AfD-nahe Listen gewinnen in Autowerken an Boden
12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.deBei den Betriebsratswahlen in der deutschen Autoindustrie verzeichnen alternative Listen mit Nähe zur AfD messbare Zugewinne. Die etablierte IG Metall verteidigt zwar ihre Mehrheiten, doch die rechten Kräfte nutzen die Ängste vor E-Mobilität und Jobabbau.
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Zentrum-Liste legt bei Mercedes-Benz zu
Die ersten Ergebnisse aus den Stammwerken von Mercedes-Benz im Raum Stuttgart zeigen eine klare Tendenz. Die AfD-nahe Liste „Zentrum“ konnte ihre Mandate ausbauen. Im Stuttgarter Werk Untertürkheim, einer historischen Hochburg der Bewegung, sicherte sie sich neun von 43 Sitzen – ein Plus von zwei Mandaten gegenüber 2022. Die IG Metall behauptete mit 31 Sitzen eine klare absolute Mehrheit.
Ähnlich im größeren Werk Sindelfingen: Dort kam „Zentrum“ auf 6,1 Prozent der Stimmen und drei Sitze, nach 3,9 Prozent und zwei Sitzen im Jahr 2022. Die IG Metall blieb mit über 80 Prozent der Stimmen die dominierende Kraft. Die Gewerkschaft wertet die hohe Wahlbeteiligung von bis zu 68 Prozent als starkes Votum für die Mitbestimmung in unsicheren Zeiten.
Harte Auseinandersetzung bei Volkswagen in Zwickau
Im Fokus steht nun das Volkswagen-Werk in Zwickau. Die Wahl endet dort am 13. März. Der komplett auf E-Auto-Produktion umgestellte Standort ist von schwacher Nachfrage und Sparmaßnahmen hart getroffen. Seit 2024 gingen etwa 1.200 Jobs verloren.
In dieser angespannten Atmosphäre fordert das „Bündnis freie Betriebsräte“ (BfB) die IG Metall heraus. Die Liste hat enge organisatorische und persönliche Verbindungen zur AfD und zum „Zentrum“. Bei einer außerordentlichen Wahl 2025 zog das BfB mit vier Sitzen in den Betriebsrat ein. Die reguläre Wahl 2026 wird deutlich knapper erwartet. Wegen des Personalabbaus schrumpft der Betriebsrat von 37 auf 35 Mitglieder.
Das BfB tritt mit 24 Kandidaten an und schürt den Unmut über gekündigte Jobgarantien und drohende Lohnkürzungen. Der Wahlkampf vor den Werkstoren gilt als aggressiv, AfD-Politiker unterstützen die alternative Liste.
IG Metall unter Druck auch bei Tesla
Der Wandel in der Arbeitnehmervertretung zeigt sich auch bei Tesla in Grünheide. Dort ging bei der Betriebsratswahl im März die managementnahe Liste „Giga United“ als stärkste Kraft hervor. Die IG Metall landete auf Platz zwei. Zwar spielen bei Tesla AfD-Themen keine zentrale Rolle, doch der Fall unterstreicht einen Trend: Etablierte Gewerkschaften sehen sich zunehmend mit alternativen Interessenvertretungen konfrontiert.
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Strategie der rechten Listen und Gewerkschaftsgegenwehr
Die Strategie von „Zentrum“ und BfB unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen Gewerkschaftsmodell. Die Listen können keine Tarifverträge aushandeln oder offizielle Streiks organisieren. Stattdessen setzen sie auf „Betreuungspolitik“: Sie helfen einzelnen Arbeitnehmern bei Alltagsproblemen und verbreiten gleichzeitig das Narrativ, die etablierten Gewerkschaften seien mit dem Management verfilzt.
Ideologisch übernehmen sie AfD-Positionen. Sie lehnen die Transformation zur E-Mobilität ab, framen Klimapolitik als Jobkiller und setzen sich für den Verbrennungsmotor ein. Die internationale Solidarität des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) kritisieren sie.
Die IG Metall reagiert mit Aufklärungs- und Organisierungsoffensiven. Ihre Kampagnen betonen, dass nur tariffähige Organisationen Löhne sichern und Massenentlassungen verhindern können. Initiativen wie der von der IG Metall unterstützte „Verein zur Erhaltung der Demokratie“ informieren über die extremen rechten Verbindungen der alternativen Listen. Die Gewerkschaft warnt: Eine Zersplitterung der Arbeitnehmervertretung schwächt die Verhandlungsmacht und nützt nur der Konzernleitung.
Ausblick auf die Zukunft der Mitbestimmung
Die Ergebnisse aus der Autoindustrie sind ein Stimmungsbarometer. Die AfD-nahen Listen haben ihre Präsenz in Schlüsselindustrien konsolidiert und sind von einem Randphänomen zu einer etablierten Minderheiten-Opposition in mehreren Großbetriebsräten geworden.
Ein flächendeckender Übernahmeversuch durch die extreme Rechte ist jedoch ausgeblieben. Die IG Metall hält ihre überwältigenden Mehrheiten und wird die strategische Ausrichtung der Betriebsräte in den anstehenden, harten Verhandlungen über Sparprogramme dominieren.
Dennoch werden die rechten Vertreter die Dynamik in den Gremien verändern. Personalabteilungen und Gewerkschaftsmehrheiten müssen sich auf ideologisch aufgeladene Debatten und rechtliche Anfechtungen einstellen. Ob die etablierten Gewerkschaften ihre Dominance behalten, hängt maßgeblich davon ab, ob sie die sozialen Folgen der Industriewende abfedern und den nervösen Belegschaften den konkreten Nutzen von Tarifverträgen demonstrieren können.
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