Arbeitsschutz, Psychische

Arbeitsschutz: Psychische Belastung wird zur neuen Hauptgefahr

28.04.2026 - 14:16:35 | boerse-global.de

DGUV und Gewerkschaften warnen: Psychische Belastungen und ergonomische Mängel ersetzen klassische Unfälle als größtes Risiko am Arbeitsplatz.

Arbeitsschutz: Psychische Belastung wird zur neuen Hauptgefahr - Foto: über boerse-global.de
Arbeitsschutz: Psychische Belastung wird zur neuen Hauptgefahr - Foto: über boerse-global.de

April 2026 genutzt, um auf die veränderte Gefahrenlage am Arbeitsplatz hinzuweisen. Während klassische Unfälle auf ein Rekordtief fallen, rücken psychischer Stress, ergonomische Mängel und chronische Muskel-Skelett-Erkrankungen in den Fokus. Aktuelle Daten zeigen: Die Zahl der Arbeitsunfälle mit Todesfolge sinkt zwar, doch die psychische und physische Belastung durch moderne Arbeitsstrukturen treibt die Krankenstände in die Höhe.

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Organisatorischer Stress als neues Risiko Nummer eins

Eine repräsentative DGUV-Umfrage unter mehr als 2.000 Beschäftigten, veröffentlicht Ende April im „Barometer Arbeitswelt 2026", zeigt: Die Hälfte der Arbeitnehmer nennt organisatorische Faktoren als Hauptbelastung. Dazu zählen häufige Unterbrechungen, hohe Arbeitsintensität und unklare Zuständigkeiten. Rund 45 Prozent der Befragten gaben an, dass hohe Arbeitsbelastung und extremer Zeitdruck direkte Ursachen für Arbeitsunfälle seien – ein klarer Beleg dafür, dass psychische Ansprache die körperliche Sicherheit beeinträchtigt.

Weitere Ergebnisse: 35 Prozent der Beschäftigten fühlen sich durch ihre konkreten Arbeitsinhalte belastet, 29 Prozent nennen soziale Beziehungen und Konflikte als Stressfaktoren. Dr. Annekatrin Wetzstein von der DGUV betont, dass diese psychologischen Faktoren systematisch in die vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen integriert werden müssen. Den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Sicherheit unterstreicht auch die Pronova-BKK-Studie vom 8. April 2026: Demnach leidet 30 Prozent der Belegschaft – bei der Generation Z sogar fast 40 Prozent – unter „Quiet Cracking", also dem schleichenden Verlust der inneren Widerstandskraft unter beruflichem Druck.

Neue Standards für physische und digitale Ergonomie

Die physische Arbeitsumgebung bleibt ein zentrales Thema für die Aufsichtsbehörden – insbesondere bei sitzender Büroarbeit. Seit Jahresbeginn 2026 gilt die überarbeitete DGUV-Regel 115-401 für Bildschirmarbeitsplätze. Sie enthält aktualisierte Leitlinien für die ergonomische Gestaltung moderner Bildschirmtätigkeiten. Grund für die Überarbeitung: Mitte April 2026 veröffentlichte Daten zeigen, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen 2024 weiterhin die häufigste Ursache für Krankschreibungen waren – sie machten 19,8 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus.

Neben der Büroergonomie hat das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV seine Empfehlungen zum Gehörschutz für die knapp 1,2 Millionen Berufstätigen in Deutschland aktualisiert, die Hörgeräte tragen. Neue Testverfahren ermöglichen seit diesem Frühjahr flexiblere, modulare Kombinationen aus Hörgeräten und Ohrpassstücken in lauten Umgebungen. Dr. Sandra Dantscher vom IFA betont, dass diese Verbesserungen der ergonomischen Inklusion entscheidend seien, um die Produktivität einer alternden Belegschaft zu erhalten und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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Weniger Todesfälle, aber steigende soziale Risiken

Die vorläufigen Zahlen für 2025 zeigen einen positiven Trend bei den klassischen Arbeitsschutzkennziffern. Die DGUV meldete 335 tödliche Arbeitsunfälle – ein historischer Tiefstand und ein Rückgang um zehn Fälle im Vergleich zu 2024. Dr. Edlyn Höller, Geschäftsführerin der DGUV, führt diese Entwicklung auf die hohen Sicherheitsstandards in der deutschen Industrie zurück. Auch die Zahl der meldepflichtigen Unfälle sank 2025 um 3,2 Prozent auf rund 730.000.

Doch bestimmte Branchen bleiben Hochrisikobereiche. Im Baugewerbe starben 2025 74 Beschäftigte durch Unfälle – ein leichter Rückgang zum Vorjahr. Allerdings wurden weitere 400 Todesfälle auf Berufskrankheiten wie Asbest- oder Staubbelastung zurückgeführt. Besonders alarmierend sind Berichte aus dem Bildungssektor: 2024 wurden 1.283 Fälle vorsätzlicher Körperverletzung gegen Lehrkräfte registriert – fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Auch die Sicherheit auf dem Arbeitsweg bleibt eine Herausforderung. Während die Unfälle am Arbeitsplatz zurückgehen, stiegen die Wegeunfälle 2025 um ein Prozent auf über 175.000. Gleichzeitig kamen im vergangenen Jahr 462 Radfahrer auf deutschen Straßen ums Leben – ein Anstieg um fast vier Prozent im Vergleich zu 2024. Besonders gefährdet sind ältere Menschen auf E-Bikes.

Politischer Streit um Sicherheitsstandards

Der Workers' Memorial Day am 28. April 2026 diente als Kulisse für eine scharfe politische Auseinandersetzung um die Zukunft des Arbeitsschutzes. Die Gewerkschaft ver.di richtete eine formelle Warnung an die Bundesregierung wegen geplanter Absenkungen bestehender Sicherheitsstandards. Hauptstreitpunkt ist eine Gesetzesänderung, die der Bundestag am 7. April 2026 verabschiedet hat: Sie verlagert den Fokus der Sicherheitsbeauftragten-Pflicht von der reinen Beschäftigtenzahl auf das spezifische Gefahrenpotenzial eines Arbeitsplatzes.

Gewerkschaftsvertreterin Rebecca Liebig (ver.di) argumentiert, dass die geplanten Änderungen zur Streichung von bis zu 130.000 Sicherheitsbeauftragten-Stellen führen könnten. Dies würde die Arbeitssicherheit gefährden und die Haftungsrisiken für Arbeitgeber erhöhen. Die Regierung sucht derweil nach neuen Wegen, um die hohen Krankenstände zu senken. Am 21. April 2026 schlug eine Regierungskommission die Einführung einer Teil-Krankschreibung vor: Beschäftigte könnten während der Genesung in reduziertem Umfang arbeiten, um Langzeitausfälle zu vermeiden.

Ausblick: Prävention als neues Leitbild

Angesichts der sich wandelnden Gefahrenlandschaft setzen immer mehr Unternehmen auf eine proaktive Sicherheitskultur. Berichte der Sicherheitsberatung Wandelwerker zeigen, dass Firmen wie Rolls-Royce Power Systems und Egger Kunststoffe ihre Unfallzahlen erfolgreich halbiert haben – durch Fokus auf Verhaltenssicherheit und kulturellen Wandel, nicht nur auf technische Vorschriften.

Ein weiteres Zeichen: Die Bewerbungsphase für den Deutschen Arbeitsschutzpreis (DASP) 2027 startete am 1. April 2026. Experten sind sich einig: Die nächste Phase nachhaltiger Arbeitssicherheit requiriert einen ganzheitlichen Ansatz, der psychisches Wohlbefinden und organisatorische Ergonomie mit derselben Konsequenz behandelt wie klassische mechanische Sicherheit. Die Integration psychischer Gesundheit in die Gefährdungsbeurteilung, wie von der DGUV gefordert, dürfte zum neuen Maßstab für die betriebliche Compliance werden.

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