Aktivrente, Beiträge

Aktivrente und höhere Beiträge: Statusfeststellung wird 2026 zum Risiko

28.12.2025 - 00:01:12

Die Einführung der Aktivrente, steigende Beitragsgrenzen und auslaufende Übergangsfristen erhöhen 2026 das finanzielle Risiko für Firmen bei der Beschäftigung von Selbstständigen deutlich.

Die Regeln für Selbstständige in Deutschland verschärfen sich zum Jahreswechsel 2026 spürbar. Neue Gesetze und steigende Beitragsgrenzen erhöhen die finanziellen Risiken für Unternehmen, die Freelancer beschäftigen.

Statusfeststellung: Neue Fallstricke durch die Aktivrente

Kurz vor Weihnachten wurde der Weg für die „Aktivrente“ frei. Das Gesetzespaket soll Arbeiten über das Rentenalter attraktiver machen. Die am 23. Dezember veröffentlichten Details bergen jedoch eine Falle für die Statusfeststellung.

Die steuerlichen Vorteile der Aktivrente gelten ausschließlich für Arbeitnehmer. Beschäftigen Unternehmen ältere Fachkräfte als scheinbar Selbstständige, droht ein teures Paradoxon: Wird das Arbeitsverhältnis rückwirkend als „Scheinselbstständigkeit“ eingestuft, muss der Arbeitgeber nicht nur Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen. Zusätzlich wird der steuerliche Vorteil der Aktivrente hinfällig – ein bürokratischer Albtraum.

Anzeige

Arbeitgeber sollten jetzt ihre Freelancer-Verträge prüfen – die neue Aktivrente und verschärfte Statusfeststellungen erhöhen das Risiko teurer Nachzahlungen. Das kostenlose E‑Book „Der Arbeitsvertrag“ liefert 19 fertige Musterformulierungen, erklärt aktuelle Änderungen durch das neue Nachweisgesetz und zeigt, wie Sie Vertragsklauseln rechtssicher gestalten, um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden. Praxistipps für Personaler und Geschäftsführer. 19 Muster-Formulierungen jetzt gratis downloaden

Rechtsexperten warnen, dass diese neue Gesetzeslage Prüfer der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auf den Plan rufen könnte. Besonders betroffen sind Consulting-Verträge mit pensionierten Spezialisten, wie sie in IT und Ingenieurwesen üblich sind. Die Grenze zwischen selbstständiger und abhängiger Tätigkeit bleibt der Dreh- und Angelpunkt.

Finanzielle Schraube angezogen: Höhere Beitragsgrenzen 2026

Die finanziellen Konsequenzen einer negativen Statusfeststellung werden 2026 deutlich teurer. Analysen vom 26. Dezember zeigen: Die Beitragsbemessungsgrenzen steigen an.

Zwar bleibt der allgemeine Rentenbeitragssatz voraussichtlich bei 18,6 Prozent. Doch die absoluten Obergrenzen für Gutverdiener – typisch in IT und Interim Management – klettern durch Anpassungen der Bezugsgröße. Für Selbstständige, die den Standardbeitrag zahlen, erhöhen sich die monatlichen Kosten 2026 somit automatisch.

Für Unternehmen bedeutet das: Wird ein Freelancer rückwirkend zum Arbeitnehmer umqualifiziert, berechnen sich die Nachzahlungen auf Basis dieser höheren Grenzen. Die finanzielle Belastung steigt damit erheblich.

Sonderfrist läuft ab: Druck auf Bildungs- und Kulturbranche

Während für alle Branchen das Urteil des Bundessozialgerichts aus „Herrenberg“ gilt, tickt für manche eine spezielle Uhr. Für bestimmte Beschäftigte in Bildungs- und Musikschulen galt eine Übergangsfrist nach dem strengen Urteil. Diese Schutzfrist endet mit dem 31. Dezember 2026.

Das kommende Jahr wird damit zur Deadline für diese Branchen, ihre Vertrags- und Arbeitsmodelle anzupassen. Wer bis dahin keine klaren, rechtssicheren Strukturen schafft, riskiert die pauschale Einstufung als Scheinselbstständigkeit.

Für andere Sektoren wie die IT- oder Kreativbranche gibt es keine Schonfrist. Die Clearingstelle der DRV prüft weiterhin streng das Kriterium der „Eingliederung in die Arbeitsorganisation“. Beschleunigte Verfahren führen zudem schneller zu endgültigen – und für Unternehmen oft ungünstigen – Entscheidungen.

Vorschau auf die Altersvorsorgepflicht

Im Hintergrund lauert eine weitere große Reform: die geplante Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen. Der finale Gesetzestext steht zwar noch aus, doch die Diskussion beeinflusst bereits jetzt das Handeln.

Unternehmen sind zunehmend vorsichtig, langfristig mit Freelancern zusammenzuarbeiten, die keine ausreichende private Altersvorsorge nachweisen können. Dies wird voraussichtlich ein zentrales Befreiungskriterium in den neuen Regeln sein.

Rechtsberater raten Selbstständigen deshalb, ihre Unabhängigkeit und ihre Vorsorgeleistungen schon jetzt proaktiv zu dokumentieren. Der Statuscheck der Zukunft wird wohl zwei Fragen verbinden: Ist die Tätigkeit wirklich selbstständig? Und ist für das Alter ausreichend vorgesorgt?

Fazit: Grauzonen werden systematisch beseitigt

Die Gleichzeitigkeit von Aktivrente, steigenden Beitragsgrenzen und auslaufenden Übergangsfristen erzeugt 2026 eine perfekte Risikolage. Der deutsche Arbeitsmarkt bewegt sich in ein binäres System, in dem Grauzonen systematisch beseitigt werden.

Die Botschaft an Personalabteilungen und Projektverantwortliche ist klar: Die Kosten für Fehler in der Vertragsgestaltung steigen. Das Statusfeststellungsverfahren ist keine Formalie mehr, sondern eine finanzielle Risikobewertung mit hohem Einsatz. Die Ära der lockeren Freelancer-Engagements geht zu Ende.

Anzeige

PS: Die Fristen laufen – schützen Sie Ihr Unternehmen vor Nachzahlungen und Bürokratie. Dieses Gratis-E‑Book fasst kompakt zusammen, welche Klauseln jetzt angepasst werden müssen und bietet sofort einsetzbare Formulierungen sowie Handlungsempfehlungen für die Praxis. Ideal für Personalabteilungen, die Verträge schnell und rechtssicher überarbeiten wollen. Kostenloses Arbeitsvertrag-E‑Book herunterladen

@ boerse-global.de