Anthropics KI-Assistent Claude übernimmt jetzt die Computersteuerung
24.03.2026 - 05:30:21 | boerse-global.deKI-Assistent Claude kann nun Maus, Tastatur und Bildschirm bedienen. Anthropic ebnet damit den Weg für autonome digitale Assistenten, die komplexe Arbeitsabläufe übernehmen.
Die neue Funktion verwandelt den Chatbot in einen aktiven Agenten, der eigenständig durch Desktop-Umgebungen navigiert. Das Update, das am Montag, dem 23. März, als Forschungsvorschau für macOS-Nutzer der Premium-Tarife Claude Cowork und Claude Code veröffentlicht wurde, markiert einen Wendepunkt: von konversationeller KI hin zu sogenannten "agentischen" Systemen. Diese können mehrstufige professionelle Workflows mit minimaler menschlicher Intervention ausführen.
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Die Ankündigung sorgt für Aufsehen in der Tech-Branche. Sie folgt nur wenige Wochen nach ähnlichen Vorstößen von Wettbewerbern und fällt in eine hitzige Debatte über die Rolle der KI in der nationalen Sicherheit und auf dem Unternehmenssoftware-Markt.
Desktop-Autonomie: KI lernt Sehen und Klicken
Der Kern der Neuerung ist die Integration von "Computer Use" in die Claude-Desktop-App für macOS. Anders als frühere KI-Agenten, die auf spezifische Schnittstellen angewiesen waren, kann Claude nun den Bildschirm "sehen" und ähnlich wie ein menschlicher Nutzer damit interagieren.
"Das System kann Berechtigungen erhalten, um den Cursor zu bewegen, Buttons zu klicken und Text in jeder installierten Anwendung einzugeben", erklärt Engineering-Lead Felix Rieseberg. Die Funktion soll besonders bei Aufgaben mit veralteter Software oder Programmen ohne moderne Anbindung helfen.
Anthropic nennt konkrete Anwendungsfälle: Entwickler beim Debuggen nativer Apps, Kreativprofis bei der Stapelverarbeitung von Bildern oder Administratoren, die Daten über mehrere verstreute Tabellen hinweg verwalten. In ersten Demos navigierte der Assistent eigenständig durch einen Desktop, exportierte eine Präsentation als PDF und machte Screenshots eines lokalen Entwicklungsservers – ohne dass ein Mensch eingreifen musste.
Die Technologie basiert auf der Architektur von Claude Sonnet 4.6. Dieses Modell, das am 17. Februar 2026 vorgestellt wurde, zeigt deutliche Fortschritte im räumlichen Denken und der Interface-Navigation. Im OSWorld-Benchmark, der die Fähigkeit einer KI bewertet, reale Computerumgebungen zu bedienen, erreichte die neueste Claude-Version eine Erfolgsquote von 72,5 %. Vor einem Jahr lagen vergleichbare Modelle noch unter 15 %.
Feature "Dispatch": Aufgaben vom Smartphone aus delegieren
Parallel zur Computersteuerung führt Anthropic das Begleitfeature "Dispatch" ein. Es erlaubt Nutzern, Aufgaben aus der Ferne von einem Mobilgerät an ihren Mac zu delegieren.
Ein Beispiel: Während der Pendelfahrt sendet der Nutzer per Smartphone eine Textaufforderung. Er weist Claude an, die Morgen-E-Mails zu prüfen, eine Reihe von Softwaretests durchzuführen oder ein Tagesbriefing vorzubereiten. Am Arbeitsplatz angekommen, sind die Aufgaben erledigt und die KI liefert eine Zusammenfassung der durchgeführten Aktionen.
Branchenanalysten sehen in der Kombination aus Computersteuerung und Dispatch einen strategischen Schachzug, um im Mainstream-Produktivitätsmarkt stärker zu konkurrieren. Während sich Claude Code primär an Softwareentwickler richtete, zielt die im Januar 2026 gestartete Plattform Claude Cowork auf eine breitere Masse von Wissensarbeitern. Einige Experten sehen darin den Beginn einer Ära des "Vibe Working": Profis konzentrieren sich auf übergeordnete Ziele, während die KI die mechanische Ausführung übernimmt.
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Die Veröffentlichung ist derzeit jedoch eingeschränkt. Anthropic hat noch keinen konkreten Zeitplan für Windows- oder Linux-Versionen der Computersteuerung angekündigt, eine Windows-Version wird aber in den kommenden Wochen erwartet. Zudem ist die Funktion auf Abonnenten der High-End-Tarife beschränkt. Die Claude Max-Pläne kosten derzeit zwischen 100 und 200 US-dollar pro Monat – ein Hinweis auf die hohen Rechenkosten für Echtzeit-Bildverarbeitung und Ausführungsmodelle.
Sicherheitsprotokolle und ein heißes Wettrennen
Angesichts der Sicherheitsrisiken, die mit der Übergabe der Computersteuerung an eine KI einhergehen, hat Anthropic mehrere Schutzschichten implementiert. Das Unternehmen betont, dass Claude immer um ausdrückliche Erlaubnis bitten wird, bevor es eine Anwendung ohne bestehende Verbindung öffnet. Bestimmte sensible Apps sind standardmäßig deaktiviert, um den Zugriff auf Finanzdaten oder private Kommunikation ohne direkte Aufsicht zu verhindern.
Zudem agiert das System langsamer als ein Mensch. "Die Bewegungen der KI werden in der Forschungsvorschau absichtlich verlangsamt, damit Nutzer ihre Aktionen überwachen und bei Bedarf eingreifen können", so Rieseberg. Diese "Human-in-the-Loop"-Anforderung ist ein Kernstück der Responsible Scaling Policy von Anthropic.
Die Veröffentlichung fällt in eine Phase intensiven Wettbewerbs und regulatorischer Prüfungen. Am 5. März 2026 brachte OpenAI sein Flaggschiff-Modell GPT-5.4 mit nativer Computersteuerung und tiefer Integration in Microsoft Excel und Google Sheets auf den Markt. Nvidia kürzlich sein Framework "NemoClaw" für den Einsatz quelloffener autonomer Agenten in Unternehmen vor.
Die rasanten Fortschritte sorgen für Volatilität an den Börsen – ein Phänomen, das einige Analysten bereits "SaaSpocalypse" nennen. Im Februar und frühen März 2026 verzeichneten Aktien großer Unternehmenssoftware-Anbieter wie Thomson Reuters, RELX und LegalZoom starke Kurseinbrüche. Investoren fürchten, dass autonome KI-Agenten die spezialisierten Funktionen dieser Plattformen ersetzen könnten.
Konflikt mit der US-Regierung und Ausblick
Jenseits des kommerziellen Sektors steckt Anthropic in einem komplexen Streit mit der US-Regierung. Mitte März 2026 berichteten Medien, das Pentagon habe Anthropic nach gescheiterten Gesprächen über KI-Sicherheitsvorkehrungen als "Risiko für die Lieferkette" eingestuft. Im Zentrum der Spannungen steht die Weigerung des Unternehmens, dem Militär uneingeschränkten Zugang zu Claude für Anwendungen wie Massenüberwachung oder autonome Waffensysteme zu gewähren.
Am 21. März berichtete Wired über eine Gerichtseinreichung, in der Anthropic bestritt, die Fähigkeit zu haben, einmal in militärischen Umgebungen eingesetzte Tools zu "sabotieren" oder aus der Ferne zu deaktivieren – eine klare Absage an staatliche Forderungen nach einem "Kill Switch".
Trotz der Kontroversen treibt Anthropic die Integration in professionelle Ökosysteme voran. Das Unternehmen kündigte kürzlich ein 100-Millionen-Dollar-Engagement für das Claude Partner Network an, um großen Organisationen bei der Einführung dieser agentischen Workflows zu helfen. Dazu gehören Schulungen für "Claude Certified Architects" und gemeinsame Marketingressourcen für Unternehmenskunden.
Die Branche blickt bereits gespannt auf die nächste Generation: "Claude 5", intern mit dem Codenamen "Fennec" versehen, wurde bereits in Testprotokollen gesichtet. Lecks deuten darauf hin, dass dieses Modell noch fortschrittlichere Multi-Agenten-Kollaboration ermöglichen wird. Teams von KI-Agenten könnten dann gemeinsam an komplexen Projekten arbeiten.
Der Fokus liegt zunächst auf der erfolgreichen Einführung der Computersteuerung für macOS. Auch wenn die Technologie noch in der Forschungsphase steckt, markiert ihre Fähigkeit, menschliche Absicht und digitale Ausführung zu verbinden, einen grundlegenden Wandel in der Softwarenutzung. Die traditionellen Grenzen der "Wissensarbeit" stehen vor einer dauerhaften Neustrukturierung.
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