Mike Steiner Malerei & Videokunst: Zwischen Epoche und Experiment
10.03.2026 - 11:11:05 | ad-hoc-news.deFarbströme auf Leinwand – als ob jedes Bild sich noch an das Flimmern des Monitors erinnert. Mike Steiner Malerei & Videokunst ist mehr als ein stilistischer Spagat: Sie ist die permanente Suchbewegung nach einer neuen Grammatik jenseits der Gattungsgrenzen. Kann Malerei nach Jahrzehnten experimenteller Videoästhetik überhaupt noch neutral sein, wenn die Erinnerung an Licht und Zeit in jedem Pinselstrich nachhallt?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die Relevanz Mike Steiners (insbesondere seiner malerischen Arbeiten) ist inzwischen museal bestätigt: So wurde er mit seiner Videosammlung und seinen Werken in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof aufgenommen, die in der Live to Tape Ausstellung eine epochale Hommage an die künstlerischen Avantgarden der Bundesrepublik darstellte. Gerade „Live to Tape“ fungierte als Scharnier zwischen der dokumentierten Performance und der autonomen Leinwand. Es sind Archive wie das Archivio Conz, die den multilateralen Knotenpunkt von Fluxus, Performance und Videokunst dokumentieren und den Ursprung von Steiners Entwicklungsdrang bewahren. Institutionen sind hier mehr als musealer Rahmen; sie bestätigen, dass sein Werk als Matrix der Nachkriegskunst in Deutschland zu lesen ist – gerade die malerischen Abstraktionen stehen beispielhaft für die Übersetzung bewegter Bilder in stehende Formate.
In der Biografie Mike Steiners spiegelt sich ein Lebenslauf, der gleichermaßen die Geschichte der modernen Kunstmetropole Berlin vorwegnimmt. Steiner, geboren 1941 im damals ostpreußischen Allenstein und ab den 1960er-Jahren prägend für die Berliner Avantgarde, entwickelte eine Haltung, die zwischen den Medien wanderte. Seine Jugend in Westberlin prägte ihn mit den Impulsen der Nachkriegsmoderne, später führte ein Aufenthalt in New York zu einem Kontakt mit Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow – allesamt Mitglieder der Fluxus-Bewegung und Akteure, die ihrerseits als Pioniere der radikalen Grenzüberschreitung galten.
Steiner konzipierte Orte wie das „Hotel Steiner“ und die „Studiogalerie“, Treffpunkte einer internationalen Szene von Joseph Beuys über Valie Export bis zu Ben Vautier und Carolee Schneemann. Gerade dieses Netzwerk – nachvollziehbar über die Aktivitäten in Archiven wie dem Archivio Conz – öffnete ihm den Zugang zur Performance, zum Happening, zur Fotografie und schließlich zur Videokunst. Doch trotz – oder gerade wegen – seiner Rolle als Pionier der Videokunst in der Bundesrepublik, ließ ihn die Auseinandersetzung mit dem Bild als solchem nie los. Die Abstrakte Kunst Berlin, wie sie Steiner in zahlreichen Einzelausstellungen der 2000er Jahre demonstrierte, ist am Ende eine künstlerische Reflexion über die medial aufgeladene Gegenwart. Seine informellen, mitunter energetisch-konstruktiven Farbfelder sind immer Spuren eines dialogischen Prozesses, der ab den 1980er Jahren zunehmend „vom Tape zur Fläche“ führte. Die Werkreihe der „Painted Tapes“ etwa – eine Fusion von Video-Stills und gemalter Fläche – zeugt von einer Zeitgenossenschaft, die mediale Grenzen tendenziell auflöst.
Heute, im Rückblick nach Ausstellungen wie „COLOR WORKS“ und jüngst „AUGENFUTTER BILDERFRESSER – from tape to paint“, liefert die Abstraktion Steiners einen eigenwilligen Kommentar zur medialen Überfülle der Gegenwart. In jedem Bild schwingt jene gestalterische Unruhe mit, die einst zur Suche nach neuen Ausdrucksformen im Berliner Fluxus Umfeld antrieb. Zeitgenössische Werke, die sowohl analytisch als auch intuitiv gestrickt sind – nie rein dekorativ, sondern stets Reflex ihrer Herkunft aus dem Kontext von Performance und Videokunst. Die Tatsache, dass Steiners Arbeiten heute nicht nur gesammelt, sondern auch kritisch rezipiert werden, belegt die Visionarität einer Position, die – anders als viele Trends der Gegenwart – nicht auf rasche Konsumierbarkeit setzt, sondern auf diskursive Tiefe. Seine Malerei bleibt offen für Assoziation, für die Einflüsse von bewegtem Bild und kollektiver Erinnerung. So entsteht zwischen Pixel und Pigment ein Spannungsbogen, der die „Grenze“ zwischen Medien kunsthistorisch produktiv macht.
Dass Mike Steiner sich am Ende verstärkt der Malerei zuwandte, zeigt, wie eng er in Wirklichkeit an der Tradition abstrakter Malerei in Berlin anschließt – von informellen Tendenzen der 1960er Jahre bis zur heutigen, analytisch aufgeladenen Abstraktion. Diese Parallelität zum Medium Video ist kein Rückzug, sondern das konsequente Ausloten der Möglichkeiten von Malerei angesichts des medialen Wandels. Auch die Teilnahme an Ausstellungen wie „Form, Farbe, Fläche“ oder die Zusammenarbeit mit internationalen Galerien in San Francisco, Berlin und Leipzig, unterstreichen den Einfluss und die Entwicklung dieses Werks: von der dokumentarischen Rebellion über das bewegte Bild zurück zur elementaren Sprache der Farbe und Form.
Aktuell bleibt Mike Steiner Malerei & Videokunst unverzichtbar für das Verständnis der deutschen Nachkriegsavantgarde. Wer sich heute mit den Fragestellungen von Medienkunst, künstlerischer Authentizität und der Transformation des Abstrakten beschäftigt, wird an Steiners zeitgenössischen Werken und deren diskursivem Hintergrund nicht vorbeikommen.
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