Arbeitszeitgesetz: Flexibilität gegen Krankenstand
23.01.2026 - 22:52:12Die Debatte um eine Reform des deutschen Arbeitszeitgesetzes gewinnt neue Dynamik. Hohe Fehlzeiten und politische Vorstöße bringen flexible Modelle zurück auf die Agenda.
Angetrieben von einem konstant hohen Krankenstand und neuen politischen Initiativen, wird die Forderung nach einer Modernisierung der starren Arbeitszeitregeln lauter. Wirtschaftsverbände versprechen sich davon Entlastung für Mitarbeiter und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Gewerkschaften warnen dagegen vor einem Ausverkauf des Arbeitnehmerschutzes. Bundeskanzler Friedrich Merz heizt die Diskussion mit kritischen Äußerungen zum Krankenstand zusätzlich an.
Wochenarbeitszeit statt tägliches Limit
Im Kern der Reform steht ein Paradigmenwechsel: Weg von der starren täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden, hin zu einer flexibleren wöchentlichen Obergrenze. Dieses Modell erlaubt die EU-Arbeitszeitrichtlinie bereits. Befürworter argumentieren, es passe besser zu Homeoffice und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Mitarbeiter könnten so etwa eine Vier-Tage-Woche realisieren oder private Termine leichter wahrnehmen.
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Ein konkreter Impuls kam diese Woche aus Baden-Württemberg. Die Landesregierung brachte eine Entschließung in den Bundesrat ein, die eine „Bürokratieentlastung“ im Arbeitsrecht fordert. Ziel sei es, Flexibilisierungsspielräume für alle Branchen zu schaffen und Arbeitsplätze zu sichern.
Hoher Krankenstand als Treiber
Die Verbindung zur Krankenstandsdebatte ist offensichtlich. Experten sehen in flexibleren Arbeitszeiten ein Mittel, um die Work-Life-Balance zu verbessern und Stress – eine Hauptursache für psychische Erkrankungen – zu reduzieren. Die Anpassung der Arbeit an private Bedürfnisse könnte Zufriedenheit und Gesundheit steigern.
Kanzler Merz stellte jüngst die Notwendigkeit von durchschnittlich fast drei Wochen Krankheit pro Arbeitnehmer infrage. Seine Äußerungen stießen auf ein geteiltes Echo. Während Arbeitgeberverbände zustimmten, fühlten sich besonders belastete Berufsgruppen wie Pflegekräfte unter Druck gesetzt. Kritiker monieren, die Debatte blende strukturelle Probleme wie Personalmangel aus.
Gewerkschaften warnen vor Schutzlücken
Die Fronten sind verhärtet. Arbeitgeberverbände fordern die Reform als längst überfälligen Schritt ins digitale Zeitalter. Mehr Flexibilität bedeute intelligentere Verteilung, nicht mehr Arbeit.
Gewerkschaften wie der DGB reagieren skeptisch. Sie fürchten, dass eine Aufweichung der täglichen Grenzen zu unbezahlten Überstunden und ständiger Erreichbarkeit führt. Tarifverträge böten bereits heute genug Flexibilität im geschützten Rahmen. Eine gesetzliche Lockerung würde vor allem Beschäftigte ohne Tarifbindung benachteiligen.
Zeiterfassung als entscheidender Rahmen
Kompliziert wird die Lage durch eine parallele Gesetzesvorhaben: die verpflichtende Einführung lückenloser Arbeitszeiterfassung. Nach EuGH-Urteilen muss Deutschland ein entsprechendes System schaffen. Ein Gesetzesentwurf wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet. Die Pflicht zur minutengenauen Dokumentation wird den Spielraum für alle Flexibilisierungsmodelle maßgeblich definieren.
Die Bundesregierung steht vor einem Balanceakt. Sie muss die Flexibilitätswünsche der Wirtschaft mit dem Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in Einklang bringen. Gelingt dies nicht, droht ein weiterer Schlagabtausch ohne konkrete Ergebnisse – zum Nachteil aller Beteiligten.
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