Anthropic Aktie: Olah warnt vor Jobverlusten im Vatikan
25.05.2026 - 20:37:04 | boerse-global.deAnthropic-Co-Gründer Christopher Olah warnt vor massiven Jobverlusten durch KI – und spricht mit dem Vatikan über Ethik. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen offenbar mit US-Geheimdiensten über einen Vertrag. Ausgerechnet mit jenen Behörden, die Anthropic derzeit verklagt.
Der Widerspruch könnte kaum größer sein. Olah forderte am 25. Mai in einer Rede im Vatikan eine „moralische Pflicht historischen Ausmaßes": Die Gesellschaft müsse Menschen unterstützen, die durch KI ihre Arbeit verlieren. Papst Leo XIV. hatte zuvor seine erste Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz veröffentlicht. Das Ziel: eine Allianz aus Religionsführern, Regierungen und Zivilgesellschaft, die KI-Entwicklung kontrolliert.
Doch parallel dazu lotet das Unternehmen eine heikle Kooperation aus. Der Geheimdienstausschuss des Weißen Hauses will US-Spionagebehörden wie der NSA Zugriff auf Claude, das KI-Modell von Anthropic, verschaffen. Das berichten mit der Sache vertraute Kreise. Die Ironie: Das Pentagon hatte Anthropic noch am 27. Februar als Sicherheitsrisiko eingestuft und jegliche Nutzung verboten. Anthropic zog daraufhin am 10. März vor Gericht.
Rechtstreit mit Ansage
Der Konflikt schwelt seit Monaten. Anthropic weigert sich, Claude für autonome Waffen oder Massenüberwachung einzusetzen. Das Pentagon beharrt auf der Nutzung „für alle rechtmäßigen Zwecke". Der August 2026 gilt als Deadline für eine Klärung.
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Gleichzeitig sichert sich das Unternehmen massiv Computerkapazitäten. Anthropic verhandelt mit Microsoft über die Anmietung von Servern mit den hauseigenen Maia-200-Chips. Der Konzern hat bereits Verpflichtungen in Milliardenhöhe: Microsoft investierte fünf Milliarden Dollar und bindet Anthropic an 30 Milliarden Dollar Azure-Cloud-Dienste sowie ein Gigawatt Rechenleistung. Hinzu kommen 200 Milliarden Dollar für Google-TPUs über fünf Jahre und 100 Milliarden Dollar für AWS-Trainium-Chips über zehn Jahre. Selbst SpaceX ist mit einem monatlichen Computing-Vertrag von 1,25 Milliarden Dollar bis Mai 2029 dabei.
Enterprise-Wachstum auf Kosten von OpenAI
Die aggressiven Investitionen zahlen sich aus. Laut dem Ramp AI Index vom Mai 2026 überholt Anthropic OpenAI im Bereich der bezahlten Enterprise-Kunden. Der Anteil stieg um 3,8 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent. OpenAI fiel im gleichen Zeitraum um 2,9 Punkte auf 32,3 Prozent. Die gesamte KI-Adoptionsrate im Unternehmenssektor liegt jetzt bei über 50 Prozent.
Finanziell dreht Anthropic massiv durch. Für das zweite Quartal 2026 erwartet das Unternehmen einen operativen Gewinn von rund 559 Millionen Dollar. Der Umsatz soll auf 10,9 Milliarden Dollar steigen – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem ersten Quartal mit 4,8 Milliarden Dollar.
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Milliarden-Finanzierung in Sicht
Die nächste Finanzierungsrunde könnte alle bisherigen Dimensionen sprengen. Gerüchten zufolge sucht Anthropic eine Kapitalspritze von über 30 Milliarden Dollar. Die Bewertung läge dann bei mehr als 900 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie die 380 Milliarden Dollar aus dem Februar. Wettmärkte wie Polymarket sehen eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Anthropic bis Ende 2026 die Billionengrenze von 1,1 Billionen Dollar überschreitet. CEO Dario Amodei meldete für das erste Quartal einen 80-fachen Anstieg von Umsatz und Nutzung im Jahresvergleich.
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