Arbeitsschutz 2026: Psychische Belastung wird zum Hauptrisiko
29.04.2026 - 05:15:59 | boerse-global.deDas zeigt eine aktuelle Befragung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) unter mehr als 2.000 Erwerbstätigen. Ständige Unterbrechungen und hohe Arbeitsintensität nennen die Befragten als größte Belastungsfaktoren.
35 Prozent der Teilnehmer fühlen sich durch die Arbeitsinhalte selbst überfordert. Soziale Konflikte belasten immerhin 29 Prozent der Beschäftigten.
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Zeitdruck als Unfallursache
Besonders alarmierend: 45 Prozent der Beschäftigten sehen hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck als direkte Ursache für Unfälle. Die DGUV hat deshalb eine neue Regel für Bildschirmarbeitsplätze verabschiedet. Sie berücksichtigt erstmals explizit psychische Belastungen und die Besonderheiten des mobilen Arbeitens.
Fachleute fordern systematische Gefährdungsbeurteilungen, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Der klassische Arbeitsschutz reicht nicht mehr aus – die Arbeitsorganisation selbst wird zum Gesundheitsrisiko.
Krankenstand steigt deutlich
Der Krankenstand in Deutschland nimmt zu. Daten der Techniker Krankenkasse zeigen für 2025 durchschnittlich 17 Fehltage pro Kopf. 2021 waren es noch 13 Tage.
Eine Studie der Universitätsmedizin Mannheim mit fast 2.000 Teilnehmern untersucht das Phänomen des Präsentismus: Mehr als zwei Drittel der Befragten gingen im vergangenen Jahr trotz Krankheit zur Arbeit.
Die Forscher warnen vor einem einseitigen Fokus auf unberechtigte Krankschreibungen. Zwar räumten 34,6 Prozent der Teilnehmer ein, sich trotz Arbeitsfähigkeit krankgemeldet zu haben. Doch die Hauptursachen für Fehlzeiten liegen in den Arbeitsbedingungen selbst: Stress, Rollenkonflikte und geringe emotionale Bindung zum Arbeitgeber.
Ein Zusammenhang zwischen telefonischer Krankschreibung und häufigeren Fehltagen ließ sich nicht nachweisen.
Unfallzahlen: Weniger Unfälle, aber mehr Tote?
Die vorläufigen Unfallzahlen für 2025 zeigen ein gemischtes Bild. Rund 730.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle wurden registriert – ein Rückgang von 3,2 Prozent. Die Zahl der Wegeunfälle stieg hingegen um ein Prozent auf 175.000 Fälle.
Trotz des Rückgangs blieb die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle mit 335 Opfern hoch. Besonders gefährlich: der Bausektor mit 74 Todesfällen.
Streit um Sicherheitsstandards
Die Gewerkschaft ver.di warnt die Bundesregierung vor Plänen, Arbeitsschutzstandards abzusenken. Im Fokus der Kritik steht die mögliche Streichung von bis zu 130.000 Sicherheitsbeauftragten im Zuge von Entbürokratisierungsmaßnahmen.
„Ein Abbau dieser Strukturen gefährdet die Sicherheit der Beschäftigten“, betonen Gewerkschaftsvertreter. Langfristig führe das zu höheren Kosten durch Unfälle und Berufskrankheiten.
Der Arbeitsschutzbericht 2025 aus Brandenburg stützt die Forderung nach strengeren Kontrollen: Bei rund 1.950 Betriebsprüfungen gab es 7.390 Beanstandungen – ein deutlicher Anstieg.
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Ergonomie: Mehr als nur ein guter Stuhl
Muskel-Skelett-Erkrankungen bleiben ein zentrales Problem. Experten der Cleveland Clinic betonen: Eine fachgerechte Arbeitsplatzgestaltung beugt nicht nur Verletzungen vor, sondern steigert die Produktivität und senkt die Fluktuation.
Warnsignale für Anpassungsbedarf: häufiges Unbehagen der Mitarbeiter, steigende Fehlzeiten und veraltete Ausstattungen.
Für Bildschirmarbeitsplätze empfehlen Fachleute Standards wie DIN EN 527 für Schreibtische und DIN EN 1335 für Bürostühle. Wesentliche Merkmale: verstellbare Sitzhöhen, Lordosenstützen und ausreichende Sitztiefe.
Doch Mediziner warnen vor zu viel Technik-Glauben. Stehpulte sind kein Allheilmittel – langes Stehen birgt eigene Risiken. Entscheidend ist ein dynamischer Wechsel der Körperhaltungen mit regelmäßigen Bewegungspausen.
Gesundheitsmanagement als Wettbewerbsfaktor
Moderne Unternehmen gehen über gesetzliche Mindeststandards hinaus. Der 1. FC Köln betreibt seit 2023 mit der AOK Rheinland/Hamburg ein ganzheitliches System mit Wirbelsäulenscreenings, Herz-Checks und Grippeimpfungen.
Auch die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg setzt auf Maßnahmen wie die „bewegte Pause“ und externe Beratungsangebote.
Der Arbeitsmarkt spiegelt den Trend: Ende April 2026 waren auf großen Karriereportalen mehrere hundert Stellen für Arbeitsmediziner und BGM-Spezialisten ausgeschrieben. Die Gehälter für Führungspositionen beginnen bei über 4.300 Euro monatlich.
Ausblick: Prävention wird Chefsache
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales setzt verstärkt auf Schutz vor berufsbedingtem Krebs. Im Rahmen einer EU-Initiative starten Informationskampagnen zu krebserzeugenden Stoffen.
Technologisch geht der Trend zu modularen und neuroinklusiven Arbeitsplatzlösungen, die sich flexibel an verschiedene Körpertypen und Arbeitsweisen anpassen.
Die rechtliche Klärung von Krankmeldungen und die Überprüfung von Attesten durch den Medizinischen Dienst dürften Themen bleiben. Arbeitgeber versuchen zunehmend, Fehlzeiten-Kosten zu begrenzen.
Der Erfolg moderner Unternehmen wird jedoch davon abhängen, ob sie durch gute Arbeitsbedingungen und wertschätzende Kultur die Freude an der Tätigkeit bis zum Renteneintritt erhalten – ein Faktor, den die DGUV als entscheidend für die langfristige Leistungsfähigkeit identifiziert hat.
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