Mehr Firmen bieten weniger Ausbildungsplätze an
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 15:41 Uhr | dpa.deZugleich fällt es Betrieben häufig schwer, die vorhandenen Lehrstellen mit passenden Bewerbern zu besetzen. Das sind wesentliche Ergebnisse der jüngsten DIHK-Ausbildungsumfrage, an der sich rund 14.000 Unternehmen beteiligten.
Demnach wollen 13 Prozent der Betriebe (2025: 15 Prozent) in diesem Jahr mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr anbieten, 29 Prozent weniger (2025: 26 Prozent) und 58 Prozent (2025: 59 Prozent) gleich viele, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) mitteilte. Besonders angespannt sei die Lage bei Unternehmen mit negativen Geschäftserwartungen. Vier von zehn dieser Betriebe verkleinerten ihr Ausbildungsangebot.
Unter den bestehenden Vorzeichen bewertete DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov die Zahlen als ein starkes Signal. "Es zeigt, dass Ausbildung für die Unternehmen auch in herausfordernden Zeiten höchste Priorität hat. Die Betriebe wissen, dass gut qualifizierte Fachkräfte entscheidend für ihren aktuellen und zukünftigen Erfolg sind."
Azubis mit diversen Defiziten
Etwa die Hälfte (49 Prozent) der befragten Betriebe konnte nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Dieser Anteil ist seit 2023 nahezu unverändert. Damit verharrten die Besetzungsprobleme auf Rekordniveau, hieß es beim DIHK.
Unternehmen sehen besonders Defizite bei den Grundkompetenzen. Jeder zweite Ausbildungsbetrieb stelle weit verbreitete Schwächen beim Arbeits- und Sozialverhalten fest, etwa mit Blick auf die Belastbarkeit. Fast ebenso häufig werden unzureichende kognitive Kompetenzen genannt. Rund vier von zehn Unternehmen sehen zudem Defizite in Mathematik, Deutsch und wirtschaftlichem Grundwissen.
DGB warnt vor Kürzungen bei Berufsausbildung
Elke Hannack, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), warnte angesichts der Ergebnisse der DIHK-Ausbildungsumfrage davor, jetzt bei der Berufsausbildung zu sparen. Damit sei künftiger Fachkräftemangel vorprogrammiert.
Schon heute hätten über 2,7 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren in Deutschland keine abgeschlossene Berufsausbildung, so Hannack. Die Betriebe müssten ihre Bestenauslese beenden und allen Jugendlichen eine echte Chance geben - unabhängig von Schulnoten oder Herkunft. "Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, sie müssen ausgebildet werden".
"Die 2024 eingeführte Ausbildungsgarantie sollte daher ausgeweitet und um eine Umlagefinanzierung ergänzt werden, wie sie bereits im Land Bremen eingeführt und kürzlich vom Land Berlin beschlossen wurde", forderte Hannack.
