Arafura, September-Spatenstich

Arafura: September-Spatenstich für 1,23-Mrd.-Projekt

17.06.2026 - 04:56:52 | boerse-global.de

Arafura Rare Earths treibt das Nolans-Projekt voran, muss aber alle Finanzierungsbedingungen bis Dezember erfüllen, sonst verfallen die Zusagen.

Arafura Rare Earths: Wettlauf gegen die Zeit bis Dezember
Arafura - Eine goldene Schaufel steckt in dunkler Erde, umgeben von Bauarbeitern auf einer zukünftigen Minenbaustelle. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Australien steht kurz davor, seinen ersten vertikal integrierten Seltene-Erden-Komplex zu bauen. Arafura Rare Earths hat im Mai den Startschuss für das Nolans-Projekt gegeben — und peilt nun September als Datum für den ersten Spatenstich an. Bis Dezember muss alles stimmen. Sonst verfallen die Finanzierungszusagen.

Milliardenprojekt mit hartem Ablaufdatum

Das Nolans-Projekt im Northern Territory kostet 1,23 Milliarden australische Dollar. Die Eigenkapitalfinanzierung erreichte zuletzt 887 Millionen australische Dollar. Hinzu kommen rund eine Milliarde Dollar Fremdkapital von neun in- und ausländischen Kreditgebern.

Der Haken: Alle Finanzierungsbedingungen müssen bis zum 1. Dezember 2026 erfüllt sein. Verfehlt Arafura diese Frist, laufen die Zusagen ab. Das gibt dem Zeitplan eine Schärfe, die sich auch im Aktienkurs widerspiegelt.

Das Bauprojekt soll mehr als 600 Stellen in der Bauphase schaffen. Im laufenden Betrieb rechnet Arafura mit rund 350 Arbeitsplätzen.

Abnahmeverträge fast vollständig — eine Lücke bleibt

Arafura hat Abnahmeverträge für 93 Prozent der geplanten Jahresproduktion von 4.440 Tonnen NdPr-Oxid abgeschlossen. Die Partner: Hyundai und Kia mit je 750 Tonnen pro Jahr aus Südkorea, Siemens Gamesa mit 520 Tonnen aus Deutschland, Traxys mit insgesamt 800 Tonnen aus Europa und Nordamerika sowie Australiens staatliche Critical Mineral Strategic Reserve mit 500 Tonnen.

Eine Lücke bleibt. CEO Darryl Cuzzubbo verhandelt noch mit deutschen Abnehmern über 250 bis 500 Tonnen pro Jahr. Er rechnet damit, dass diese Gespräche „wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahres" abgeschlossen werden.

Die deutsche Staatsbank KfW ist als Geldgeber dabei — und erhält im Gegenzug einen Sitz im Vorstand sowie Vetorechte über Abnahme- und Projektentwicklungsverträge. Das ist ungewöhnlich viel Einfluss für eine staatliche Institution bei einem börsennotierten australischen Bergbauunternehmen. Berlins Interesse ist strategisch: China kontrolliert rund 60 Prozent der globalen Seltene-Erden-Förderung und über 90 Prozent der Raffineriekapazität.

Umweltklage und Investorenabgänge belasten die Aktie

Ein Umweltverband hat am 4. Juni eine formelle Beschwerde eingereicht. Das Arid Lands Environment Centre fordert strengere Auflagen für Grundwasser- und Biodiversitätsmonitoring. Die Beschwerde lehnt das Projekt nicht grundsätzlich ab — könnte aber den Genehmigungsprozess verzögern. Angesichts des Dezember-Deadlines käme jeder Aufschub zur Unzeit.

Parallel dazu haben institutionelle Investoren das Aktionärsregister verlassen. State Street und mehrere Tochtergesellschaften stiegen Ende Mai komplett aus. Das drückte den Kurs an einem einzigen Tag um mehr als sechs Prozent. Citigroup folgte Anfang Juni. Den abziehenden Indexkapital ersetzte strategisches Projektkapital: Hancock Prospecting investierte 85 Millionen australische Dollar und hält nun schätzungsweise 17,5 Prozent.

Die Aktie notiert aktuell bei 0,16 Euro — rund 45 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Oktober 2025. Über zwölf Monate hat das Papier trotzdem knapp 60 Prozent zugelegt, was die Transformation von der Finanzierungsidee zum baureif genehmigten Projekt widerspiegelt.

NdPr-Defizit stützt die Projektlogik

Analysten erwarten für 2026 das zweite Jahr in Folge mit einem NdPr-Angebotsdefizit. Die Basispreiserwartungen liegen zwischen 85.000 und 100.000 US-Dollar je Tonne. In optimistischen Szenarien sind 130.000 Dollar möglich.

Arafura setzt auf direkte Produktion von getrenntem NdPr-Oxid vor Ort. Das umgeht den chinesischen Raffinerie-Engpass, an dem die meisten westlichen Seltene-Erden-Projekte scheitern. Genau dieser strukturelle Vorteil erklärt das Interesse von Regierungen und Industrieabnehmern auf drei Kontinenten.

Die nächsten fünf Monate entscheiden: Beginnt im September tatsächlich der Erdbewegung — und hält die Finanzierungsstruktur bis Dezember?

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