App-Store-Revolution, Japan

App-Store-Revolution: EU und Japan zwingen Apple und Google zum Umbruch

02.01.2026 - 11:31:12

Neue Gesetze in Europa und Japan brechen die geschlossenen Ökosysteme auf. Apple reagiert mit umstrittenen Gebührenmodellen, die von Entwicklern als Scheinerfüllung kritisiert werden.

Die globale App-Wirtschaft steht vor einem historischen Umbruch. Neue Gesetze in der EU und Japan zerschlagen die geschlossenen Ökosysteme von Apple und Google und zwingen die Tech-Giganten, ihre Gebührenmodelle neu zu erfinden. Doch Kritiker sprechen von „Schein-Compliance“ – die neuen Regeln seien so gestaltet, dass sie den Status quo kaum antasten.

EU führt „Core Technology Commission“ ein

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Europäischen Union ein neues, vereinheitlichtes Geschäftsmodell von Apple. Die umstrittene „Core Technology Fee“ (CTF) wurde durch die Core Technology Commission (CTC) ersetzt. Diese Änderung ist eine direkte Folge des europäischen Digital Markets Act (DMA), der faire Bedingungen für Entwickler erzwingen soll.

Das neue Modell sieht vor: Statt einer pauschalen Gebühr von 0,50 Euro pro Installation – die vor allem für erfolgreiche Gratis-Apps existenzbedrohend war – kassiert Apple nun eine pauschale Kommission von 5 Prozent auf den Verkauf digitaler Güter und Dienstleistungen. Diese Gebühr fällt innerhalb von zwölf Monaten nach der Installation an und kommt zusätzlich zu einer „Store Services Fee“ (5-13%) und einer „Initial Acquisition Fee“ (2%) hinzu.

Anzeige

Passend zum Thema Apple‑Begriffe – viele Leser stolpern über Akronyme wie CTC, DMA oder CTF. Das kostenlose iPhone‑Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Apple‑Begriffe klar und praxisnah, inklusive Aussprachehilfen und kurzen Erläuterungen, die helfen, regulatorische Meldungen und iOS‑Updates besser zu verstehen. Ideal für iPhone‑Nutzer und alle, die Artikel wie diesen einordnen wollen. Die 53 wichtigsten iPhone‑Begriffe jetzt gratis anfordern

Für Analysten ist klar: Das Insolvenzrisiko durch hohe Download-Zahlen ist gebannt. Doch Apple sichert sich so weiterhin eine Gesamtprovision von bis zu 20 Prozent – selbst bei Transaktionen, die außerhalb des eigenen Zahlungssystems abgewickelt werden. Ein fairer Deal?

Japan öffnet den Markt – zu welchem Preis?

Während Europa sein neues Gebührenmodell einführt, setzt Japan seit Mitte Dezember 2025 sein Mobile Software Competition Act (MSCA) durch. Das Gesetz zwingt Apple und Google als „spezifizierte Anbieter“, Dritt-Anbieter von App-Stores und alternative Bezahlsysteme zuzulassen.

Apple reagierte mit dem Update iOS 26.2, das japanischen Nutzern erstmals alternative Stores und Direkt-Downloads aus dem Web ermöglicht. Der Haken: Die neuen finanziellen Bedingungen sind hart. Wer externe Zahlungsanbieter nutzt, muss Apple eine Kommission von 21 Prozent zahlen, plus etwa 3 Prozent an den Zahlungsdienstleister. Die Gesamtkosten liegen damit nur knapp unter der alten Standardrate von 30 Prozent. Google passte seine Play-Store-Richtlinien ähnlich an.

Entwickler kritisieren „bösartige Compliance“

Die Reaktion der App-Branche fällt verhalten bis wütend aus. Große Publisher und Entwickler-Verbände kritisieren die neuen Modelle in EU und Japan als „malicious compliance“ – also als bösartige Scheinerfüllung der Gesetze. Man halte sich zwar an den Buchstaben des Gesetzes, untergrabe aber seinen Geist, um die wirtschaftliche Vormachtstellung zu erhalten.

Vor allem die 21-Prozent-Gebühr in Japan wird als offensichtliche Blockade-Taktik gewertet, um Entwickler vom Verlassen des offiziellen App Stores abzuhalten. Auch in Europa sehen Kritiker in der neuen CTC lediglich eine ungerechte Steuer auf Transaktionen, die Apples eigene Infrastruktur gar nicht nutzen.

Trotz aller Kritik: Die Landschaft hat sich grundlegend verändert. Entwickler in zwei der lukrativsten Märkte der Welt haben erstmals ein gesetzliches Recht, die Standard-App-Stores zu umgehen – wenn sie die komplexen neuen Gebührengebirge erklimmen wollen.

Globale Regulierungswelle rollt an

Die Entwicklungen in Europa und Japan sind Teil eines globalen Trend, die Macht der Tech-Gatekeeper zu brechen. Während der EU-DMA als Blaupause diente, setzt Japans MSCA einen anderen Fokus: Er zielt spezifisch auf den Wettbewerb bei Smartphone-Software und zwingt zur Öffnung von NFC-Chips für Zahlungs-Apps.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind gewaltig. EU und Japan machen einen erheblichen Teil der globalen App-Store-Umsätze aus. Die Senkung der Markteintrittsbarrieren – selbst bei umstrittenen Gebühren – dürfte 2026 die Gründung von Nischen-App-Stores für Gaming, Produktivität und Business-Software beflügeln.

Was kommt 2026? Klagen und Anpassungen

Das Jahr 2026 wird zum Jahr der Gerichtsverfahren und Nachjustierungen. Die Europäische Kommission wird die Umsetzung der CTC in den kommenden Monaten überprüfen. Sie muss bewerten, ob die 5-Prozent-Gebühr den DMA-Anforderungen an „faire, angemessene und nicht-diskriminierende“ Bedingungen (FRAND) genügt. Bei einem negativen Urteil drohen weitere Strafen.

In den USA beobachten Regulierer die internationalen Experimente genau. Die laufende Kartellklasse des Justizministeriums gegen Apple könnte von den europäischen und japanischen Modellen lernen – oder sie als abschreckendes Beispiel werten. Für Entwickler bedeutet dies eine fragmentierte Welt: Die Kosten ihres Geschäfts hängen nun stärker denn je vom Standort ihrer Nutzer ab.

Anzeige

PS: Diese Debatte um Gebühren, alternative Stores und iOS‑Updates kann schnell in Fachchinesisch abdriften. Das kostenlose iPhone‑Lexikon fasst die wichtigsten Begriffe kompakt zusammen und hilft, politische Entscheidungen und Produkt-Updates richtig einzuordnen. Ideal für Entwickler, Produktmanager und interessierte Nutzer – Lieferung per E‑Mail. Jetzt das iPhone‑Lexikon gratis anfordern

@ boerse-global.de