Adidas Aktie: WM-Fantasie vor Praxistest
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 04:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Adidas hat eine steile Erholung hinter sich. Jetzt kommt der Praxistest: Ende Juli meldet der Konzern seine Zahlen zum zweiten Quartal. Die Erwartungen sind hoch, die Bewertung ist gestiegen. Kann das WM-Geschäft halten, was Analysten versprechen?
Ausgangslage
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 182,40 Euro. Das liegt 8,89 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 15,18 Prozent über der 200-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,28 Prozent, auf Monatssicht legte der Titel um 4,89 Prozent zu.
Im Fokus steht nun der nächste Quartalsbericht. Adidas dürfte die Zahlen zum Ende Juni abgelaufenen Quartal voraussichtlich Ende Juli vorlegen. Das genaue Datum hat der Konzern noch nicht offiziell bestätigt.
Zwölf Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 2,38 Euro. Im Vorjahr hatte Adidas 2,07 Euro erzielt. Beim Umsatz rechnen 15 Analysten mit einem Sprung auf 6,57 Milliarden Euro, nach 5,95 Milliarden Euro im Vorjahresquartal — ein Plus von gut zehn Prozent.
Die entscheidende Frage
Die Kursrally der vergangenen Wochen hat die Messlatte höher gelegt. Mit einem RSI von 59 bewegt sich die Aktie im neutralen bis leicht überkauften Bereich. Technisch ist noch keine Überhitzung erkennbar.
Die entscheidende Frage lautet: Bestätigen die Zahlen Ende Juli die inzwischen hohen Erwartungen? Für das Gesamtjahr taxieren 25 Analysten den Gewinn je Aktie im Schnitt auf 9,54 Euro, nach 7,51 Euro im Vorjahr. Der Umsatz soll auf 26,70 Milliarden Euro klettern, von 24,81 Milliarden Euro.
Bestätigt der Bericht diese Dynamik, dürfte das den Aufwärtstrend festigen. Bleibt das Wachstum dahinter zurück, droht bei der bereits gestiegenen Bewertung eine Enttäuschung.
Bullisches Szenario
Für eine Fortsetzung der Erholung spricht zunächst die laufende Fußball-Weltmeisterschaft als Nachfragetreiber. Bloomberg Intelligence schätzt, dass Adidas rund 1,4 Milliarden US-Dollar Umsatz mit dem Turnier verbucht.
Adidas-Chef Bjørn Gulden sieht darin mehr als einen kurzfristigen Effekt. Auf dem Earnings Call sprach er von einer Fußball-Inspiration, die "much, much wider" reiche als das reine Turnier — bis hinein in den Lifestyle-Bereich.
Auch Analysten stützen das positive Bild. HSBC-Analyst Akshay Gupta erwartet ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 15 Prozent bei einer EBIT-Marge von 10,6 Prozent. Deutsche-Bank-Analyst Adam Cochrane hob seine Wachstumsprognose sogar auf 16 Prozent an, von zuvor 14 Prozent — darin steckt eine Basisrate von 11 Prozent plus sieben Prozentpunkte WM-Effekt.
Die Aktie hat bereits 40,09 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Tief von 130,20 Euro aufgebaut. Zum 52-Wochen-Hoch von 209,20 Euro fehlen dagegen noch 12,81 Prozent. Luft nach oben bleibt also.
Bärisches Szenario
Dem stehen ernstzunehmende Gegenargumente entgegen. Adidas legt seine Marketingausgaben rund um das Turnier nicht offen. Das erschwert die Bewertung, wie viel vom WM-Effekt tatsächlich im Gewinn ankommt.
Für das zweite Halbjahr erwarten Analysten eine Abschwächung der Wachstumsdynamik. Bruttomargentreiber und Kostenmanagement müssten dann die nachlassende währungsbereinigte Umsatzdynamik ausgleichen — ein schwierigerer Balanceakt als im WM-Quartal.
Der Konkurrenzdruck bleibt hoch. Spezialisierte Laufmarken wie On und Hoka verzeichnen weiterhin zweistellige Wachstumsraten und knabbern in Teilbereichen an Marktanteilen. Wechselkurse, Zölle und die Frage, ob sich kulturelle Aufmerksamkeit tatsächlich in nachhaltiges Geschäft übersetzt, bleiben zusätzliche Unsicherheitsfaktoren.
Ausblick
Solange die Aktie über dem 50-Tage-Durchschnitt von 167,51 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 158,37 Euro bleibt, dürfte der Markt der Turnaround-These vertrauen. Die annualisierte Volatilität von 24,16 Prozent zeigt aber: Kurzfristige Ausschläge in beide Richtungen bleiben möglich.
Bestätigen die Zahlen Ende Juli die erwartete zweistellige Umsatzsteigerung und den Gewinnsprung, spricht das für eine Fortsetzung der Rally. Verfehlt der Bericht diese Marke, bietet die gestiegene Bewertung wenig Puffer nach unten. Der Quartalsbericht bleibt damit der nächste konkrete Katalysator — das genaue Datum muss Adidas noch offiziell bestätigen.
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