Achillessehne: Die Wade ist der Schlüssel zur Heilung
04.02.2026 - 03:09:12Schmerzen an der Achillessehne plagen Sportler und Büroangestellte gleichermaßen. Die Lösung liegt oft nicht direkt an der Sehne, sondern höher: in der Wadenmuskulatur. Eine verkürzte oder verspannte Wade erhöht den Zug auf die Sehne und führt zu den typischen Beschwerden. Die moderne Therapie setzt daher gezielt hier an.
Die Achillessehne ist die gemeinsame Endsehne des dreiköpfigen Wadenmuskels. Dieser besteht aus dem oberflächlichen Zwillingswadenmuskel (Gastrocnemius) und dem tieferen Schollenmuskel (Soleus). Sie vereinen sich zur stärksten Sehne des Körpers.
Eine Verspannung in einem dieser Muskeln spannt die Sehne dauerhaft an. Diese Überlastung reizt das Gewebe, hemmt die Heilung und verursacht Schmerzen. Effektive Behandlung bedeutet daher immer: die Wade lockern und kräftigen.
Gezielt dehnen: Zwei Muskeln, zwei Techniken
Für eine wirksame Entlastung müssen beide Wadenmuskeln separat gedehnt werden. Der Unterschied liegt im Knie.
- Für den Gastrocnemius: Das Knie bleibt gestreckt. Stellen Sie sich im Ausfallschritt vor eine Wand, drücken die Ferse des hinteren Beins in den Boden und schieben die Hüfte nach vorne. Sie spüren die Dehnung im oberen, bauchigen Teil der Wade. Halten Sie die Position 30 Sekunden.
- Für den Soleus: Das Knie wird gebeugt. Aus der gleichen Position beugen Sie einfach das Knie des hinteren Beins leicht. Die Dehnung wandert tiefer in die Wade, näher zur Achillessehne. Auch hier 30 Sekunden halten.
Exzentrisches Training: Die Sehne stärken
Dehnen macht flexibel, aber die Sehne selbst braucht Kraft. Hier hat sich das exzentrische Training als Goldstandard erwiesen. Dabei wird der Muskel unter Spannung verlängert.
Schmerzen in Wade oder Achillessehne lassen sich oft mit kurzen, gezielten Übungen spürbar lindern. Orthopäde Prof. Dr. med. Wessinghage stellt in einem Gratis‑PDF 17 einfache 3‑Minuten‑Übungen vor, die Sie zwischendurch zu Hause oder am Arbeitsplatz durchführen können und die gezielt Muskulatur stärken sowie Verspannungen lösen. Die Übungen ergänzen Dehn- und exzentrisches Training sinnvoll und sind besonders alltagsfreundlich. Jetzt 3‑Minuten-Übungen per PDF sichern
Die klassische Übung ist das Fersen-Senken auf einer Treppenstufe.
1. Stellen Sie sich mit den Fußballen auf eine Stufe.
2. Heben Sie beide Fersen.
3. Verlagern Sie das Gewicht auf das betroffene Bein.
4. Senken Sie die Ferse nun langsam (über 3-4 Sekunden) kontrolliert unter das Stufenniveau ab.
5. Nutzen Sie das gesunde Bein, um sich wieder nach oben zu drücken.
Empfohlen werden oft 3 Sätze à 15 Wiederholungen, täglich über einen Zeitraum von 12 Wochen. Diese Belastung regt den Sehnenstoffwechsel an und fördert die Heilung.
Prävention ist mehr als Stretching
Achillessehnenprobleme sind meist eine Überlastungsreaktion. Risikofaktoren sind:
* Plötzliche Steigerung von Trainingsumfang oder Intensität
* Ungünstiges Schuhwerk
* Fehler in der Lauftechnik oder Beinachse
Ein ganzheitlicher Ansatz kombiniert daher Dehn- und Kräftigungsübungen mit einem intelligenten Belastungsmanagement. Ausreichende Regeneration und ein schrittweiser Trainingsaufbau sind entscheidend. Die konservative Therapie mit diesen Mitteln gilt als erste Wahl und braucht oft mehrere Monate Geduld.
Neue Wege in der Therapie
Die Behandlung wird immer individueller. Neben dem klassischen exzentrischen Training gewinnt die Heavy-Slow-Resistance-Methode an Bedeutung. Dabei werden hohe Gewichte langsam bewegt. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf die zellulären Heilungsprozesse. Doch das Fundament bleibt die aktive Mitarbeit des Patienten mit bewährten, mechanischen Reizen.


