Kostenexplosion, Abstriche

Kostenexplosion: Abstriche an Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz

17.06.2026 - 06:27:00 | dpa.de

Angesichts explodierender Kosten soll laut einer neuen Machbarkeitsstudie der Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig abgespeckt werden.

Demnach ist im Nordabschnitt Leipzig-Geithain nur noch auf rund 24 von 44 Kilometern ein zweites Gleis vorgesehen, wie die Deutsche Bahn AG und das Infrastrukturministerium informierten. Die Elektrifizierung soll komplett in ein anderes Finanzierungsprogramm ausgelagert werden. Daran müsste sich das Land dann mit einem Eigenanteil von mindestens 15 Millionen Euro beteiligen.

Seit Jahren wird für den Ausbau der Bahnstrecke gekämpft. Infolge von Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie nur noch eingleisig, zudem hat sie keine Oberleitung. Deswegen kann sie nicht für den Fernverkehr genutzt werden und stößt an Kapazitätsgrenzen. Den Angaben zufolge ist sie aktuell zu 140 Prozent ausgelastet. Vereinzelte Störungen haben so regelmäßig größere Auswirkungen. Die Strecke wird nicht nur von vielen Pendlern genutzt, sondern ist für die Industrieregion Chemnitz auch die Verbindung zum Bahnknotenpunkt Leipzig samt Bahnfernverkehr.

Kosten für Nordabschnitt auf über 1,3 Milliarden Euro geklettert

Doch die Kosten für den Ausbau sind explodiert. In einer Prognose ist aktuell von rund 1,32 Milliarden Euro die Rede - allein für den Nordabschnitt. Zur Verfügung stehen dort aber nur knapp 500 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Strukturwandel in Kohleregionen. Begründet wird die Kostenexplosion vor allem mit Zeitverzug und massiven Preissteigerungen infolge der Corona-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Ausgangspunkt der neuen Machbarkeitsstudie im Auftrag der Deutschen Bahn war den Angaben zufolge die angestrebte Zahl von 75 Zügen am Tag: 72 im Nahverkehr und drei im Fernverkehr. Aktuell seien es etwa 60 Züge, hieß es. Ziel ist vor allem ein Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten.

Kraushaar fordert weiteres Geld vom Bund

Um Geld zu sparen, soll nun nur noch dort zweigleisig ausgebaut werden, wo es zwingend erforderlich ist. Doch selbst das überschreitet mit rund 531 Millionen Euro das bisherige Budget. Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar (CDU) baut auf einen weiteren Zuschuss des Bundes - entweder aus dem Sondervermögen oder aus noch verfügbaren Mitteln für den Kohle-Strukturwandel. Hinzu kommen weitere 149 Millionen Euro, die die Elektrifizierung des Abschnittes kostet. Das soll nun über einen anderen Topf gefördert werden, dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Hier hoffe sie auf den höchstmöglichen Fördersatz von 90 Prozent, sagte Kraushaar.

Trotz der Abstriche gebe es mit diesem Plan eine deutliche Verbesserung zum jetzigen Zustand, betonte der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). Auch die Fahrtzeit zwischen beiden Großstädten würde sich um etwa 10 Minuten verkürzen. Hinzu käme ein Mehr an Pünktlichkeit und Verlässlichkeit.

Die Planungen für den zweiten Abschnitt Chemnitz-Geithain - den Südabschnitt - sind schon weiter vorangeschritten und von der neuen Machbarkeitsstudie nicht direkt betroffen. Er wird nach bisherigen Angaben 306 Millionen Euro kosten, aus Geldern von Bund und Land finanziert und zwischen 2032 und 2035 umgesetzt. Bis auf zwei kleinere Abschnitte an Brücken soll der 37 Kilometer lange Abschnitt komplett zweigleisig und elektrifiziert werden.

Bus statt Bahn: Totalsperrung während der Bauarbeiten

Ziel sei, dass der komplette Ausbau der Strecke Leipzig-Chemnitz mit Nord- und Südabschnitt im Laufe der 2030er Jahre umgesetzt werde, sagte Kraushaar. Bahnreisende müssen sich dann jedoch für längere Zeit auf erhebliche Behinderungen gefasst machen. Denn während der Bauarbeiten ist eine Totalsperrung vorgesehen, damit die Arbeiten schneller gehen. Für Reisende heißt das: Bus statt Zug.

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