ATLAS 10.2: Deutsche Zollabwicklung steht vor digitalem Großumbruch
14.02.2026 - 20:00:12Der deutsche Zoll schaltet Ende Februar auf das neue digitale System ATLAS 10.2 um. Für Importeure und Exporteure bedeutet das verbindliche neue Regeln und eine mehrtägige Systempause. Die Umstellung ist Teil einer europaweiten Revolution der Zollabwicklung.
Die technischen Vorgaben, die das Generalzolldirektorat kürzlich in einem offiziellen Merkblatt veröffentlicht hat, sind der letzte Schritt vor dem verbindlichen Go-Live am 28. Februar 2026. Ab dann muss der gesamte grenzüberschreitende Warenverkehr über die neue Version des „Automatisierten Tarif- und Lokalen Zollabwicklungs-Systems“ abgewickelt werden. Das Vorgängersystem ATLAS 10.1 wird abgeschaltet.
Geplante Systemausfälle und neue Funktionen
Für den reibungslosen Übergang ist eine mehrtägige komplette Systemabschaltung notwendig. Das Bundes-IT-Zentrum (ITZBund) kündigte an, dass Kernfunktionen von ATLAS vom 26. bis zum 28. Februar nicht verfügbar sein werden. In dieser Zeit können weder EORI-Nummern bearbeitet noch Zollanmeldungen oder Vereinfachungen beantragt werden.
Wenn jetzt Zollanmeldungen und Fristen anstehen, kann ein Fehler schnell zu Verzögerungen und Kosten führen. Ein kostenloses Praxis‑E‑Book erklärt Feld für Feld, wie Sie Zollanmeldungen korrekt ausfüllen, typische Fehler vermeiden und Ihre Lieferungen reibungslos durch den Zoll bekommen — ideal für Zollabteilungen, Einkäufer und Exportverantwortliche. Kostenlosen Leitfaden zur Zollanmeldung herunterladen
Eine zentrale Neuerung in ATLAS 10.2 ist das Verfahren der Zentralen Anmeldung für die Einfuhr (CCI). Zugelassene Wirtschaftsbeteiligte (AEO) können ihre Waren künftig zentral bei ihrem Heimat-Zollamt anmelden – unabhängig davon, in welchem EU-Land die Ware tatsächlich ankommt. Das soll Logistik vereinfachen und Bürokratie abbauen. Ab dem 17. März ist zudem der Dienst „Internet-Ausfuhr-Anmeldung Plus“ nur noch über das offizielle Zoll-Portal erreichbar.
Deutscher Schritt im europäischen Großprojekt
Die deutsche Systemaktualisierung ist kein Einzelfall, sondern ein zentraler Baustein der europaweiten Zollunion 2.0. Die EU will damit den Flickenteppich aus nationalen, oft noch papiergestützten Verfahren durch ein einheitliches, digitales Framework ersetzen. Getrieben wird diese Reform vom E-Commerce-Boom und der Notwendigkeit eines effizienteren Risikomanagements.
Zwei Säulen dieser Transformation sind der geplante EU-Zolldatenhub und eine neue EU-Zollbehörde (EUCA). Der Datenhub soll als Single Point of Truth für Unternehmen dienen, die ihre Zollinformationen nur noch einmal einreichen müssen. Die EUCA wird den Betrieb überwachen, EU-weite Risikoanalysen durchführen und nationale Behörden koordinieren.
Folgen für den Online-Handel und Ausblick
Die Modernisierung trifft den E-Commerce besonders: Ab Juli 2026 fällt die Steuerfreigrenze von 150 Euro für Pakete aus Drittländern. Stattdessen wird auf jeden Warenwert pauschal Zoll erhoben, was für jedes einzelne Paket eine formale Zollanmeldung erforderlich macht. Damit soll der Wettbewerb für EU-Händler fairer und eine massive Lücke für unverzollte Waren geschlossen werden.
Unternehmen stehen nun unter Zeitdruck. Ihre Software und Prozesse müssen bis Monatsende ATLAS-10.2-tauglich sein. Die Umstellung ist eine Herausforderung, bietet aber langfristig Chancen auf effizientere Abläufe. Die Entwicklung in Deutschland zeigt die Richtung für die gesamte EU an, wo auch Systeme wie das Import Control System 2 (ICS2) schrittweise eingeführt werden. Die kommenden Wochen werden zum Stresstest für die neue digitale Infrastruktur – und für die Unternehmen, die auf reibungslosen Welthandel angewiesen sind.
@ boerse-global.de
Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.


