Atai, Beckley

Atai Beckley Aktie: 2,8-Milliarden-Deal mit Lilly

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 10:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Analysten warnen vor überhöhter Bewertung nach Kursrallye. Der Aktienkurs nähert sich dem fixen Übernahmepreis von Eli Lilly.

Atai Beckley Aktie: Übernahme durch Eli Lilly birgt Risiken
Moderne Laboreinrichtung für pharmazeutische Forschung mit Fokus auf biotechnologische Innovation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Atai Beckley schließt am Freitag bei 6,30 Euro, ein leichtes Minus von 0,79 Prozent. Der Rückgang fällt kaum ins Gewicht angesichts eines Kursanstiegs von 71,2 Prozent binnen 30 Tagen. Auslöser war die Übernahme durch Eli Lilly, verkündet vor zwei Wochen. Jetzt mehren sich Warnungen, die Aktie sei schlicht zu teuer geworden.

Bewertungsanalysten schlagen Alarm

Eine Analyse von Simply Wall Street vom 23. Juli zeichnet ein deutliches Bild. Atai Beckley habe in drei Jahren rund 248,5 Prozent zugelegt. Der Bericht bewertet die Aktie mit nur einem von sechs möglichen Punkten bei den gängigen Bewertungskennzahlen. Das Fazit: Käufer zahlen hier für eine Story, nicht für einen Schnäppchenpreis.

Besonders auffällig ist der Kurs-Buchwert-Vergleich. Atai Beckley notiert beim 13,4-Fachen des Buchwerts. Die Pharmabranche kommt im Schnitt nur auf das 2,5-Fache. Selbst gegen den Branchenvergleichswert von etwa 22,6 liegt die Aktie am oberen Rand dessen, was viele Investoren noch als vertretbar ansehen würden.

Die Analysten räumen ein: Der Lilly-Deal und positive Signale der US-Arzneimittelbehörde zu psychedelischen Therapien erklären die gute Stimmung. Beides scheint aber im aktuellen Kurs bereits vollständig eingepreist.

Die Deal-Konditionen geben den Rahmen vor

Der Übernahmevertrag vom 16. Juli sieht 6,75 Dollar in bar je Aktie vor. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund 2,8 Milliarden Dollar. Hinzu kommen bedingte Wertrechte im Wert von bis zu 2,50 Dollar je Aktie, falls bestimmte klinische, regulatorische und kommerzielle Meilensteine erreicht werden. Damit könnte der Gesamtwert auf etwa 3,8 Milliarden Dollar steigen.

Der aktuelle Kurs liegt nahe der fixen Barkomponente. Die verbleibende Differenz spiegelt sowohl das Risiko eines Scheiterns als auch den Zeitwert bis zum Closing wider. Der Deal ist nicht an eine Finanzierung gebunden. Das Closing ist für das dritte Quartal geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und üblicher regulatorischer Freigaben.

Eine Zustimmung ist keine reine Formsache. Stimmrechtsvereinbarungen decken rund 15 Prozent der ausstehenden Aktien ab. Für die Genehmigung braucht der Deal jedoch die Mehrheit aller ausstehenden Aktien. Der bisherige Unterstützerblock reicht also nicht automatisch aus. Zu den offenen Risiken zählen eine mögliche Ablehnung durch Aktionäre, Verzögerungen bei der Regulierung, verfehlte Meilensteine und wertlose Wertrechte ohne Auszahlung.

Analysten uneins zwischen Halten und Kaufen

Seit der Lilly-Ankündigung stufen viele Analysehäuser die Aktie auf neutral herunter. Der Grund: Der fixe Übernahmepreis deckelt das kurzfristige Aufwärtspotenzial. H.C. Wainwright senkte die Einstufung von Kaufen auf Neutral und das Kursziel auf 7,50 Dollar. Jefferies vollzog denselben Schritt, ebenfalls mit einem Kursziel von 7,50 Dollar.

Langfristig orientierte Analysten bleiben trotzdem optimistisch für die zugrunde liegende Wissenschaft. 14 Analysten an der Wall Street bewerten die Aktie einstimmig mit Kaufen. H.C. Wainwright bekräftigte sogar ein Kursziel von 25 Dollar und verwies auf das späte Entwicklungsstadium des Depressionsprogramms BPL-003. Dieser deutlich höhere Zielwert spiegelt den eigenständigen Wert der Pipeline wider — relevant vor allem, falls ein Konkurrenzangebot auftaucht oder der Deal doch platzt.

Ausblick: Abstimmung und Regulierung entscheiden

Der Kurs bewegt sich nah an den 6,75 Dollar Barkomponente und liegt deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4,26 Euro. Damit ist die Aktie faktisch zu einer Wette auf die Deal-Sicherheit geworden, nicht mehr auf neue klinische Erfolge. Weiteres Aufwärtspotenzial hängt jetzt kaum noch von einer Neubewertung ab. Entscheidend werden die Fortschritte bei der Aktionärsabstimmung und den regulatorischen Freigaben sein, mit dem für das dritte Quartal angepeilten Closing als nächstem wichtigen Termin.

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