Anthropic, Indien-Chefin

Anthropic setzt mit Indien-Chefin auf den KI-Markt

16.01.2026 - 11:54:11

Der KI-Sicherheitsspezialist Anthropic tritt mit einer neuen Indien-Chefin und einem Büro in Bengaluru in den Wettbewerb um den zweitgrößten Markt für sein KI-Modell Claude ein.

Microsoft-Veteranin übernimmt strategische Schlüsselrolle

Mit Irina Ghose holt sich Anthropic eine der bekanntesten Tech-Managerinnen Indiens an Bord. Die 54-Jährige bringt mehr als 30 Jahre Branchenerfahrung mit, davon 24 Jahre bei Microsoft, wo sie zuletzt als Geschäftsführerin für Microsoft Indien verantwortlich war. In dieser Rolle trieb sie maßgeblich die Einführung von Unternehmens-KI in Schlüsselsektoren wie Bankwesen, Gesundheitswesen und Fertigung voran.

Bei Anthropic wird Ghose den gesamten Indien-Betrieb leiten. Ihr Mandat umfasst den Ausbau der Geschäftsaktivitäten, den Aufbau von Beziehungen zu Unternehmen, Regierungsstellen und der Entwicklergemeinschaft sowie die Anpassung der sicherheitsorientierten KI-Lösungen von Anthropic an die spezifischen Bedürfnisse indischer Industrien. „Ihre tiefgehende Expertise im Skalieren von Technologiegeschäften macht sie zur idealen Führungskraft für diese Expansion“, kommentiert Chris Ciauri, International Managing Director von Anthropic.

Anzeige

Passend zum Thema KI-Sicherheit und Regulierung: Seit August 2024 gelten in der EU neue Regeln für KI-Systeme – viele Unternehmen sind noch unvorbereitet. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt, welche Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen jetzt zu beachten sind. Entwicklern und Anbietern bietet der Guide klare Schritte zur rechtssicheren Umsetzung, damit neue Produkte sicher auf den Markt kommen. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Bengaluru wird zum Drehkreuz für Südasien

Bereits im Februar 2026 wird Anthropic seine neue Indien-Zentrale in Bengaluru eröffnen. Die als „Silicon Valley Indiens“ bekannte Stadt beherbergt bereits zahlreiche globale Tech-Konzerne und bietet Zugang zu einem dichten Netzwerk aus Talenten, Start-ups und etablierten Unternehmen.

Das Büro wird Teams für Vertrieb, Technik und Politikberatung beherbergen und als Drehkreuz für die Aktivitäten in Südasien dienen. Zur Eröffnung wird voraussichtlich auch CEO Dario Amodei anreisen, der parallel an der von der Regierung ausgerichteten AI Impact Summit in Neu-Delhi Mitte Februar teilnehmen wird.

Indien: Zweitgrößter Claude-Markt mit technischem Fokus

Der strategische Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Indien hat sich zum zweitgrößten Absatzmarkt für Anthropics Flaggschiffmodell Claude entwickelt, direkt hinter den USA. Die Nutzung im Land ist stark technisch geprägt: Fast die Hälfte aller Claude-Aktivitäten entfallen auf Coding und Software-Entwicklung.

„Indische Organisationen gehen von experimentellen Phasen zu angewandten KI-Lösungen über“, erklärt Ghose. „Vertrauen und langfristige Wirkung werden für Unternehmen hier genauso wichtig wie Innovation.“ Diese Haltung deckt sich mit Anthropics „Constitutional AI“-Ansatz, der Sicherheit und Zuverlässigkeit in den Vordergrund stellt.

Wettlauf mit OpenAI und Google um Indiens KI-Zukunft

Mit dem Markteintritt begibt sich Anthropic in direkten Wettbewerb mit den Rivalen OpenAI und Google, die ihr Engagement im indischen Ökosystem ebenfalls massiv ausbauen. OpenAI hat Ende 2025 eine eigene Indien-Entität gegründet und rekrutiert aktiv Technik- und Politik-Talente.

Analysten sehen Anthropic in der Position des unternehmensfreundlichen Alternativanbieters, der mit seinem Fokus auf Sicherheit und Steuerbarkeit besonders für stark regulierte Sektoren wie Finanzen (BFSI) und öffentliche Verwaltung attraktiv ist. Die Berufung von Ghose, mit ihrem Hintergrund in Unternehmenslösungen, wird als klares Signal für diese B2B-Strategie gewertet.

Die Expansion folgt hochrangigen diplomatischen Gesprächen: CEO Dario Amodei traf im Oktober 2025 Premierminister Narendra Modi, um über Indiens KI-Infrastruktur und das Potenzial von „KI für das Gemeinwohl“ zu diskutieren. Damals kündigte das Unternehmen Investitionen in Recheninfrastruktur und Lokalisierungsfähigkeiten an – Versprechen, die nun mit dem formellen Markteintritt eingelöst werden.

Partnerschaften und Rekrutierung im Fokus

Die unmittelbaren Prioritäten des Indien-Teams liegen nun auf Personalgewinnung und Partnerschaftsaufbau. Anthropic hat bereits mehrere Stellen für den Indien-Betrieb ausgeschrieben, vor allem im Enterprise-Vertrieb und in der Developer Relations.

Der anstehende AI Impact Summit im Februar könnte zum nächsten Katalysator werden. Er bietet eine Plattform für die Ankündigung konkreter Partnerschaften mit indischen Konglomeraten und möglicher Kooperationen bei staatlich geführten KI-Initiativen. Mit der nun geschaffenen Infrastruktur könnte 2026 zum entscheidenden Jahr werden, in dem Anthropic seine massive indische Nutzerbasis in nachhaltige Unternehmenseinnahmen umwandeln muss.

Anzeige

PS: Für Unternehmen, die in neue Märkte expandieren – wie Anthropic in Indien – sind Fristen und Dokumentationspflichten der EU‑KI‑Verordnung entscheidend. Ein gratis E‑Book bietet einen praktischen Umsetzungsleitfaden mit klaren Handlungsschritten, damit Entwickler und Entscheider Kennzeichnungspflichten und Übergangsfristen rechtzeitig erfüllen. Ideal für Produkt‑ und Compliance‑Teams, die KI sicher und regelkonform einführen wollen. Gratis E‑Book zur EU‑KI‑Verordnung jetzt sichern

@ boerse-global.de