Nachrichten. Mit den Zahlen für 2025 habe das Leasing-Unternehmen zudem seine Erwartungen erfüllt.
Im vergangenen Jahr war der Gewinn Grenke zufolge um 2,3 Prozent auf 71,8 Millionen Euro geklettert. "Seit drei Quartalen in Folge steigern wir unseren Gewinn kontinuierlich - damit haben wir die Trendwende bei unserer Profitabilität geschafft und unser Jahresziel erreicht", sagte Unternehmenslenker Hirsch. Damit kam das Unternehmen indes am unteren Ende seiner Prognose heraus, die bei 71 bis 81 Millionen Euro gelegen hatte. Für die Aktionäre steigt die Dividende leicht auf 0,42 Euro je Aktie, nachdem es im Vorjahr 0,40 Euro gegeben hatte.
Das starke Wachstum des Leasingneugeschäfts der letzten Jahre hatte laut Grenke zu einem kräftigen Anstieg der operativen Erträge geführt, diese zogen 2025 um 14,7 Prozent auf knapp 661 Millionen Euro an. Zugleich verschlechterte sich jedoch das Ergebnis aus der Schadensabwicklung und Risikovorsorge weiter, und die Schadenquote erhöhte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent. Ähnlich hoch bei 1,6 bis 1,7 Prozent erwartet Grenke die Schadenquote auch 2026. Das Leasingneugeschäft soll derweil in diesem Jahr nochmals klettern und 3,4 bis 3,6 Milliarden Euro erreichen - wie bereits seit Anfang Januar bekannt lag es 2025 mit 3,3 Milliarden Euro um rund 8 Prozent über dem Vorjahreswert.
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