ACC-Gigafactory, Kaiserslautern

ACC-Gigafactory in Kaiserslautern endgültig gescheitert

09.02.2026 - 01:15:12

Das Konsortium ACC baut seine geplanten Batteriezellenfabriken in Deutschland und Italien nicht. Die Entscheidung ist ein Rückschlag für die europäische Elektromobilität und löst Sozialplan-Verhandlungen aus.

Das Milliardenprojekt für eine europäische Batteriezellenfabrik ist gestorben. Nach monatelanger Ungewissheit bestätigte das Konsortium Automotive Cells Company (ACC) am Wochenende das endgültige Aus für seine geplante Gigafactory in Kaiserslautern. Auch ein Schwesterwerk in Italien wird nicht gebaut. Die Entscheidung ist ein herber Rückschlag für den Industriestandort Deutschland und wirft Fragen zur Zukunft der europäischen Batterieproduktion auf.

Sozialplan-Verhandlungen laufen an

Unmittelbar nach der Bekanntgabe starteten die Gespräche über einen Sozialplan. Das Joint Venture aus Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies hat bereits Personal für das Projekt eingestellt. Nun müssen für die betroffenen Mitarbeiter Lösungen gefunden werden. Die Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat werden komplex: Es geht um Abfindungen, mögliche Versetzungen innerhalb der Konzerne und die Einrichtung von Transfergesellschaften.

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Die italienische Metallgewerkschaft UILM hatte die Entscheidung zuerst öffentlich gemacht. ACC selbst sprach von einem „konstruktiven Dialog“ mit den Arbeitnehmervertretungen – eine Formulierung, die in der Regel den Beginn von Entlassungsgesprächen einleitet.

Warum das Milliardenprojekt scheiterte

Die Gründe für das Scheitern sind vielschichtig. Ein Hauptproblem: Die Nachfrage nach Elektroautos in Europa wächst langsamer als erwartet. Das führte zu einer Neubewertung des Bedarfs an heimischer Batterieproduktion.

Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb massiv. Chinesische Hersteller drängen mit günstigeren Preisen und technologischem Vorsprung auf den Markt. Zudem steht die Branche vor einem möglichen Technologiewechsel. Die Investition in die geplante Produktionstechnik erschien den Konzernen angesichts dieser Dynamik zu risikoreich.

Bereits im Juni 2024 wurde das Projekt auf Eis gelegt. Damals verwies ACC auf hohe Kosten, die falsche Technologie und die starke Konkurrenz.

Ein herber Schlag für die Region

Für Kaiserslautern ist die Absage eine bittere Enttäuschung. Die Fabrik sollte auf einem Teil des traditionsreichen Opel-Geländes entstehen und tausende Arbeitsplätze schaffen. Bundesregierung und Land Rheinland-Pfalz hatten Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe zugesagt.

Das Projekt galt einst als Leuchtturm für die europäische Elektromobilität. ACC wollte mit drei Fabriken die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern verringern. Mit dem Aus in Kaiserslautern und Termoli ist dieser Plan gescheitert.

Weckruf für die Industriepolitik

Das Scheitern ist mehr als eine regionale Niederlage. Es ist ein Weckruf für Deutschland und die EU. Das Ziel, eine unabhängige und wettbewerbsfähige Batteriezellenproduktion aufzubauen, hat einen empfindlichen Dämpfer erhalten.

Die Episode zeigt die enormen Herausforderungen im globalen Technologiewettlauf. Für die Politik stellt sich nun die Frage: Wie können zukünftige Schlüsselprojekte besser abgesichert werden? Für die Westpfalz geht es darum, schnell neue Perspektiven für die hochqualifizierten Fachkräfte der Region zu schaffen.

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