ATLAS-System, Doppelter

ATLAS-System: Doppelter IT-Stresstest für den deutschen Außenhandel

03.02.2026 - 10:55:12

Seit dem 3. Februar 2026 müssen Unternehmen parallel ein neues Sicherheitszertifikat nutzen und auf ICS2 Release 3 umstellen, um Lieferkettenunterbrechungen zu vermeiden.

Zwei kritische IT-Updates im Zollsystem ATLAS fordern deutsche Unternehmen gleichzeitig heraus. Wer nicht nachzieht, riskiert Lieferketten-Stopps.

Seit heute müssen sich deutsche Exporteure und Logistiker einem doppelten IT-Stresstest unterziehen. Parallel zur verschärften Durchsetzung neuer Sicherheitszertifikate tritt eine grundlegende Systemversion in Kraft. Diese „Compliance-Konvergenz“ im automatisierten Zollsystem ATLAS stellt eine erhebliche Hürde für alle Webservice-Teilnehmer dar. Ein Ausfall kann den elektronischen Datenfluss zum Zoll und damit Exporte und Importe schlagartig stoppen.

MTLS-Zertifikat: Volle Durchsetzung startet

Die erste Hürde ist technischer Natur. Seit dem 26. Januar 2026 ist ein aktualisiertes Sicherheitszertifikat für die verschlüsselte Kommunikation mit ATLAS verbindlich. Dieses MTLS-Client-Zertifikat authentifiziert die Systeme der Unternehmen gegenüber den Zollservern.

Die Übergangsfrist ist nun vorbei. Das bedeutet: Systeme, die das neue Zertifikat nicht in ihrem lokalen Truststore hinterlegt haben, erhalten ab sofort keine Verbindung mehr. Die Zollverwaltung lehnt die Kommunikation ab. „Die operative Auswirkung spürt man oft erst Wochen nach dem Stichtag“, erklärt ein Branchenkenner. Die notwendige Zertifikatsdatei (atlas_mtls_2026_01_26.zip) stand zwar vorab zum Download bereit. Doch wer die Aktualisierung verpasst hat, steht jetzt vor einem akuten Problem.

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„Compliance-Konvergenz“: ICS2-Version 3 ist Pflicht

Während das MTLS-Update die sichere Leitung garantiert, ändert sich zeitgleich der Inhalt der Datenpakete. Seit heute, dem 3. Februar 2026, ist nur noch ICS2 Release 3 gültig. Die Vorgängerversion 2 wurde abgeschaltet.

Das ist ein harter Schnitt. Vorabmeldungen für Waren (ENS), die im alten Format eingereicht werden, werden vom System zurückgewiesen. Logistikunternehmen ohne Update können keine erforderlichen Daten für EU-Importe mehr übermitteln. Diese Koinzidenz der Termine – die Nachimplementierungsphase des MTLS-Updates und der Start von ICS2 v3 – bringt IT-Abteilungen im Logistiksektor an ihre Grenzen.

Warnung für Nutzer des IAA-Plus-Portals

Zusätzlich zur technischen Umstellung läuft eine administrative Migration. Die Zollverwaltung hat am gestrigen 2. Februar E-Mails an Nutzer des „Internetausfuhranmeldung Plus“-Dienstes (IAA-Plus) versendet.

Betroffen sind Teilnehmer, die seit Mitte 2024 den Dienst genutzt, aber noch kein Geschäftskundenkonto im neuen Zollportal angelegt haben. Die E-Mail enthält wichtige Aktivierungslinks für die Migration. Sicherheitsexperten raten jedoch zur Vorsicht: Angesichts der hohen Anzahl offizieller Zoll-Mails dieser Woche sollten Unternehmen die Absenderadresse (no-reply@zoll-portal.de) genau prüfen, um Phishing-Versuche auszuschließen.

Analyse: Monat der Modernisierung

Die Häufung von Updates zu Jahresbeginn zeigt das Tempo der Digitalisierung in der EU-Zollunion.

  • Sicherheit first: Das MTLS-Update folgt einer „Zero-Trust“-Strategie und stellt die Authentizität beider Kommunikationspartner sicher.
  • Schneller Abschied: Die Abschaltung von ICS2 v2 demonstriert den Willen der EU, veraltete Formate zügig auszumustern.
  • Zentralisierung: Die Migration zu Geschäftskundenkonten im Zollportal ebnet den Weg für eine „Single Window“-Lösung im Handel.

Für Unternehmen heißt die Botschaft: Ein „einmal einrichten und vergessen“ gibt es in der Zoll-IT nicht mehr. Die kontinuierliche Beobachtung der ATLAS-Teilnehmerinfos ist überlebenswichtig.

Ausblick: Release 10.2 steht bereits vor der Tür

Die Verschnaufpause für IT-Teams wird kurz sein. Der nächste große Meilenstein, ATLAS Release 10.2, ist für den 28. Februar 2026 im Live-Betrieb geplant.

Dieses Release, ursprünglich für November 2025 angesetzt, führt die Funktion „Zentralisiertes Abfertigungsverfahren Import“ (CCI) ein – eine bedeutende verfahrenstechnische Neuerung. Die ITZBund hat bereits einen Wartungszeitraum für Ende Februar eingeplant. Unternehmen sollten die aktuellen Wochen nutzen, um ihre MTLS- und ICS2-Prozesse zu stabilisieren, bevor die Migration zu Release 10.2 beginnt.

Checkliste für Webservice-Teilnehmer:

  • Truststore prüfen: Neues MTLS-Client-Zertifikat (gültig ab 26.01.) importiert?
  • ICS2-Version kontrollieren: Alle Vorabmeldungen (ENS) nutzen ab sofort Version 3?
  • E-Mail-Postfach überwachen: IAA-Plus-Migrations-E-Mail (versendet am 02.02.) bei Bedarf bearbeiten.
  • Auf Release 10.2 vorbereiten: Spezifikationen für das Update am 28.02. sichten.
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