Arbeitszeitgesetz: Regierung plant Abschied vom Acht-Stunden-Tag
31.01.2026 - 17:02:11Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Statt der starren täglichen Höchstarbeitszeit soll eine flexiblere wöchentliche Obergrenze treten. Für Unternehmen bedeutet das mehr Spielraum, für Beschäftigte drohen längere Arbeitstage. Die Fronten sind verhärtet: Während die Wirtschaft von notwendiger Entbürokratisierung spricht, warnen Gewerkschaften vor gesundheitlichen Risiken.
Flexibilität versus Gesundheitsschutz
Im Kern der Pläne steht der traditionelle Acht-Stunden-Tag. Künftig soll er nicht mehr das absolute Maß aller Dinge sein. Stattdessen will die Regierung eine wöchentliche Obergrenze einführen. In der Praxis könnten so Arbeitstage von deutlich über zehn Stunden möglich werden – solange die Wochensumme im Schnitt stimmt.
Besonders Branchen mit stark schwankendem Arbeitsaufkommen wie Gastronomie und Tourismus begrüßen den Vorstoß. Sie erhoffen sich mehr Flexibilität, um auf Nachfragespitzen reagieren zu können. Die Regierung will die Reform noch in diesem Jahr beschließen.
Doch die Kritik ist laut. Knapp drei Viertel der Beschäftigten befürchten negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sollten Zehn-Stunden-Tage zur Regel werden. Studien der Hans-Böckler-Stiftung legen nahe, dass längere Arbeitszeiten die Gesundheit der Bevölkerung langfristig schwächen könnten.
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Die unantastbare Elfen-Stunden-Pause
Eine zentrale Säule des Arbeitsschutzes bleibt jedoch von der Reform unberührt: die gesetzliche Ruhezeit. Elf Stunden müssen zwischen zwei Arbeitstagen mindestens liegen. Diese Erholungsphase ist ununterbrochen – jeder dienstliche Anruf oder jede E-Mail setzt die Frist neu in Gang.
Um die Einhaltung dieser und anderer Regeln zu kontrollieren, hat sich eine weitere Neuerung etabliert: die verpflichtende Arbeitszeiterfassung. Seit einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts müssen Unternehmen Beginn, Ende und Dauer der Arbeit systematisch dokumentieren. Die genaue gesetzliche Ausgestaltung dieser Pflicht soll 2026 folgen.
Dieses Instrument gilt als entscheidend, um Verstöße gegen Ruhezeiten und Höchstarbeitsgrenzen überhaupt nachweisbar zu machen. Es ist der Gegenspieler zur gewünschten Flexibilität.
Wissenschaft warnt vor Pausen-Defizit
Arbeitsmediziner unterstreichen die Bedeutung von Erholung. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) verweist auf Studien, die belegen: Regelmäßige Pausen steigern die Produktivität und Motivation, sie reduzieren Stress und senken das Unfallrisiko.
Dennoch sieht die Realität in vielen Betrieben anders aus. Jeder dritte bis vierte Arbeitnehmende lässt regelmäßig Pausen ausfallen, oft wegen zu hoher Arbeitslast. Die geplante Flexibilisierung könnte dieses Problem verschärfen.
Ein Richtungsstreit mit Weichenwirkung
Die Debatte findet vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel statt. Die Befürworter der Reform argumentieren, die deutsche Wirtschaft brauche mehr Flexibilität, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Gewerkschaften wie die IG Metall und Arbeitsforscher kontern: Ein schlechterer Gesundheitsschutz führe zu mehr Krankheitsausfällen. Das würde die Personalengpässe am Ende sogar verschärfen. Es geht um mehr als eine Gesetzesänderung – es ist ein Richtungsstreit über die Zukunft der Arbeit.
Das Jahr 2026 wird wegweisend. Neben der Arbeitszeitreform wird auch die endgültige Regelung zur Zeiterfassung erwartet. Das Ergebnis wird Millionen Beschäftigte betreffen und zeigen, welchen Stellenwert der Gesundheitsschutz in einer flexiblen Arbeitswelt künftig noch hat.
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