Alzheimer-Wirkstoff Lecanemab erhält keinen Zusatznutzen
25.02.2026 - 00:26:23 | boerse-global.deDer Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) stuft den neuen Alzheimer-Antikörper Lecanemab als nicht vorteilhafter ein als bestehende Standardtherapien. Diese Entscheidung ist ein herber Rückschlag für Patienten und die Forschung. Der Wirkstoff setzt direkt an den vermuteten Krankheitsursachen an – den Amyloid-Plaques im Gehirn.
Die Bewertung ist die Grundlage für die anstehenden Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Krankenkassen. Sie könnte die Verfügbarkeit des Medikaments für gesetzlich Versicherte massiv einschränken.
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Ein teurer Hoffnungsträger scheitert an der Kosten-Nutzen-Frage
Das Gremium aus Ärzten, Kliniken und Krankenkassen sah in den Studiendaten keinen belegten Vorteil gegenüber älteren Medikamenten. Diese sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmer lindern nur Symptome und kosten etwa 250 Euro pro Jahr.
Lecanemab sollte den Krankheitsverlauf selbst verlangsamen. Die Jahreskosten liegen jedoch bei rund 25.000 Euro. Ohne attestierten Zusatznutzen darf der Preis nicht wesentlich über dem der Vergleichstherapien liegen. Experten befürchten nun, der Hersteller könnte das Medikament vom deutschen Markt nehmen.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) spricht von einem Rückschlag für Betroffene.
Blutdiagnostik macht riesige Fortschritte
Unabhängig vom Rückschlag bei der Therapie schreitet die Frühdiagnostik rasant voran. Neue Antikörper wirken vor allem in frühen Krankheitsstadien – eine frühe Erkennung wird also immer wichtiger.
Jüngste Berichte zeigen revolutionäre Fortschritte bei Bluttests. Ein internationales Forscherteam fand heraus, dass das Verhältnis bestimmter Amyloid-Proteine im Blut schon bei geringer Belastung im Gehirn auffällig wird. So könnten Risikopersonen identifiziert werden, lange bevor Symptome auftreten.
Eine Studie in "Nature Medicine" belegt: Ein Bluttest auf Tau-Proteine kann den Beginn von Symptomen auf wenige Jahre genau vorhersagen. Diese weniger invasiven und günstigeren Verfahren ebnen den Weg für frühere Behandlung.
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Fokus verschiebt sich auf Prävention
Während Medikamente im Rampenlicht stehen, gewinnt die Vorbeugung wissenschaftlich an Bedeutung. Aktuelle Studien bekräftigen den erheblichen Einfluss des Lebensstils.
Eine große US-Langzeitstudie mit rund 160.000 Teilnehmern untermauerte kürzlich den positiven Effekt einer gesunden Ernährung auf die geistige Fitness im Alter. Viel Gemüse und Vollkorn, wenig verarbeitete Lebensmittel – dieser Mix scheint dem Abbau entgegenzuwirken.
Die renommierte Lancet-Kommission erweiterte ihre Liste der beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz auf 14. Neu hinzugekommen sind unter anderem Sehverlust und ein hoher Cholesterinspiegel.
Grundlagenforschung sucht weiter nach Antworten
Parallel wird die Ursachenforschung breit vorangetrieben. Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) fördert aktuell 18 neue Projekte. Diese beschäftigen sich mit vielfältigen Fragen: von der Rolle von Entzündungen und Viren bis hin zu genetischen Faktoren.
Die Situation im Feld ist ambivalent. Einerseits gelten krankheitsmodifizierende Antikörper wie Lecanemab als historischer Wendepunkt. Andererseits zeigt die nüchterne G-BA-Entscheidung die enormen Hürden bei der Umsetzung in die breite Versorgung.
Die Debatte dreht sich nicht um die biologische Wirksamkeit, sondern um den Nachweis eines klinisch relevanten Nutzens für den Patientenalltag. Vor allem aber geht es um die Verhältnismäßigkeit der extrem hohen Kosten. Wie soll das Gesundheitssystem teure, fortschrittliche Therapien für eine wachsende Zahl von Patienten finanzieren?
Was kommt nach Lecanemab?
Für den Antikörper beginnt nun eine sechsmonatige Frist für Preisverhandlungen. Seine Zukunft in Deutschland ist ungewiss. Die Forschung arbeitet derweil bereits an der nächsten Generation.
Neue Antikörper-Therapien und völlig neue Ansätze, die sich etwa gegen Tau-Ablagerungen richten, sind in Entwicklung. Die Blutdiagnostik wird die klinische Praxis in den kommenden Jahren voraussichtlich nachhaltig verändern.
Die Bedeutung der Prävention wird weiter wachsen, da die Belege für den Einfluss von Lebensstilfaktoren robuster werden. Die Heilung von Demenz bleibt fernes Ziel. Der klare Weg führt über eine Kombination aus Risikoreduktion, präziser Frühdiagnostik und gezielten Therapien im frühestmöglichen Stadium.
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