Agfa-Gevaert: Börsenkurs bricht nach erweitertem Sanierungsplan ein
29.12.2025 - 23:53:12Der belgische Imaging-Konzern Agfa-Gevaert verschärft seinen Sanierungsplan und gefährdet bis zu 145 weitere Stellen. Die Aktie verliert deutlich, nachdem der operative Gewitt im dritten Quartal um 66 Prozent eingebrochen ist.
Die Aktie des belgischen Imaging-Konzerns Agfa-Gevaert verliert deutlich. Hintergrund sind verschärfte Sparmaßnahmen, die Hunderte weitere Jobs in Belgien kosten könnten.
Mortsel – Der belgische Technologiekonzern Agfa-Gevaert steckt in einer tiefgreifenden Transformation – und die Börse bestraft ihn dafür. Am Montag fiel die Aktie an der Brüsseler Börse um rund 5,6 Prozent. Dieser Kursrutsch spiegelt die anhaltende Verunsicherung der Anleger wider. Auslöser ist ein verschärfter Sanierungsplan, der bis zu 145 weitere Stellen in Belgien gefährdet. Zusammen mit den bereits bekannten Maßnahmen könnten so über 600 Jobs am Stammsitz in Mortsel wegfallen.
Erweiterter Sanierungsplan drückt auf die Stimmung
Die aktuelle Nervosität an den Märkten geht vor allem auf eine Ankündigung vom 4. Dezember zurück. Damals teilte der Konzern mit, den Abbau von Kosten und Personal zu beschleunigen. Grund ist der „scharfe“ Rückgang der Nachfrage nach traditionellen Filmen, insbesondere in der Medizintechnik. Diese zweite Sanierungswelle soll 2026 und 2027 umgesetzt werden.
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Bereits im Laufe des Jahres 2025 waren 470 Stellen zur Disposition gestellt worden. Die Unternehmensführung betont zwar, wo möglich auf natürlichen Abgang, Vorruhestandsregelungen und interne Versetzungen zu setzen. Doch die schiere Größenordnung der geplanten Reduktion belastet das Betriebsklima und schürt die Skepsis der Investoren.
Finanzielle Schieflage erzwingt radikalen Kurswechsel
Die Notwendigkeit der drastischen Maßnahmen wird durch die jüngsten Finanzzahlen untermauert. Im dritten Quartal 2025 brach der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) um satte 65,9 Prozent auf nur noch fünf Millionen Euro ein. Der Umsatz sank um 7,1 Prozent auf 257 Millionen Euro.
Besonders die Sparte Radiology Solutions, in der das klassische Filmmaterial hergestellt wird, leidet. Ihr Umsatz brach um fast ein Fünftel ein. Im Kontrast dazu wächst das Geschäft mit Digitaldruck-Chemikalien. Diese Kluft zwingt Agfa zu einer Doppelstrategie: den radikalen Abbau im schrumpfenden Kerngeschäft bei gleichzeitigen Investitionen in Zukunftsfelder wie HealthCare IT und grünen Wasserstoff.
Doch der Übergang ist teuer. Die Umstellung der HealthCare-IT-Sparte auf ein Cloud-basiertes Abo-Modell (SaaS) drückt kurzfristig auf die Umsatzerlöse. Der Sanierungsplan vom Dezember bestätigt, dass der Niedergang des Altgeschäfts derzeit schneller verläuft als der Aufbau der neuen Säulen.
Herausfordernde Sozialverhandlungen stehen bevor
Die außerordentliche Betriebsratssitzung Anfang Dezember war nur der Auftakt. Für 2026 stehen schwierige Verhandlungen mit den Sozialpartnern an. Konzernchef Pascal Juéry sprach von einem „konstruiven sozialen Dialog“ und versprach, alles zu tun, um die Verunsicherung zu begrenzen.
Beobachter fragen sich: Kann der Konzern den massiven Personalabbau ohne nachhaltige Produktivitätseinbußen oder Arbeitskämpfe bewältigen? Der Erfolg der Sanierung hängt maßgeblich von der Motivation der verbleibenden Belegschaft ab. Die von Agfa angestrebte Strategie der „Umschulung und Weiterbeschäftigung“ erfordert eine extrem flexible und lernbereite Mannschaft.
Langfristig zeichnet sich ein struktureller Wandel ab. Das Unternehmen hat bereits angedeutet, Teile des riesigen Werksgeländes in Mortsel anderweitig zu entwickeln. Dies würde zwar Werte freisetzen, bedeutete aber auch eine dauerhafte Verkleinerung des industriellen Fußabdrucks in Belgien.
Wird 2026 das entscheidende Wendejahr?
Für Agfa-Gevaert wird 2026 ein Schicksalsjahr. Die Umsetzung der verschärften Sparmaßnahmen beginnt, die finanziellen Entlastungen in Höhe von insgesamt etwa 75 Millionen Euro sollen aber erst bis 2027 voll durchschlagen.
Anleger werden in den kommenden Quartalen vor allem zwei Dinge beobachten: Gelingt die Stabilisierung der Margen im Filmgeschäft? Und kann die HealthCare-IT-Sparte ihr Wachstum fortsetzen? Die Börse signalisierte am Montag mit dem deutlichen Kursverlust weiterhin Zweifel. Der Weg aus der Krise bleibt steinig und von Unsicherheit geprägt.
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