Altersvorsorgereform: Selbstständige vor Zeitenwende
03.04.2026 - 14:11:52 | boerse-global.deDie neue Altersvorsorge für Selbstständige ist beschlossen. Mit einem kapitalmarktbasierten Depot und höheren Pflichtbeiträgen verändert sich die Planung für das Alter grundlegend. Die Reform soll die veraltete Riester-Rente ersetzen und erstmals breiten Zugang zu staatlicher Förderung schaffen.
Das neue Altersvorsorgedepot: Förderung für alle
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Herzstück der Reform ist das Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 startet. Es markiert einen Paradigmenwechsel. Statt auf starre Kapitalgarantien wie beim oft kritisierten Riester-Modell setzt es auf Vermögensaufbau durch ETFs und andere Kapitalmarktprodukte.
Die staatliche Förderung wird deutlich vereinfacht und ist nicht mehr nur Angestellten vorbehalten. Für die ersten 360 Euro jährlicher Einzahlung gibt es 50 Prozent Zuschuss (180 Euro). Für Beiträge zwischen 360 und 1.800 Euro sind es noch 25 Prozent. Die lästige Pflicht zur 100-prozentigen Kapitalgarantie entfällt, was höhere Renditechancen ermöglicht. Die Kosten für Standardprodukte sind auf maximal ein Prozent gedeckelt.
Höhere Pflichtbeiträge und die Bdearbeitung um Versicherungspflicht
Parallel zu den neuen Sparoptionen steigen die Kosten für die gesetzliche Absicherung. Seit Jahresbeginn liegt der monatliche Regelbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) für Selbstständige bei 735,63 Euro. In den ersten drei Berufsjahren gilt ein ermäßigter Halbbeitrag von 367,82 Euro.
Über der Branche schwebt weiter die politische Debatte um eine allgemeine Rentenversicherungspflicht. Die Koalition plant, neu startende Selbstständige automatisch in die GRV oder eine insolvenzsichere private Alternative einzugliedern. Ein Opt-out soll nur möglich sein, wenn ein gleichwertiger privater Vertrag nachgewiesen wird. Die Reform von 2026 gilt als Grundstein für diese umfassendere Pflicht.
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Trotz des neuen Depots bleibt die Basisrente (Rürup) 2026 das wichtigste Steuersparmodell für gut verdienende Freiberufler. Bis zu 30.826 Euro (Alleinstehende) bzw. 61.652 Euro (Verheiratete) sind als Vorsorgeaufwand voll absetzbar. Das bringt eine sofortige Steuerersparnis.
Der Preis für diesen Vorteil ist bekannt: mangelnde Flexibilität. Verträge können nicht gekündigt, beliehen oder klassisch vererbt werden. Die späteren Rentenzahlungen sind voll zu versteuern. Mehr Transparenz bietet seit Kurzem die voll funktionsfähige Digitale Rentenübersicht. Sie zeigt alle erwarteten Einkünfte aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge auf einen Blick.
Die Herausforderung für Solo-Selbstständige
Die Reaktionen aus Verbänden und Wirtschaftsinstituten sind gemischt. Die Öffnung der Förderung wird begrüßt, doch die finanzielle Belastung für Solo-Selbstständige mit geringem Einkommen bereitet Sorge. Eine DIW-Studie zeigt: Fast jede sechste Solo-Existenz liegt unter der Armutsrisikoschwelle.
Für sie sind die steigenden Pflichtbeiträge und die Notwendigkeit, langfristig Rücklagen zu bilden, eine echte Herausforderung für die Liquidität ihres Geschäfts. Ein neuer Anreiz ist seit Januar die Aktivrente. Wer über das Regelaltersgrenze hinaus in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung arbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Eine ähnliche Regelung für Selbstständige wird derzeit diskutiert.
Ausblick: Wettbewerb und strategische Planung
Nach der erwarteten Zustimmung des Bundesrats im Mai beginnt der Wettbewerb in der Finanzbranche. Fintechs und Banken entwickeln kostengünstige Depot-Produkte für den Marktstart 2027. Für Freiberufler bleiben 2026 entscheidende Monate für eine Renten-Checkup.
Die Strategie verschiebt sich von der reinen Kapitalerhaltung hin zum aktiven, marktorientierten Vermögensaufbau. Das langfristige Ziel der Reform ist klar: Die Abhängigkeit ehemals Selbstständiger von der staatlichen Grundsicherung soll sinken. Die Ära der rein optionalen, unstrukturierten Altersplanung geht zu Ende.
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