Anthropics, KI-Agenten

Anthropics KI-Agenten bauen eigenständig C-Compiler

07.02.2026 - 17:09:12

KI erreicht Meilenstein in der Softwareentwicklung: Ein Team künstlicher Intelligenz hat erstmals einen voll funktionsfähigen C-Compiler nahezu ohne menschliche Hilfe erstellt. Das Experiment des KI-Sicherheitsunternehmens Anthropic demonstriert das wachsende Potenzial autonomer Systeme für komplexe Programmieraufgaben.

Im Zentrum des Experiments steht die neue „Agent Teams“-Architektur von Anthropics aktuellem Modell Claude Opus 4.6. 16 KI-Agenten arbeiteten zwei Wochen lang parallel in einem gemeinsamen Git-Repository – ohne dass ein menschlicher Projektleiter ihre Aufgaben koordinierte. Jeder Agent lief in einem isolierten Container, wählte eigenständig Aufgaben aus, schrieb Code und löste Konflikte durch Merge-Vorgänge.

„Wir wollten die Grenzen der neuen Architektur austesten“, erklärt Anthropic-Forscher Nicholas Carlini. Der Prozess umfasste fast 2.000 unabhängige Codierungs-Sessions und verursachte Kosten von etwa 20.000 Euro für API-Nutzung. Interessanterweise könnte dieser Betrag niedriger liegen als die Kosten für ein menschliches Entwicklungsteam bei vergleichbarer Projektkomplexität.

Anzeige

Passend zum Thema KI-Sicherheit – seit August 2024 gelten neue Vorschriften für KI-Systeme, die Entwickler und Unternehmen vor konkrete Dokumentations- und Klassifizierungsaufgaben stellen. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt praxisnah, welche Pflichten für Entwickler, Tester und Betreiber gelten, wie Risiken korrekt klassifiziert werden und welche Fristen relevant sind. Ideal für Entwickler und Tech‑Manager, die KI-Systeme entwickeln oder einsetzen. Kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Vom Linux-Kernel bis zum Doom-Spiel

Das Ergebnis übertrifft die Erwartungen: Der in Rust geschriebene Compiler mit 100.000 Codezeilen übersetzt nicht nur den Linux-6.9-Kernel für x86-, ARM- und RISC-V-Architekturen. Er bewältigt auch anspruchsvolle Open-Source-Projekte wie PostgreSQL, SQLite, Redis, FFmpeg und QEMU.

Als besondere Herausforderung gilt in der Compiler-Entwicklung das Spiel Doom – auch dieser Benchmark wurde erfolgreich bestanden. Im GCC Torture Test Suite, einer anspruchsvollen Testsammlung für C-Compiler, erreichte die KI-Lösung eine beeindruckende Erfolgsquote von 99 Prozent. Damit bewegt sich das Projekt deutlich über einen reinen Machbarkeitsnachweis hinaus.

Noch kein Ersatz für etablierte Tools

Trotz des Erfolgs bleibt Anthropic realistisch: Der KI-Compiler ist kein vollwertiger Ersatz für etablierte Tools wie GCC. Er benötigt GCC noch für bestimmte Komponenten, etwa den 16-Bit-x86-Compiler zum Booten des Linux-Kernels. Der eigene Assembler und Linker enthalten noch Fehler, und der generierte Code ist weniger effizient als selbst nicht optimierter GCC-Code.

Die Qualität des Rust-Codes beschreiben die Entwickler als „akzeptabel“, aber nicht auf Expertenniveau. Die Limitationen zeigen: Menschliche Programmierer bleiben vorerst unverzichtbar für Feinabstimmung und Optimierung.

Paradigmenwechsel in der Softwareentwicklung?

Das Experiment fällt in eine Phase rascher Fortschritte bei Anthropic. Erst vor Tagen stellte das Unternehmen Claude Cowork vor, ein kollaboratives KI-System für Büroaufgaben. Die Fähigkeit, grundlegende Software wie Compiler autonom zu erstellen, markiert jedoch einen qualitativen Sprung.

Könnte KI künftig repetitive Programmierarbeit übernehmen? Die Vision: Menschliche Entwickler konzentrieren sich auf Systemdesign und kreative Problemlösung, während KI-Teams Implementierungsdetails bearbeiten. Doch der Durchbruch wirft auch kritische Fragen auf – besonders zur Sicherheit und Verifizierung von Software, die nicht direkt von Menschen geschrieben oder geprüft wurde.

Die Entwicklung zeigt: Autonome KI-Programmierung ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern beginnende Realität. Wie sich das Verhältnis zwischen menschlichen und künstlichen Entwicklern gestaltet, wird die Tech-Branche in den kommenden Jahren fundamental verändern.

Anzeige

PS: Die Debatte um Sicherheit und Verifizierung von KI‑Code betrifft nicht nur Forscher, sondern auch Unternehmen und Entwicklerteams, die KI-gestützte Tools einsetzen. Unser kompaktes Gratis‑E‑Book fasst die wichtigsten Anforderungen der EU‑KI‑Verordnung zusammen, liefert Checklisten für Risikoanalysen und zeigt, wie Sie Ihr KI‑Projekt rechtssicher dokumentieren. Perfekt als Schnellstart‑Guide für Produktverantwortliche. Gratis E‑Book zur EU‑KI‑Verordnung sichern

@ boerse-global.de