Kerosin belastet Lufthansa 2026 noch stärker - Aktie legt zu
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 10:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Weitere Angaben zur Entwicklung der Sparten, Hintergrund, Kursreaktion, Analystenstimme)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Das teure Kerosin zehrt trotz eines lukrativen Sommers noch stärker an den Gewinnplänen der Lufthansa DE0008232125. Während der Luftverkehrskonzern im dritten Quartal mehr verdiente als ein Jahr zuvor, dämpfte der Vorstand um Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag in Frankfurt seine Gewinnprognose für 2026 erneut. So soll der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) statt 1,7 bis 2,2 Milliarden nur noch 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro erreichen. An der Börse wurden die Neuigkeiten jedoch positiv aufgenommen.
Die Lufthansa-Aktie legte am Morgen zuletzt um gut drei Prozent auf knapp 7,70 Euro zu und war zugleich größter Gewinner im MDax, dem Index der mittelgroßen Werte. Damit wurde sie noch gut acht Prozent billiger gehandelt als zum Jahreswechsel. Branchenexperte Harry J. Gowers von der US-Bank JPMorgan sah die Quartalszahlen als gut an. Zudem erwarte die Lufthansa-Spitze für das laufende vierte Quartal eine starke Entwicklung der Ticketpreise.
Dennoch sieht Gowers für die Lufthansa-Aktie vorerst keine Luft nach oben. Er schreibt dem Papier weiterhin ein Kursziel von 7 Euro zu, etwas unter dem aktuellen Kursniveau.
Aktien von Fluggesellschaften befinden sich in diesem Jahr stark unter Druck, seit die Angriffe Israels und der USA auf den Iran die Ölpreise in die Höhe schnellen ließen. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht, und die extreme Verteuerung des Kerosins macht Airlines weltweit zu schaffen. Erste Gesellschaften haben wegen finanzieller Schieflagen bereits Gläubigerschutz beantragt.
Für die Lufthansa läuft es in Anbetracht der Weltlage vergleichsweise gut. Das liegt auch daran, dass das Unternehmen seinen Treibstoffbedarf für das laufende Jahr zu rund 86 Prozent preislich abgesichert hat. Für 2027 liegt diese Quote laut Finanzvorstand Till Streichert derzeit bei mehr als 60 Prozent.
Trotz dieser Absicherungen hatte Spohr sein Gewinnziel für 2026 schon im August gekappt. Mit der neuen Prognose von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro scheint ein Rückgang im Vergleich zu den knapp 2 Milliarden Euro von 2025 nahezu ausgemacht.
"Wo wir innerhalb der Bandbreite landen, wird neben Treibstoffkosten und Nachfrage insbesondere von der Ergebnisentwicklung bei Lufthansa Cargo im vierten Quartal abhängen", sagte Finanzvorstand Streichert. Er zeigte sich "zuversichtlich, im Einklang mit der Kapitalmarkterwartung diese Bandbreite zu erreichen". Analysten erwarteten allerdings zuletzt im Schnitt einen bereinigten operativen Gewinn von lediglich gut 1,7 Milliarden Euro. Damit lagen sie bereits am unteren Ende der Zielspanne.
Allein im wichtigen Sommerquartal von Juli bis September gab die Lufthansa über eine halbe Milliarde Euro mehr für Treibstoff aus als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet Spohr jetzt mit Kerosinkosten von 9,3 Milliarden Euro - zwei Milliarden mehr als im Vorjahr und 600 Millionen mehr als noch Anfang August angekündigt.
Dennoch verdiente die Lufthansa zuletzt mehr als gedacht. Weil der Konzern die Ticketpreise merklich erhöht hatte und das Geschäft mit Wartung und Fracht brummte, standen im dritten Quartal unter dem Strich mit knapp 1,3 Milliarden Euro Gewinn 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dazu trugen auch Sondereffekte bei.
Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 12,2 Milliarden Euro und lag damit so hoch wie noch in keinem Quartal der Konzerngeschichte. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) wuchs immerhin um sechs Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.
Während die Netzwerk-Airlines Swiss, Austrian und Brussels jeweils mehr abwarfen als im Vorjahr, brach der bereinigte operative Gewinn der Hauptmarke Lufthansa Airlines um ein Drittel auf 300 Millionen Euro ein. Dadurch ging der bereinigte operative Gewinn der Netzwerk-Airlines insgesamt im Jahresvergleich um elf Prozent auf 853 Millionen Euro zurück. Die Punkt-zu-Punkt-Airlines samt der Hauptmarke Eurowings steigerten ihr Ergebnis hingegen um acht Prozent auf 214 Millionen Euro.
Kräftig aufwärts ging es derweil im Geschäft mit Flugzeugwartung und Fracht: Lufthansa Technik steigerte ihren bereinigten operativen Gewinn um mehr als die Hälfte auf 200 Millionen Euro. Und Lufthansa Cargo konnte ihr Ergebnis auf 162 Millionen Euro sogar mehr als verdreifachen. Anders als Passagier-Fluggesellschaften kann Lufthansa Cargo die gestiegenen Treibstoffkosten mehr oder weniger direkt an ihre Kunden weiterreichen, sodass die stark gestiegenen Ausgaben in diesem Bereich kaum auf den Gewinn durchschlagen.
