ASML, TSMC

ASML: 10 Prozent mehr für TSMC

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ASML verhandelt über zehn Prozent höhere Preise für EUV-Systeme und plant deutliche Kapazitätsausweitung bis 2028.

ASML Aktie: Preispoker mit TSMC treibt Erholung an
Hochmoderne Halbleiterfertigungsanlage mit fokussierten technischen Details in einer industriellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

ASML meldet sich zurück. Am Dienstag springt die Aktie um 3,74 Prozent nach oben und schließt bei 1.584,80 Euro. Der Grund liegt nicht nur in den Quartalszahlen vom 15. Juli — sondern in einem heiklen Preispoker mit dem größten Kunden.

Berichte von The Information aus der vergangenen Woche zeigen: ASML verhandelt mit Foundry-Partnern wie TSMC über eine Preiserhöhung von 10 Prozent für seine Low-NA-EUV-Maschinen. TSMC soll sich dagegen wehren. Analysten lesen den Vorstoß trotzdem als Beweis für ASMLs Marktmacht — der Konzern bleibt weltweit der einzige Hersteller der fortschrittlichsten Lithografie-Systeme.

Kapazitätssprint für die KI-Nachfrage

Das Management hat einen "Capacity Sprint" bestätigt, um die anhaltende Nachfrage nach KI-Infrastruktur zu bedienen. Für 2027 will ASML die Produktionskapazität bei Low-NA-EUV-Systemen um 30 Prozent steigern. Für 2028 prüft der Konzern einen weiteren Ausbau in gleicher Größenordnung.

Auch bei DUV-Immersionssystemen peilt ASML ein Plus von 30 Prozent an. Im laufenden Jahr 2026 sollen rund 65 Low-NA-EUV-Einheiten an Kunden gehen — deutlich mehr als die 44 Einheiten im Vorjahr. Der Ausbau soll den Engpass in der KI-Hardware-Lieferkette lösen, wo ASML ohne echten Wettbewerber dasteht.

Die geplante Preiserhöhung soll frühestens für Systeme greifen, die ab Ende 2028 ausgeliefert werden. Das Timing ist kein Zufall: ASML verschiebt sein Preismodell weg vom reinen Stückpreis hin zu einem wertbasierten Ansatz. Der Konzern will damit die höhere Produktivität seiner neuesten Scanner-Generation direkt in Marge übersetzen.

Starke Zahlen, aber die Bewertung ist ausgereizt

Die Erholung fällt auf fruchtbaren Boden. Das zweite Quartal brachte 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn — beides über den Erwartungen. Der Vorstand hebt zudem die Jahresprognose für 2026 an, auf einen Umsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro.

Der aktuelle Kurs liegt 4,63 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.514,74 Euro — ein Signal für den kurzfristigen Aufwärtstrend. Das durchschnittliche Kursziel von 18 Wall-Street-Analysten liegt bei 1.590 Euro, kaum über dem aktuellen Niveau. Die Aktie handelt damit nahe ihrem fairen Konsenswert, trotz eines Kursplus von 71,98 Prozent seit Jahresbeginn.

Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 40 auf Basis der erwarteten Gewinne bewertet der Markt ASML bereits als zentralen Ermöglicher der globalen Chipfertigung unter drei Nanometer. Die Frage ist deshalb weniger, ob das Wachstum kommt — sondern ob die Preisverhandlungen mit TSMC diesen Vertrauensvorschuss auch in harte Marge verwandeln.

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