Arbeitszeitgesetz: Kampagne für wöchentliche Höchstarbeitszeit startet
25.02.2026 - 02:58:45 | boerse-global.de
Die Debatte um die Flexibilisierung des deutschen Arbeitszeitgesetzes tritt in eine heiße Phase. Wirtschaftsverbände starten eine Offensive, um die Abschaffung des starren 8-Stunden-Tages zu beschleunigen.
Angeführt vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) wächst der Druck auf die Bundesregierung. Deren Plan: Die tägliche Höchstarbeitszeit soll zugunsten einer wöchentlichen Obergrenze von 48 Stunden fallen. Das verspricht mehr Flexibilität, stößt aber auf erbitterten Widerstand der Gewerkschaften. Sie fürchten einen massiven Abbau des Arbeitnehmerschutzes.
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DEHOGA-Kampagne: „#wochenarbeitszeitjetzt“
Der DEHOGA hat eine Initiative gestartet, um die geplante Reform zu beschleunigen. Das Argument: Das Gesetz von 1994 sei veraltet und passe nicht zur modernen, digitalen Arbeitswelt. Viele Beschäftigte wollten an manchen Tagen länger arbeiten, um an anderen früher Schluss zu machen. Diese Flexibilität blockiere das aktuelle Recht.
Andere Wirtschaftsverbände unterstützen die Forderung. Es gehe nicht um mehr Arbeit, betonen sie, sondern um eine flexiblere Verteilung der vereinbarten Stunden. Besonders Branchen mit saisonalen Schwankungen wie die Gastronomie würden profitieren.
Koalitionspläne und politischer Widerstand
Die Umstellung auf eine wöchentliche Betrachtung ist ein Kernprojekt der Regierung aus Union und SPD. Ein Gesetzentwurf soll noch im ersten Halbjahr 2026 vorgelegt werden. Deutschland würde sich damit enger an die EU-Arbeitszeitrichtlinie anlehnen.
Die Debatte wird durch Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angeheizt. Er hatte bereits erwogen, das gesamte Arbeitszeitgesetz abzuschaffen und die Regelung den Tarifparteien zu überlassen. Die Regierung betont jedoch, dass hohe Arbeitsschutzstandards erhalten bleiben sollen.
Gewerkschaften in Alarmbereitschaft
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften lehnen die Pläne entschieden ab. Ihre Sorge: Eine Lockerung führt zu unbezahlter Mehrarbeit, mehr Belastung und Gesundheitsrisiken.
Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass flexible Modelle bereits heute per Tarifvertrag möglich sind. Eine gesetzliche Aufweichung würde vor allem Beschäftigte in kleinen Betrieben ohne Tarifbindung schutzlos stellen. Statt weniger Regeln fordern sie mehr Tarifbindung und bessere Rahmenbedingungen wie verlässliche Kinderbetreuung.
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Der große Zielkonflikt: Flexibilität vs. Schutz
Die Diskussion spiegelt einen grundlegenden Zwiespalt wider. Auf der einen Seite steht der Wunsch von Unternehmen und manchen Arbeitnehmern nach mehr Agilität. Auf der anderen Seite die Schutzfunktion des Gesetzes vor Überlastung.
Die Herausforderung für den Gesetzgeber ist enorm. Ein modernes Gesetz muss neue Arbeitsformen ermöglichen, ohne die Gesundheit der Beschäftigten zu gefährden. Kompliziert wird die Lage durch eine parallele Entwicklung: die kommende Pflicht zur systematischen Arbeitszeiterfassung, die auf EU-Urteilen basiert.
Entscheidung mit Signalwirkung
Mit der geplanten Gesetzesvorlage in den kommenden Monaten wird der Streit weiter eskalieren. Die DEHOGA-Kampagne markiert den Startschuss für eine intensive Lobby- und Überzeugungsarbeit.
Die Entscheidung des Bundestages wird Millionen Arbeitsverhältnisse direkt betreffen. Sie sendet auch ein Signal für die Zukunft der Arbeit in Deutschland. Setzt sich das Modell der maximalen wöchentlichen Flexibilität durch? Oder behält der traditionelle 8-Stunden-Tag als täliche Grenze sein Schutzschild? Dieses Jahr bringt die Antwort.
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