Anthropic-Studie: KI verdrängt Jobs langsamer als gedacht
07.03.2026 - 05:10:07 | boerse-global.deKI könnte theoretisch fast alle Büroaufgaben übernehmen – doch in der Praxis tut sie es kaum. Eine neue Studie des KI-Unternehmens Anthropic zeigt eine enorme Lücke zwischen Potenzial und Realität. Während die Technologie als Jobkiller gefürchtet wird, verändert sie den Arbeitsmarkt bisher vor allem im Detail.
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Theorie vs. Praxis: Die große Automatisierungslücke
Die meisten Prognosen zur KI basieren auf theoretischen Fähigkeiten. Die Ökonomen von Anthropic, Maxim Massenkoff und Peter McCrory, führten deshalb eine neue Metrik ein: die beobachtete Exposition. Sie vergleicht, was große Sprachmodelle wie Claude theoretisch können, mit dem, wofür sie im Arbeitsalltag tatsächlich genutzt werden.
Das Ergebnis ist eine gewaltige Diskrepanz. In computerbasierten und mathematischen Berufen liegt die theoretische Automatisierbarkeit bei 94 Prozent. In der Realität werden aber nur 33 Prozent der Aufgaben von KI übernommen. Bei Büro- und Verwaltungsaufgaben sind es 90 Prozent Theorie gegenüber 25 Prozent Praxis. Die Studie kommt zu einem beruhigenden Schluss: Der Mensch nutzt die KI bei weitem nicht aus. Ein plötzlicher, katastrophaler Jobabbau ist in naher Zukunft unwahrscheinlich.
Diese Berufe spüren die KI bereits am stärksten
Trotz der Lücke zeigt die Studie klar, wo die Technologie heute schon ankommt. An der Spitze stehen Computerprogrammierer, bei denen 75 Prozent der Aufgaben bereits KI-Unterstützung erfahren. Es folgen Kundenservice-Mitarbeiter (70 Prozent) sowie Datentypisten und Medizinische Dokumentare (je 67 Prozent). Auch Marktforscher, Vertriebsmitarbeiter und Finanzanalysten sind stark betroffen.
Interessant ist das Profil der betroffenen Arbeitnehmer: Im Gegensatz zu früheren Automatisierungswellen trifft es diesmal vor allem Wissensarbeiter. Sie sind statistisch gesehen häufiger älter, weiblich, besser ausgebildet und höher bezahlt als Kollegen in Berufen mit geringer KI-Exposition.
Gleichzeitig sind etwa 30 Prozent der Arbeitskräfte noch gar nicht betroffen. Geschützte Jobs sind solche mit physischer Arbeit oder spezieller zwischenmenschlicher Interaktion – etwa Gärtner, Köche, Motorradmechaniker, Rettungsschwimmer und Barkeeper.
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Warnzeichen für Berufseinsteiger
Die Studie findet keinen systemischen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter etablierten Fachkräften in exponierten Berufen. Doch für junge Berufseinsteiger zeichnet sich ein trend ab.
Seit 2024 hat sich die Einstellungsrate für 22- bis 25-Jährige in stark automatisierten Berufen verlangsamt. Im Vergleich zu 2022 ist die Job-Findungsrate in diesen Sektoren um 14 Prozent gesunken. Junge Erwachsene, die keinen Einstieg in Programmierung oder Finanzanalyse finden, weichen offenbar auf weitere Ausbildung, andere Karrierewege aus oder verzögern ihren Berufseinstieg.
Experten wie Michael Bennett von der University of Illinois Chicago mahnen zur Vorsicht bei der Interpretation. Nur dreieinhalb Jahre nach dem Durchbruch generativer KI seien definitive quantitative Aussagen schwierig.
Kontext: Wachstum und Konflikt für Anthropic
Die Veröffentlichung fällt in eine turbulente Phase für Anthropic. Das Unternehmen verzeichnet ein explosives Wachstum: Seine annualisierte Umsatzrate schnellte auf fast 19 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie Ende 2025. Treiber ist die Unternehmensnutzung von Tools wie Claude Code, was die hohe Exposition bei Programmierern erklärt.
Doch dem Erfolg stehen regulatorische Konflikte gegenüber. Das US-Verteidigungsministerium stufte Anthropic am 4. März als Risiko für die nationale Sicherheit ein. Grund ist der Widerstand des Unternehmens, seine Sicherheitsvorkehrungen für den Einsatz in autonomen Waffensystemen aufzuweichen. CEO Dario Amodei kündigte eine Klage an. Die Einschränkung betrifft vorrangig direkte Rüstungsaufträge, nicht den breiten kommerziellen Markt.
Trotz dieser geopolitischen Gegenwinde wächst die Unternehmensnutzung. Anthropics Anteil am Enterprise-KI-Budget lag Anfang 2026 bei 40 Prozent.
Langfristiger Ausblick: Ein langsamer Wandel
Die Forscher erwarten, dass sich die KI-Integration wie vergangene Technologierevolutionen entfalten wird: langsam und verwoben mit größeren Wirtschaftszyklen.
Ein Vergleich mit US-Arbeitsmarktprognosen bis 2034 zeigt: Berufe mit höherer KI-Exposition weisen ein etwas schwächeres prognostiziertes Beschäftigungswachstum auf. Jeder Anstieg der KI-Abdeckung um 10 Prozentpunkte korreliert mit einem Rückgang des Jobwachstums um 0,6 Prozentpunkte.
Die unmittelbaren Auswirkungen werden also weniger Massenentlassungen sein, sondern veränderte Qualifikationsanforderungen, angepasste Stellenprofile und eine anhaltende Verlangsamung beim Einstieg in automatisierte Branchen. Metriken wie die "beobachtete Exposition" werden für Unternehmen, Bildungsträger und Politiker entscheidend sein, um den Wandel der Arbeit zu navigieren.
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