AKTIE IM FOKUS: Einigung auf Sparplan treibt Volkswagen an die Dax-Spitze
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUm fast zehn Prozent ging es für die VW-Vorzugsaktien DE0007664039 an der Spitze im Dax DE0008469008 nach oben. Im MDax DE0008467416 legten die Papiere des VW-Großaktionärs Porsche SE DE000PAH0038 vor dem Wochenende zeitweise über 6 Prozent zu. Auch die Branchenkollegen BMW DE0005190003 und Mercedes-Benz DE0007100000 standen klar im Plus.
Nach viel Unsicherheit und wochenlangen Auseinandersetzungen hatte der Aufsichtsrat dem Vorstand einhellig grünes Licht für sein Sparpaket gegeben. Die Gewerkschaft IG Metall und der Konzernbetriebsrat betonten, dass damit eine Eskalation verhindert worden sei. In den kommenden Jahren sollen nun unter anderem weitere 50.000 Stellen bei Volkswagen gestrichen werden, zudem stehen vier Werke auf der Kippe.
Das deutliche Kursplus hievte die VW-Aktie am Freitag auf den höchsten Stand seit Mitte Juni. Nach einer Erholung vom Vortagestief um gut 15 Prozent bis auf 83,76 Euro ließ der anfängliche Schwung zwar merklich nach. Dennoch schmolz das Minus seit Jahresbeginn auf gut ein Fünftel zusammen. Außerdem schaffte es die Aktie zurück über die 100-Tage-Durchschnittslinie, einem Indikator für den mittel- bis langfristigen Trend. Anfang Juli war sie mit rund 69 Euro noch auf das tiefste Niveau seit 2010 abgerutscht.
Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS bewertete die Einigung auf das Sparpaket als "ausdrücklich positiv". Das Management habe seine Ziele im Wesentlichen durchsetzen können. Gut sei auch, dass alles rascher vollzogen worden sei als erwartet. Mit den Maßnahmen sichere VW die Profitabilität gegen einen zunehmenden Umsatzdruck seitens chinesischer Hersteller auf dem europäischen Markt.
Auch JPMorgan-Experte Jose Asumendi lobte den Schritt, der die Wettbewerbsfähigkeit der Wolfsburger in einer Zeit massiver Umbrüche in der Autobranche stärke. Aus Sicht von Analyst Tom Narayan von der kanadischen Investmentbank RBC müsse Volkswagen nach dem ermutigenden Signal und der positiven Überraschung nun jedoch auch in vielen Punkten abliefern, um die Ziele zu erreichen.
VW habe die unter Anlegern sehr verbreitete Ansicht widerlegt, dass ein massiver Konzernumbau nicht durchsetzbar sei, kommentierte Branchenexperte Tim Rokossa von Deutsche Bank Research. Der Analyst schrieb von einem "grundlegenden Durchbruch" mit einem weitaus besseren Ergebnis als befürchtet. Die Probleme würden nun zwar nicht über Nacht gelöst, aber das größte Anliegen werde jetzt angegangen.
Citigroup-Analyst Harald Hendrikse betonte ebenfalls, dass sich die Anlegerstimmung nicht über Nacht komplett drehen werde. Trotzdem zeige sich, dass die VW-Aktie "investierbar" bleibe. Der Realismus habe gesiegt. Das Management spiele seine strategischen Trümpfe aus, um den aktuellen Konjunktur- und Wettbewerbsbedingungen zu begegnen. Die Entscheidungen seien existenziell.
Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies warf allerdings die Frage auf, ob das Drama bei Volkswagen wirklich beendet oder nur pausiert sei. Eine für Freitagnachmittag anberaumte Telefonkonferenz des Managements werde hoffentlich das Vertrauen in die Umsetzung eines Vorhabens stärken, in dem es für VW immerhin um die Abwendung existenzieller Bedrohungen gehe.
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer kritisierte den Sparplan dagegen als "Light-Version". Der Kompromiss sei zwar besser als die quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate. Werksschließungen seien aber weder beschlossen noch ausgesetzt. In den nächsten Monaten müsse auch über Verbesserungen und Produktpläne gesprochen werden. Aus Sicht von Dudenhöffer dürfte eine bestimmte Entspannung einkehren, aber noch lange kein Frieden.
