ASML: Bernstein hebt Kursziel um 33 Prozent
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 01:01 Uhr, Redaktion boerse-global.de
1.575,60 Euro kostet eine ASML-Aktie derzeit. Das ist fast das Dreifache dessen, was Anleger vor zwölf Monaten zahlten. Bei einem Kursplus von 129,14 Prozent im Jahresvergleich und 59,43 Prozent seit Januar stellt sich plötzlich eine ungewohnte Frage: Ist der Aktienkurs selbst zum Thema geworden?
Wenn der Kurs zur Schlagzeile wird
Finanzkommentatoren fragen zunehmend, ob ASML sich einer Marke nähert, die historisch gesehen Aktiensplits auslöst. Eine Analyse hatte den Titel gewählt: "Bei rund 1.800 Dollar je Aktie – steht ein ASML-Split bevor?" Der Kurs bewegt sich tatsächlich in dieser Größenordnung. Diese Schwelle galt lange als psychologisch wichtig für Privatanleger. Jetzt ist sie Teil einer größeren Erzählung um einen Konzern, dessen Marktkapitalisierung mittlerweile bei 589,3 Milliarden Euro liegt.
Ob der Vorstand jemals einen Split beschließt, steht in den Sternen. Allein die Tatsache, dass die Frage überhaupt diskutiert wird, sagt etwas darüber aus, wie schnell sich der Kurs bewegt hat. ASML notiert 165,43 Prozent über seinem Jahrestief von 593,60 Euro, erreicht am 6. August 2025. Dieses Niveau wirkt aus heutiger Sicht wie aus einem anderen Marktzyklus.
Analysten laufen der Rallye hinterher
Die Kursdynamik bleibt an der Wall Street nicht unbemerkt. Bernstein-Analyst David Dai bestätigte sein Kaufrating und hob sein Kursziel um 33 Prozent an – von 1.971 auf 2.623 Dollar. Das impliziert ein Aufwärtspotenzial von mehr als 48 Prozent. Dai begründet die Anhebung mit höheren Umsatzerwartungen: Er rechnet damit, dass ASML seine Kapazitäten für fortschrittliche Logik- und DRAM-Chips auf Rekordniveau ausbaut. Konkret erwartet er 91 EUV-Systeme im Jahr 2027 und 113 im Jahr 2028 – eine deutliche Aufwärtskorrektur gegenüber früheren Schätzungen.
Dai steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Über die gesamte Analystenzunft hinweg wird das Bild zunehmend optimistischer, weil Banken ihre Modelle enger an den KI-Infrastrukturausbau koppeln. Genau hier liegt aber eine vertraute Spannung: Kursziele steigen im Gleichschritt mit der Aktie – manchmal sogar hinterher. Das lässt wenig Raum für positive Überraschungen. Bei einem Kurs, der 6,61 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,86 Euro und 35,06 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.166,60 Euro liegt, scheint ein Großteil des Optimismus bereits eingepreist.
Volatilität als Eintrittspreis
Die andere Seite dieser Geschichte heißt Risiko. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 64,33 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie stark die Aktie selbst auf ihrem Weg zu neuen Höchstständen schwankt. Der Kursverlauf der vergangenen Woche mit minus 3,22 Prozent gegen ein Monatsplus von 4,70 Prozent zeigt genau dieses Muster: scharfe Rücksetzer innerhalb eines längeren Aufwärtstrends, kein glatter Anstieg. Ein RSI von 51,1 deutet darauf hin, dass die Aktie aktuell weder überkauft noch überverkauft ist – ein seltener Moment technischer Ruhe in einem sonst turbulenten Lauf.
Dazu passt, dass ASML weiterhin Kapital an Aktionäre zurückgibt, während der Kurs klettert. Der Konzern meldete Anfang Juli neue Transaktionen im Rahmen seines laufenden Aktienrückkaufprogramms. Ein routinemäßiges, aber stetiges Vertrauenssignal – das seltsam neben dem Gerede passt, die Aktie sei für kleinere Anleger schon außer Reichweite.
Die eigentliche Prüfung ist strukturell, nicht kosmetisch
Ein Aktiensplit würde am Kerngeschäft von ASML nichts ändern. Weder an der quasi-monopolistischen Stellung in der EUV-Lithografie, noch an der Abhängigkeit vom KI-getriebenen Investitionszyklus, noch am prall gefüllten Auftragsbuch. Aber schon die Tatsache, dass der Markt diese Idee überhaupt ernsthaft diskutiert, zeigt, wie weit die Stimmung bereits gelaufen ist. Wird der Aktienkurs selbst zur Schlagzeile, ist das seltener ein Signal über das Unternehmen – meistens ist es ein Signal darüber, wie gedehnt die Erwartungen bereits sind.
ASML notiert weiterhin 9,86 Prozent unter seinem Allzeithoch, komfortabel über jedem wichtigen gleitenden Durchschnitt, aber auch mit einer Volatilität, die selten so hoch war. Die Split-Debatte ist in diesem Sinne eher ein Symptom als eine Ursache. Nach einem Zwölf-Monats-Anstieg von 129,14 Prozent sucht der Markt gerade nach neuen Wegen, über eine Aktie zu sprechen, die bereits eine ganze Menge guter Nachrichten eingepreist hat.
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