AMD Aktie: Zwei Deals, ein Muster
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 18:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
AMD baut sein KI-Geschäft heute an zwei Fronten gleichzeitig aus. Während Santa Clara mit Anthropic einen der größten Rechenkapazitäts-Deals der Branche besiegelt, liefern die eigenen Grafikbeschleuniger am anderen Ende der Welt bereits handfeste Forschungsergebnisse — in Cambridge helfen sie, den Zustand des Planeten zu vermessen.
Helios im großen Maßstab
Im Zentrum steht die neue Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic. Bis zu zwei Gigawatt an AMD Instinct MI450-Chips (konkret die MI455X-Variante) sollen in den kommenden Jahren in AMD-Helios-Rack-Systemen zum Einsatz kommen, das erste Gigawatt bereits ab der ersten Hälfte 2027. Ergänzend dazu will AMD bis zu fünf Milliarden Dollar in Anthropic investieren — eine strategische Kapitalbeteiligung, die laut der offiziellen Mitteilung des Unternehmens noch umgesetzt werden soll.
Zur Einordnung der Größenordnung: Branchenschätzungen zufolge kostet ein Gigawatt an Rechenleistung rund 50 Milliarden Dollar. Anthropic setzt bereits heute auf AMD-Instinct-MI355X-Chips, der neue Deal baut auf dieser Zusammenarbeit auf und hebt sie auf eine deutlich größere Stufe.
Claude zieht bei AMD ein
Bemerkenswert ist der Rückkanal der Kooperation. Anthropics KI-Modell Claude soll künftig nicht nur auf AMD-Hardware laufen, sondern auch dabei helfen, diese Hardware zu verbessern. Die Entwicklerteams beider Unternehmen wollen Claude einsetzen, um Workloads für AMD-Instinct-GPUs zu optimieren und die Entwicklung der ROCm-Software zu beschleunigen. AMD-Chefin Lisa Su sprach von einer Vertiefung der Partnerschaft, die Anthropics Führungsposition in der KI-Forschung mit AMDs Hochleistungsrechnern verbinde.
Ein Praxisbeispiel liefert die Antwort
Wie die AMD-Technologie abseits der großen Rechenzentren funktioniert, zeigt ein Projekt der Universität Cambridge. Dort betreibt die Energy & Environment Group das KI-Modell TESSERA, das über die Cloud-Infrastruktur von Vultr auf AMD-Instinct-MI325X-Beschleunigern läuft. Das System verarbeitet Satellitendaten der europäischen Raumfahrtagentur ESA und erstellt daraus digitale Abbilder jedes zehn Meter großen Landstücks der Erde zwischen 2017 und 2025 — nutzbar etwa für die Überwachung von Ernteerträgen oder Entwaldung. Die Ergebnisse sollen frei zugänglich gemacht werden, inklusive der kompletten Trainings-Pipeline.
Für AMD ist das ein doppelter Beleg: Die Chips liefern nicht nur in Zukunftsprojekten wie dem Anthropic-Deal Umsatzpotenzial, sie laufen bereits heute in konkreten wissenschaftlichen Anwendungen. Wie sich die Kapazitätszusagen aus dem Anthropic-Abkommen konkret in Bestellvolumen übersetzen, wird sich zeigen, wenn die ersten Lieferungen im ersten Halbjahr 2027 anlaufen.
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