Alibabas, RynnBrain

Alibabas RynnBrain: KI-Modell soll Robotern echtes Gedächtnis geben

10.02.2026 - 14:30:12

Alibaba stellt mit RynnBrain ein Open-Source-KI-Modell vor, das Robotern räumlich-zeitliches Erinnern und physikalisches Verständnis verleiht. Der Schritt könnte den globalen Wettlauf um die Vorherrschaft in der Robotik neu ordnen und die Dominanz US-amerikanischer Konzerne wie Google und Nvidia herausfordern.

Das Kernproblem vieler heutiger Roboter: Sie sind vergesslich und haben kein echtes Verständnis für ihre Umgebung. Verlässt eine Tasse das Sichtfeld der Kamera, „vergisst“ der Roboter ihre Existenz. Alibabas Forschungsabteilung DAMO Academy will das mit RynnBrain ändern. Das Modell kombiniert räumlich-zeitliches Gedächtnis mit physikalischem Schlussfolgern. Ein Roboter könnte so nicht nur wissen, wo er eine Tasse vor fünf Minuten gesehen hat, sondern auch vorhersagen, wie sie fällt, wenn er sie stößt.

Technisch basiert RynnBrain auf Alibabas eigenem Vision-Sprache-System Qwen3-VL und einer neuen Architektur namens „RynnScale“. Diese Kombination soll Robotern ermöglichen, sich selbst in unübersichtlichen Umgebungen wie einer vollen Küche oder einem Fabrikgelände flüssig und logisch zu bewegen – eine Fähigkeit, die bisher rechenintensive, proprietäre Modelle erforderte.

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Effizienz als Schlüssel zum Erfolg

Besonders bemerkenswert ist die Effizienzstrategie. Alibaba veröffentlicht das Modell in mehreren Größen, darunter eine 30-Milliarden-Parameter-Variante mit „Mixture-of-Experts“-Architektur (MoE). Dabei werden während des Betriebs nur etwa 3 Milliarden Parameter aktiviert. Das Ergebnis: Die Rechenleistung eines großen Modells bei deutlich geringerem Energieverbrauch. Für batteriebetriebene Serviceroboter könnte das den entscheidenden Durchbruch bedeuten.

In veröffentlichten Benchmarks soll RynnBrain die Konkurrenz von Google (Gemini Robotics-ER 1.5) und Nvidia (Cosmos-Reason2) in 16 Tests übertroffen haben, besonders bei Aufgaben, die langfristige Planung und Umgebungsverständnis erfordern.

Open Source als strategische Waffe

Die Veröffentlichung als Open-Source-Modell auf Plattformen wie GitHub ist eine klare strategische Entscheidung. Ähnlich wie Metas Llama-Modelle den LLM-Markt demokratisierten, will Alibaba mit einem kostenlosen, leistungsstarken „Roboter-Gehirn“ zur Grundlage für eine neue Generation von Anwendungen werden – von der Logistik bis zur Pflege.

Zugleich führt DAMO Academy mit RynnBrain-Bench ein neues Bewertungsframework ein. Es soll standardisierte Tests für feingranulare räumlich-zeitliche Aufgaben ermöglichen und so ein branchenweites Problem angehen: den Mangel an vergleichbaren Maßstäben für das physische Verständnis von KI.

Geopolitisches Schachspiel um die Robotik

Der Launch fällt in eine Phase intensiven technologischen Wettbewerbs zwischen China und den USA. Angesichts US-amerikanischer Exportkontrollen für Hochleistungs-Chips setzen chinesische Konzerne verstärkt auf Software-Optimierung und offene Ökosysteme. RynnBrain passt in Pekings Strategie, die Führung im Sektor der humanoiden Roboter zu übernehmen.

Bereits jetzt arbeitet Alibaba Cloud mit Hardware-Herstellern wie Unitree Robotics zusammen, um die KI in funktionierende Roboter zu integrieren. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Während der „KI-Frühlingsfest“-Phase, in der chinesische Tech-Giganten traditionell neue Modelle vorstellen, setzt Alibaba mit dem Fokus auf verkörperte Intelligenz einen eigenen Akzent.

Wird RynnBrain zum Android der Robotik?

Die Verfügbarkeit eines solchen Modells könnte die Entwicklung allgemeiner Roboter massiv beschleunigen. Entwickler müssten nicht mehr monatelang eigene Wahrnehmungssysteme bauen, sondern könnten auf RynnBrain als Grundlage zurückgreifen.

Branchenbeobachter rechnen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten mit einer Welle „RynnBrain-gestützter“ Prototypen, besonders im Serviceroboter-Bereich. Hält das Modell, was es verspricht, könnte es sich zum De-facto-Standard für Open-Source-Robotik entwickeln – eine Rolle, die im Smartphone-Markt Android einnimmt. Die globale Entwicklergemeinschaft beginnt nun mit dem Test. Die Zukunft der Automatisierung könnte bald eine neue Grundlage haben.

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