Anthropics Claude übernimmt die Kontrolle über Mac-Computer
24.03.2026 - 03:39:26 | boerse-global.deKI-Modelle werden zu aktiven digitalen Assistenten, die eigenständig am Computer arbeiten. Das US-Unternehmen Anthropic hat mit Claude einen entscheidenden Schritt in diese Richtung gemacht.
Seit Montag, dem 23. März 2026, können Abonnenten der Pro- und Max-Versionen die neue Computer Use-Funktion nutzen. Sie erlaubt der KI, direkt mit der macOS-Oberfläche zu interagieren. Claude kann nun Browser steuern, Buttons anklicken und lokale Dateien verwalten – fast wie ein menschlicher Nutzer. Die Technologie, zunächst als Forschungsvorschau in den Plattformen Claude Cowork und Claude Code verfügbar, soll die Lücke zwischen textbasierter Hilfe und vollständiger Arbeitsablauf-Automatisierung schließen.
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Vom Chatbot zum digitalen Kollegen
Die Funktionsweise ist revolutionär: Claude interpretiert den Bildschirminhalt in Echtzeit mit seinen Vision-Fähigkeiten. Statt starrer Skripte nutzt die KI die visuelle Oberfläche des Betriebssystems, um den Cursor zu bewegen und in Fenstern zu tippen. Ein hybrides System sorgt für Effizienz. Für etablierte Enterprise-Tools wie Slack, Google Calendar oder Microsoft Office greift Claude zunächst auf spezielle „Deep Connector“-Integrationen zurück. Fehlt eine solche Schnittstelle, steuert das Modell die Anwendung manuell über die Bildschirmkontrolle. Das ermöglicht auch die Arbeit mit veralteter Software oder Nischen-Apps.
Die Leistungsdaten sind beeindruckend. Im Standard-Test OSWorld erreicht Claude bei mehrstufigen Aufgaben eine Erfolgsquote von 72,5 Prozent. Ein gewaltiger Sprung gegenüber den Prototypen vom Frühjahr 2025, die noch unter 15 Prozent lagen.
Die Arbeit delegieren: Smartphone zu Desktop
Ein zentrales Element ist die Integration mit Dispatch. Dieses System erlaubt die mobile Aufgabendelegation. Ein Nutzer kann von unterwegs per Smartphone einen komplexen Arbeitsauftrag an Claude geben. Die KI erledigt ihn dann eigenständig am heimischen Mac – das fertige Ergebnis liegt bei der Rückkehr an den Schreibtisch bereit.
Das zielt auf den Trend des asynchronen „Vibe Working“. Nutzer konzentrieren sich auf die strategische Zielvorgabe, nicht auf das mühsame Navigieren durch Software. Ein Beispiel: Per Smartphone weist man Claude an, Daten aus mehreren lokalen Tabellen zu ziehen, eine Zusammenfassung zu verfassen und diese an einen bestimmten Slack-Kanal zu senden. Die KI öffnet die nötigen Programme, extrahiert die Informationen und kommuniziert – vollautonom.
Aktuell ist die Funktion auf macOS beschränkt. Doch nach der erfolgreichen Windows-Integration in das Claude-Cowork-Ökosystem im Februar 2026 wird die Unterstützung für Microsofts Betriebssystem noch im Frühjahr erwartet.
Sicherheit hat oberste Priorität
Die Gewährung von Systemzugriffen für eine KI birgt Risiken. Anthropic setzt daher auf ein abgeschottetes Sicherheitsmodell. Claude arbeitet innerhalb der Cowork-Umgebung in einer isolierten virtuellen Maschine (VM). Sie hat nur Zugriff auf explizit freigegebene Dateien und Apps.
Das mehrschichtige Sicherheitsframework umfasst:
* Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Interaktionen zwischen Dispatch-App und Desktop.
* Anwendungsspezifische Berechtigungen, die der Nutzer granular steuern kann. Sensible Programme wie Banking-Software sind in der Vorschau standardmäßig gesperrt.
* Automatisches Scannen auf bösartige Befehle in Webseiten oder Dokumenten, die die KI-Kontrolle kapern könnten.
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Trotz dieser Vorkehrungen rät das Unternehmen in der Forschungsphase noch von Aufgaben mit hochsensiblen oder finanziellen Daten ab. Ziel ist es, reale Nutzungsdaten für komplexe Workflows zu sammeln.
Der Kampf um den persönlichen KI-Agenten
Die Ankündigung fällt in eine Phase heftigen Wettbewerbs. In der vergangenen Woche überschlugen sich die Ereignisse im KI-Agenten-Sektor. Nvidia stellte mit NemoClaw eine Sicherheitsschicht für das Open-Source-Framework OpenClaw vor, das mit über 320.000 GitHub-Stars zum Hauptkonkurrenten proprietärer Systeme wie Claude geworden ist. Meta brachte seinen „My Computer“-Agenten Manus ins Rennen, und OpenAI treibt die Skalierung seiner Codex-Plattform mit nativer Computerkontrolle voran.
Analysten sehen Anthropics Stärke in der Fokussierung auf den Corporate- und Engineering-Sektor. Die Veröffentlichung von Claude 4.6 im Februar 2026 – mit den Modellen Sonnet und Opus – schuf die Grundlage. Der Kontextumfang von einer Million Tokens und verbesserte Planungsfähigkeiten ermöglichen es Claude, langfristige Projektziele im Blick zu behalten, während es die kurzfristigen Desktop-Aufgaben abarbeitet.
Marktumwälzung und nächste Schritte
Die Marktreaktion auf Anthropics Vorstöße ist spürbar. Nach dem Start von Claude Cowork im Februar gerieten die Börsenwerte einiger großer Enterprise-Softwareunternehmen unter Druck. Investoren fragen sich: Braucht es noch die traditionelle SaaS-Oberfläche, wenn eine KI Aufgaben über mehrere Apps hinweg autonom orchestriert? Der Wert könnte sich von der einzelnen Softwarelizenz hin zur KI-Plattform als Dirigent verlagern.
Die nächsten Schritte von Anthropic zielen auf die Verfeinerung komplexer, mehrstufiger Denkprozesse ab. Während Standard-Büroaufgaben bereits gut funktionieren, benötigen extrem anspruchsvolle kreative Workflows noch gelegentlich menschliches Eingreifen.
Bis zum Ende der Forschungsphase im März 2027 wird der Fokus auf noch tieferer Betriebssystem-Integration liegen. Gerüchten zufolge arbeitet Apple an offeneren Schnittstellen für KI-Agenten im kommenden macOS 27. Die Synergie zwischen Anthropics Modellen und Mac-Hardware könnte so zur zentralen Säule des professionellen Computing werden. Für Claude Pro- und Max-Nutzer beginnt diese Zukunft heute.
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