AKTIE IM FOKUS 2: Novartis stark unter Druck - Schon wieder Studie gescheitert
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 11:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Kurs, Experten und Details
ZÜRICH (dpa-AFX) - Ein weiterer Studienmisserfolg hat die Aktien von Novartis CH0012005267 am Dienstag schwer belastet. Mit einem Abschlag von zuletzt mehr als zehn Prozent notierten die Aktien des Pharmakonzerns abgeschlagen als Schlusslicht des Schweizer Leitindex SMI CH0009980894. Grund für den Kursrutsch ist eine erneut gescheiterte Studie. Dieses Mal zu einem Wirkstoff gegen die Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1.
Die Studie namens Harbor untersuchte über 54 Wochen rund 150 Patienten und maß als Hauptziel die Zeit, die Betroffene benötigen, um ihre Hand zu öffnen - ein Maß für die typische Muskelsteifigkeit bei dieser Erkrankung. Wie es in einer aktuellen Konzernmitteilung hieß, zeigte das Medikament jedoch in sekundären Endpunkten etwa in Bezug auf die Muskelkraft und ergänzenden Analysen Hinweise auf eine klinische Wirksamkeit.
Für James Quigley von Goldman Sachs bedeutet das verfehlte Studienziel ein Risiko für die längerfristigen Ziele von Novartis. Auch geht er davon aus, dass sich der Marktstart von Del-Desiran zumindest verzögern dürfte, wenn nicht komplett entfallen könnte. In letzterem Fall würde seine Bewertung der Aktie um rund 5 Prozent sinken. Aktuell ruft er ein Kursziel von 113 Franken auf.
Analyst Michael Leuchten von Jefferies hatte in einer Studie vom Sonntag noch geschrieben, die Harbor-Studie müsse nun "liefern", es gebe allerdings "Restrisiken" mit Blick auf ihren Ausgang. Die Übernahme des Entwicklers des Wirkstoffes, des US-Unternehmens Avidity Biosciences, habe die Schweizer 12 Milliarden US-Dollar gekostet. "Um diesen Preis zu rechtfertigen, muss die Harbor-Studie klappen", schrieb der Experte noch vor der Veröffentlichung der Resultate.
Dass jetzt ein enttäuschendes Ergebnis dabei herauskam, dürfte erneut Fragen über den Prüfprozess bei Novartis und das Vorgehen bei der Geschäftsentwicklung aufwerfen, kommentierte Leuchten in einer ersten Reaktion. Zudem könnten Investoren sich auch Sorgen um den Erfolg der Studien an Del-Brax als weiteres Mittel aus derselben Wirkstoffklasse machen. Problematisch sieht Leuchten zudem die Wachstumsziele bis 2030 an - hier könnte womöglich das angestrebte Wachstum im mittleren einstelligen Bereich ohne weitere Übernahmen als nicht mehr erreichbar angesehen werden. Zugleich stehe hinter neuen Zukäufen ebenfalls ein Fragezeichen, so der Experte.
Am Montag hatte der Misserfolg mit dem Herzmedikament Pelacarsen gleich mehrere Aktien unter Druck gesetzt, darunter auch die von Novartis. Die Schweizer sind Lizenznehmer dieses Produkts. Durch den Kursrutsch schrumpft der bisherige Jahresgewinn auf ein kleines Plus.
