Arbeitszeitreform, Pflicht

Arbeitszeitreform startet mit 12-Stunden-Tagen und digitaler Pflicht

05.01.2026 - 11:02:29

Eine umfassende Reform des Arbeitszeitrechts erlaubt nun 12-Stunden-Schichten bei wöchentlicher Obergrenze und verpflichtet zu lückenloser digitaler Dokumentation.

Ab heute gilt in Deutschland und Österreich eine neue Ära der Arbeitszeit. Die umfassende Reform erlaubt erstmals 12-Stunden-Tage, verlangt aber eine lückenlose digitale Zeiterfassung. Kern der Neuregelung ist der Wechsel von der täglichen zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

Flexibilität mit scharfem Kontrolleinblick

Die tiefgreifendste Änderung ist das Aus für den starren Acht-Stunden-Tag. Stattdessen gilt nun eine wöchentliche Obergrenze von durchschnittlich 48 Stunden. Das erlaubt lange Tage von bis zu zwölf Stunden – vorausgesetzt, es wird in der Woche oder sogar im Quartal ausgeglichen.

  • Die tägliche Höchstarbeitszeit steigt auf 12 Stunden.
  • Die wöchentliche Obergrenze liegt bei durchschnittlich 48 Stunden.
  • Eine lückenlose digitale Zeiterfassung von Arbeitsbeginn, Ende und Pausen wird Pflicht.

Diese Flexibilisierung setzt die EU-Arbeitszeitrichtlinie in nationales Recht um. Für Unternehmen bedeutet das eine radikale Umstellung: Aus der simplen Stechuhr wird ein komplexes System zur Verwaltung von „Verfügungskonten“, auf denen Mehrarbeit für Freizeitausgleich gesammelt wird.

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Pausen-Management wird zur Schlüsselaufgabe

Mit den langen Schichten wächst die Bedeutung intelligenter Pausengestaltung. Das Arbeitszeitgesetz schreibt bei über neun Stunden Arbeit 45 Minuten Ruhe vor. Arbeitsmediziner warnen jedoch, dass diese starren Blöcke bei ausgeschöpften 12‑Stunden‑Tagen nicht ausreichen, um die Konzentration zu halten.

Die größte Herausforderung ist die Einhaltung der elfstündigen Ruhezeit zwischen den Schichten. Software-Anbieter verzeichnen bereits eine massive Nachfrage nach Tools, die Mitarbeiter aktiv an Pausen erinnern und vor Verstößen warnen. Das digitale Tracking soll sicherstellen, dass die Theorie nicht zur stumpfen Durcharbeitung in der Praxis verkommt.

Gewerkschaften sehen historische Errungenschaft in Gefahr

Die Reform stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. Gewerkschaftsvertreter kritisieren scharf, dass der historische Acht‑Stunden‑Tag damit faktisch ausgehöhlt werde. Ihre Sorge: Die theoretische Flexibilität führt zu ständiger Verfügbarkeit, ohne dass Erholungsphasen angepasst werden.

Das Hugo Sinzheimer Institut (HSI) verweist auf Studien, die vor erhöhten Gesundheitsrisiken und einem steigenden Unfallpotenzial durch überlange Arbeitstage warnen. Die Regierungskoalition hält dagegen: Die Reform sei nötig, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen und Auftragsspitzen effizient abfedern zu können.

Ein europäischer Trend mit offenem Ausgang

Deutschland vollzieht mit der Reform einen Schritt, den andere EU‑Länder wie Österreich bereits gegangen sind. Wirtschaftsanalysten sehen darin einen Versuch, den Fachkräftemangel durch effizientere Arbeitsverteilung zu mildern.

Doch der administrative Preis ist hoch. Für Personalabteilungen beginnt heute ein Stresstest der neuen Systeme. Werden die digitalen Stempeluhren reibungslos funktionieren? Erkennt die Software die gesetzlichen Ruhezeitsperren korrekt?

Die kommenden Monate werden zur Bewährungsprobe. Arbeitsrechtler erwarten eine Welle von Musterprozessen, vor allem zur Frage, wie Vertrauensarbeitszeit mit der strikten Erfassungspflicht bei 12‑Stunden‑Tagen vereinbar ist. Bis zum Sommer könnten erste Daten zeigen, ob die Krankheitsstände unter dem neuen Regime steigen. Eines ist sicher: Der Blick auf die Uhr – oder die App – hat heute an Bedeutung gewonnen.

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