Magnetom Free.Max von Siemens Healthineers - MRT-System setzt auf Heliumspar-Technik
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 14:34 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Magnetom Free.Max steht mitten im Untersuchungsraum, die mattweiße Röhre leuchtet leicht blau, wenn die Radiologin den nächsten Patienten vorbereitet. Der Kunststoff der Liege fühlt sich kühl an, als sie mit der Hand darüberstreicht und die flache Spule zurechtrückt. Neben ihr wirft Produktmanagerin Julia Meyer einen Blick auf den Touchscreen, der die 0,7-Tesla-Feldstärke des Systems zeigt.
Was Magnetom Free.Max besonders macht
Magnetom Free.Max ist ein MRT-System von Siemens Healthineers mit einer Magnetfeldstärke von 0,7 Tesla, das auf einen vollständig geschlossenen Heliumkreislauf setzt. Die Anlage arbeitet mit einem leichten Kryomagneten, der im Normalbetrieb nicht nachgefüllt werden muss, was den Heliumverbrauch drastisch reduziert.
Im klinischen Alltag bedeutet das: Radiologien können eine vollwertige Magnetresonanztomografie anbieten, ohne einen komplexen Quenchabluftschacht planen zu müssen. Die kompakte Infrastruktur erleichtert den Einbau in Bestandsgebäuden, in denen konventionelle Hochfeldsysteme an bauliche und logistische Grenzen stoßen.
Siemens Healthineers im MRT-Markt
Mehr zur Rolle von Magnetom Free.Max im Produktportfolio und zur Entwicklung der Siemens Healthineers Aktie.
Technik: 0,7 Tesla mit geschlossenem Heliumkreislauf
Siemens Healthineers positioniert Magnetom Free.Max bewusst unter den klassischen 1,5- und 3-Tesla-Systemen, setzt aber auf moderne digitale Spulentechnologie und eine neue Magnetplattform. Die 0,7-Tesla-Feldstärke soll ausreichend Signalkontrast für viele Standarduntersuchungen liefern, etwa für muskuloskelettale Bildgebung oder bestimmte neurologische Fragestellungen.
Eine Besonderheit ist das sogenannte „Dry-Cooled“-Konzept: Der supraleitende Magnet wird ab Werk mit einer überschaubaren Menge Helium befüllt, die dauerhaft im System verbleibt. Es gibt keinen offenen Heliumtank, der turnusmäßig nachgefüllt werden müsste, und im Idealfall keinen Heliumverlust über die Lebensdauer der Anlage.
Damit reduziert sich nicht nur der Materialbedarf, sondern auch der Aufwand für das technische Facility-Management. Für Kliniken in Regionen mit eingeschränkter Heliumversorgung oder mit strengen baulichen Sicherheitsvorgaben kann diese Architektur ein wichtiger Pluspunkt sein.
Aufstellung und Workflow im Klinikalltag
Magnetom Free.Max zielt auf Häuser, die bislang aus Platz- oder Infrastrukturgründen kein MRT installieren konnten. Der Scanner benötigt keinen klassischen Quenchabluftschacht, was die Einplanung in bestehenden Räumen vereinfacht und Baukosten drücken kann. Der Gesamtfootprint ist im Vergleich zu Hochfeldsystemen reduziert.
Im Alltag stehen vor allem Workflow-Themen im Vordergrund. Siemens Healthineers setzt auf eine intuitive Nutzeroberfläche, vorkonfigurierte Untersuchungsprotokolle und geführte Workflows, die Radiologie-Teams bei der Bedienung unterstützen. In einigen Märkten werden zusätzlich Remote-Dienste angeboten, bei denen Anwendungen-Spezialisten Untersuchungen aus der Ferne überwachen oder optimieren.
Produktmanagerin Julia Meyer betont in internen Präsentationen, dass die Einstiegshürden für neue MRT-Standorte sinken sollen. Das System ist darauf ausgelegt, Standarduntersuchungen in hoher Reproduzierbarkeit zu liefern, ohne dass jede Sequenz aufwendig manuell parametriert werden muss.
Anwendungsfelder und Bildqualität
Mit 0,7 Tesla bewegt sich Magnetom Free.Max klar im unteren Feldstärkenbereich, doch Siemens Healthineers nutzt moderne Rekonstruktions- und Gradientensteuerung, um die Bildqualität für typische Anwendungen zu stabilisieren. Ziel ist nicht die Konkurrenz zu Top-End-3-Tesla-Systemen, sondern die sichere Abdeckung eines breiten Basisportfolios.
In der Praxis geht es häufig um orthopädische Fragestellungen, einfache Neuroprotokolle, Gefäßdarstellungen in bestimmten Regionen und weichteilige Strukturen, bei denen der Kontrast auch mit niedriger Feldstärke ausreichend sein kann. Klinische Erfahrungsberichte beschreiben einen pragmatischen Einsatz: Magnetom Free.Max ergänzt bestehende Hochfeldsysteme oder ersetzt ältere Geräte an kleineren Standorten.
Bedeutsam ist dabei, dass das System in Märkten zugelassen ist, in denen der Zugang zu bildgebender Diagnostik bislang begrenzt war. So lassen sich Wartezeiten auf MRT-Termine reduzieren, wenn zusätzliche Standorte neue Kapazität schaffen.
Helium- und Ressourcenperspektive
Die Heliumspar-Technik von Magnetom Free.Max zahlt auf eine größere Debatte ein: Auf dem Weltmarkt ist der Rohstoff nicht beliebig verfügbar, und Preisschwankungen erschweren langfristige Planung. Mit einem geschlossenen System reduziert Siemens Healthineers die laufende Abhängigkeit von Heliumlieferungen.
Für Krankenhaus-Controller und technische Leiter wird dadurch die Kostenplanung kalkulierbarer. Es müssen keine regelmäßigen Heliumbestellungen eingeplant und keine speziellen Sicherheitsmaßnahmen für große Vorratstanks ergriffen werden. Das senkt die Betriebskosten und vereinfacht das Risikomanagement.
Aus Sicht von Nachhaltigkeitsverantwortlichen ist die Ressourcenfrage ebenfalls relevant. Weniger Heliumverbrauch bedeutet weniger Aufwand entlang der Lieferkette und eine geringere Sensibilität des Betriebs gegenüber globalen Engpässen. Siemens Healthineers verweist in Produktunterlagen auf diese Aspekte, ohne sie als alleinige Entscheidungsgrundlage zu stilisieren.
Markteinführung, Preis und Verfügbarkeit
Magnetom Free.Max wurde von Siemens Healthineers im Rahmen seiner Magnetom-Familie angekündigt, um das MRT-Portfolio nach unten zu erweitern und neue Kundensegmente zu erschließen. Das System ist international verfügbar, wobei die konkrete Markteinführung von Zulassungsprozessen und lokalen Vertriebskanälen abhängt.
Listenpreise kommuniziert der Hersteller üblicherweise nicht offen; vielmehr werden Angebote im Rahmen von Projekten individuell kalkuliert. Für Investitionsentscheidungen zählen neben dem Gerätepreis auch Installationskosten, Serviceverträge, Softwarelizenzen und eventuelle Finanzierungslösungen.
Interessierte Kliniken und Radiologiezentren müssen deshalb mit Siemens Healthineers Kontakt aufnehmen, um ein maßgeschneidertes Angebot zu erhalten. In manchen Ländern bieten Leasingmodelle oder Kooperationen mit Diagnostikdienstleistern zusätzliche Flexibilität.
Portfolioeinordnung bei Siemens Healthineers
Magnetom Free.Max steht nicht allein im MRT-Portfolio von Siemens Healthineers. Der Hersteller bietet eine breite Spanne von Systemen mit unterschiedlicher Feldstärke, von Einstiegsmodellen über 1,5-Tesla-Hochfeld bis hin zu 3-Tesla-Premiumlösungen. Free.Max nimmt dabei bewusst die Rolle eines ressourcenschonenden Systems im unteren Feldbereich ein.
Für Konzernchef Bernd Montag und sein Team ist die Innovation im MRT-Segment ein wichtiger strategischer Baustein. Bildgebende Systeme gehören zum Kern der Erlöse, und die Position im globalen MRT-Markt stützt die Wahrnehmung von Siemens Healthineers als Technikanbieter für Kliniken.
Free.Max hilft dabei, neue Kundengruppen zu adressieren, etwa kleinere Krankenhäuser oder Praxen, die bisher die Investition in klassische Hochfeld-MRT gescheut haben. Gleichzeitig kann der Hersteller etablierte Kunden ansprechbar halten, wenn diese zusätzliche Kapazität mit ölkonzeptierten Systemen aufbauen wollen.
Service, Software und Updates
Beim Betrieb von Magnetom Free.Max spielen Service- und Softwarefragen eine zentrale Rolle. Siemens Healthineers koppelt seine MRT-Systeme an digitale Plattformen, die Remote-Diagnose, präventive Wartung und Softwareupdates ermöglichen. Das reduziert ungeplante Ausfallzeiten und erleichtert das Einspielen neuer Protokolle.
Für Radiologieleiterinnen und -leiter ist die Integration in die bestehende IT-Landschaft entscheidend. Das System muss mit PACS, RIS und gegebenenfalls mit übergreifenden Klinikplattformen kooperieren. Siemens Healthineers bietet hier standardisierte Schnittstellen und Unterstützung bei der Einbindung.
Die Softwarelandschaft entwickelt sich weiter: Mit neuen Rekonstruktionsalgorithmen, KI-gestützten Bildauswertungen oder Assistenzfunktionen kann die Leistungsfähigkeit eines installierten Systems über Jahre wachsen. Das macht Investitionen planbarer, weil Hardware über längere Zeit auf einem aktuellen Softwarestand gehalten werden kann.
Risiken und Grenzen des Konzepts
Bei allen Vorteilen hat ein 0,7-Tesla-MRT wie Magnetom Free.Max auch Grenzen. Bestimmte Hochpräzisionsuntersuchungen, speziell im Bereich funktionelle Neurobildgebung oder bestimmte onkologische Fragestellungen, profitieren von höherer Feldstärke. Diese Untersuchungen bleiben weiterhin Domäne von 1,5- oder 3-Tesla-Systemen.
Kliniken müssen deshalb ihr Untersuchungsportfolio genau prüfen. Magnetom Free.Max eignet sich vor allem als Ergänzung oder Einstiegslösung, nicht als voller Ersatz aller Hochfeldgeräte. Viele Häuser werden hybride Strategien wählen: ein ressourcenschonendes System für Standardfälle und ein Hochfeldgerät für komplexe Diagnostik.
Hinzu kommt, dass Bildgebungsgewohnheiten und Zuweiseranforderungen regional variieren. Radiologien müssen im Dialog mit Fachärzten klären, welche Indikationen in einem 0,7-Tesla-Setting verantwortbar sind und wann sie Patienten auf andere Standorte verweisen.
Siemens Healthineers Aktie und MRT-Sparte
Für Anleger ist das MRT-Geschäft von Siemens Healthineers ein zentraler Umsatztreiber. Bildgebende Systeme, zu denen Magnetom Free.Max gehört, liefern einen erheblichen Anteil an den Erlösen und stärken die Wettbewerbsposition gegenüber anderen Weltkonzernen im Medizintechnikbereich.
Die Siemens Healthineers Aktie wird im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt, unter anderem auf Xetra in Euro. Der Erfolg von Produkten wie Magnetom Free.Max fließt mittelbar in Bestellungseingänge, Umsätze und Marge ein, ohne dass sich der Einfluss eines einzelnen Systems isoliert quantifizieren ließe.
Magnetom Free.Max im Überblick
- Produkt: Magnetom Free.Max
- Hersteller: Siemens Healthineers AG
- Kategorie: Flagship/Bestseller MRT-System
- Markteinführung: im Rahmen der Erweiterung der Magnetom-Plattform
- UVP / Preis: projektspezifische Kalkulation, keine öffentlich kommunizierte Standard-UVP
- Verfügbarkeit: international, abhängig von Zulassung und lokalen Vertriebskanälen
- Zielgruppe: Krankenhäuser und Radiologiezentren mit begrenzter Infrastruktur oder Bedarf an zusätzlicher MRT-Kapazität
- Besonderheit / USP: 0,7-Tesla-Feldstärke mit geschlossenem Heliumsystem und reduziertem Infrastrukturbedarf
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