Almonty Aktie: Wolfram-Rampe gegen TSX-Ausstieg
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Almonty Industries steckt in einem handfesten Widerspruch. Die Sangdong-Mine in Südkorea läuft an, Großkunde Global Tungsten & Powders stockt seine Abnahmemenge kräftig auf. Der Aktienkurs fällt trotzdem weiter.
Am Donnerstag schloss die Aktie bei 19,57 kanadischen Dollar, ein Minus von 2,71 Prozent. Damit liegt der Titel 41,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD, erreicht erst am 17. April 2026. Der Rückgang der letzten 30 Tage beträgt 16,31 Prozent — und das, obwohl das operative Kerngeschäft gerade den Sprung von der Entwicklungs- in die Produktionsphase macht.
Im Juni 2026 begann die Verarbeitungsanlage in Sangdong, gelagertes Roherz zu verarbeiten. Ein Meilenstein: Die Mine wandelt sich von einem Bauprojekt in einen umsatzgenerierenden Betrieb. Fast zeitgleich verkündete Almonty aber auch den freiwilligen Rückzug von der Toronto Stock Exchange, wirksam zum Handelsschluss am 31. Juli 2026.
Die entscheidende Frage
Der Markt muss zwei gegenläufige Kräfte gegeneinander abwägen. Liefert die Produktionsrampe in Sangdong genug greifbare Cashflow-Belege, um eine Marktkapitalisierung von 3,45 Milliarden Euro zu rechtfertigen? Oder sorgt der Wegfall der TSX-Notierung für weiteren Abwärtsdruck, bevor überhaupt operative Beweise vorliegen?
Die Aktie notiert bereits 18,29 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Das zeigt: Der Markt preist Zweifel ein, noch bevor die Zahlen sprechen. Entscheidend wird weniger eine einzelne Kennzahl sein als das Tempo, mit dem sich die Rampe in Sangdong tatsächlich in verschifftem, fakturiertem Wolframkonzentrat niederschlägt.
Das bullische Szenario
Almonty verarbeitet zunächst niedriggradiges Erz, bevor höhere Gehalte folgen. Der aktuelle Lagerbestand deckt rund 2,6 Monate der Phase-I-Durchsatzmenge ab, mit einem geschätzten Bruttowert von etwa 68 Millionen US-Dollar. Das verschafft dem Unternehmen einen Puffer, um die Produktion zu stabilisieren, bevor frisch abgebautes Erz benötigt wird.
Auf der Nachfrageseite tut sich einiges. Almonty hat seine Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders ausgeweitet. Die vertraglich gesicherte Gesamtmenge steigt um 40 Prozent, von 3,15 Millionen auf 4,41 Millionen metrische Tonneneinheiten Wolframkonzentrat. Beim aktuellen Preisniveau bedeutet das mindestens 30 Millionen US-Dollar zusätzlichen Jahresumsatz — über die gesamte Vertragslaufzeit von 21 Jahren sollen nun 490 Millionen US-Dollar zusammenkommen.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die Vereinbarung kam zustande, nachdem die Verarbeitungsanlage in Sangdong bereits den Betrieb aufgenommen hatte. Ein großer Industriekunde bindet sich also schon in dieser frühen Rampenphase langfristig — ein deutliches Vertrauenssignal. Hinzu kommt: Der Deal deckt ausschließlich Phase I ab. Die geplante Phase II, die die jährliche Verarbeitungskapazität der Mine annähernd verdoppeln soll, ist darin noch gar nicht eingepreist.
Das bärische Szenario
Die Gegenposition: Die Rampe steckt noch in einem frühen, unbewiesenen Stadium. Das Management selbst spricht von einer Inbetriebnahmephase. Ein Lagerbestand von 139.700 Tonnen Erz dient dazu, die Anlage hochzufahren — inmitten hoher Wolframpreise. Das ist die Sprache eines Starts, nicht eines eingespielten Dauerbetriebs.
Parallel dazu fällt mit der TSX einer von vier Handelsplätzen weg. Almonty begründet den Schritt mit Kosteneinsparungen: Der Großteil des täglichen Handelsvolumens laufe ohnehin über die Nasdaq, eine Zustimmung der Aktionäre sei nicht nötig, da mit der Nasdaq eine Alternative bestehe. Für kanadische Privatanleger bedeutet das dennoch potenzielle Reibung. Die meisten kanadischen Broker können zwar auch Nasdaq-Titel handeln, betroffene Aktionäre sollten aber bei ihrem Broker nachfragen, wie der Wechsel technisch abläuft.
Dazu passt das technische Bild: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 81,21 Prozent, der RSI bei 41,0 — beides Anzeichen für schwachen Momentum. Der kurzfristige Druck auf die Aktie könnte also unabhängig vom operativen Fortschritt anhalten.
Ausblick
Solange die Anlage in Sangdong ohne Störungen weiter Erz verarbeitet und sich die GTP-Abnahmevereinbarung in gebuchte Lieferungen übersetzt, spricht die operative Story für eine Stabilisierung, sobald der TSX-Übergang abgeschlossen ist. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 19,11 CAD, nur 2,41 Prozent unter dem Donnerstagsschluss, könnte dabei als kurzfristiger technischer Drehpunkt fungieren.
Stockt die Rampe dagegen, oder bleiben die Liefermengen hinter dem 2,6-Monats-Puffer zurück, könnte sich der bereits deutliche 30-Tage-Rückgang weiter verschärfen. Besonders heikel: Der TSX-Rückzug zum 31. Juli 2026 entzieht der Aktie genau dann eine Handelsplattform, wenn Investoren die ersten Produktionsdaten bewerten. Die nächsten konkreten Anhaltspunkte liefern der weitere Fortschritt Richtung voller Phase-I-Kapazität in Sangdong sowie die nächste Quartalsmeldung zu den tatsächlich verschifften Wolframkonzentrat-Mengen.
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