Alibaba, Aktie

Alibaba Aktie: Milliarden-Wette auf die Cloud

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 02:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Alibaba investiert Milliarden aus Logistikverkäufen in Cloud und KI. Das Cloud-Wachstum von 40% soll Margenverluste ausgleichen.

Alibaba setzt Milliarden auf Cloud und KI nach Logistikverkauf
Abstrakte Darstellung der Cloud-Computing-Branche mit Licht, Datenströmen und Server-ähnlichen Strukturen, die Innovation und Investitionen symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Alibaba trennt sich von seinem Logistiknetz. Der Konzern verkauft Beteiligungen an Expresslieferdiensten und steckt das Geld in Cloud und künstliche Intelligenz. Diese Wende bestimmt gerade, wie Anleger die Aktie einschätzen.

Der Konzern hat mehr als 23 Milliarden Yuan aus seiner Position bei YTO Express gezogen. Die 30-Prozent-Beteiligung an Best Express hat Alibaba komplett liquidiert. Das frische Kapital fließt in einen Infrastrukturplan mit einem Volumen von über 380 Milliarden Yuan, verteilt auf die kommenden drei bis fünf Jahre.

Die entscheidende Kennzahl

Für Investoren zählt vor allem eine Frage: Wächst das KI-Cloud-Geschäft schnell genug, um die aktuelle Margenerosion auszugleichen? Der Umsatz in diesem Bereich legte zuletzt um 40 Prozent im Jahresvergleich zu. Gleichzeitig frisst der Investitionszyklus den freien Cashflow auf.

Bullen-Szenario: Die KI-Kommerzialisierung nimmt Fahrt auf

Die Cloud-Sparte liefert die stärksten Argumente für eine Erholung. KI-Produkte machen inzwischen 30 Prozent des externen Cloud-Umsatzes aus. Die annualisierte Umsatzrate liegt bei über 35,8 Milliarden Yuan.

CEO Wu Yongming bezeichnet die Renditen der KI-Investitionen als "hochgradig gesichert". Der Konzern befinde sich in der Phase der Kommerzialisierung. Die Model-as-a-Service-Plattform "Bailian" untermauert diese Einschätzung: Ihre Kundenbasis wuchs binnen eines Jahres um das Achtfache.

Der Markt honoriert diese Signale bereits. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen legte die Aktie um 14,60 Prozent zu und schloss am Freitag bei 98,10 Euro. Vom Analysten-Kursziel von 167,34 Euro trennen die Aktie aber noch immer 70,6 Prozent — ein Abstand, der bei einem Erfolg des Umbaus erhebliches Aufholpotenzial andeutet. Sollte der KI-Anteil am Cloud-Umsatz wie vom Management angepeilt binnen eines Jahres die 50-Prozent-Marke überschreiten, dürfte diese These weiter an Gewicht gewinnen.

Bären-Szenario: Der Preis des Umbaus

Der Wandel kostet. Im zuletzt berichteten Quartal brach das bereinigte EBITA um 84 Prozent auf 5,1 Milliarden Yuan ein. Der freie Cashflow rutschte um 17,3 Milliarden Yuan ins Minus.

Die Verkäufe der Logistikbeteiligungen bringen zwar Liquidität. Das operative Kerngeschäft im Einzelhandel bleibt aber unter Druck. Für den "Instant Retail"-Bereich rechnet der Konzern für das Geschäftsjahr 2026 mit Verlusten von schätzungsweise 700 Milliarden Yuan.

Hinzu kommen politische Risiken. Alibaba steht auf der sogenannten Pentagon-1260H-Liste. Vorwürfe über einen unerlaubten Zugriff auf externe KI-Modelle belasten das Unternehmen zusätzlich.

Die Kurshistorie spiegelt diese Skepsis wider. Trotz der jüngsten Rally liegt die Aktie noch 20,75 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 123,78 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26,24 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 161,60 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen fast 40 Prozent — ein deutliches Zeichen dafür, wie tief das Vertrauen der Anleger gesunken ist.

Ausblick: Die Investitionsspitze meistern

Der weitere Kursverlauf dürfte davon abhängen, ob Alibaba die Retail-Margen stabilisieren kann, während die Infrastrukturausgaben weiterlaufen. Hält das Cloud-Wachstum sein Tempo von 40 Prozent, und gelingt es dem Konzern wie geplant, die Verluste im Instant-Retail-Geschäft bis zum Geschäftsjahr 2027 zu halbieren, dürfte sich die optimistische Sichtweise auf eine Neubewertung der Aktie festigen.

Bleiben die freien Cashflow-Defizite dagegen über die gesamte Investitionsphase von über 380 Milliarden Yuan bestehen, wird ein Ausbruch aus dem langfristigen Abwärtstrend schwierig. Auch eine Verschärfung der geopolitischen Lage — etwa eine Verlegung von der Pentagon-Beobachtungsliste auf schärfere Sanktionslisten — würde das bullische Szenario gefährden.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit den Quartalszahlen im August 2026. Dann zeigt sich, ob die hohen KI-Investitionen beginnen, sich in einer verbesserten Konzernrentabilität niederzuschlagen.

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