FidAR WoB-Index: Chefetagen wieder vermehrt in Männerhand / Frauenanteil in Vorständen sinkt / Stagnation in den Aufsichtsräten
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 10:00 Uhr | dgap.de| Emittent / Herausgeber: FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V. / Schlagwort(e): Studienergebnisse/Studie 29.07.2026 / 10:00 CET/CEST Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich. Pressemitteilung Bundesfrauenministerin Prien: „Jetzt erst recht mehr weibliche Talente gewinnen“ FidAR-Gründungspräsidentin Schulz-Strelow: „Frauenfreie Führung und Zielgröße Null im Aufwind“ FidAR-Präsidentin Seng: „Mehr Druck durch feste Quoten notwendig“ Berlin, 29.07.2026: Der über Jahre anhaltende Anstieg des Frauenanteils in den Führungspositionen der Privatwirtschaft ist weitgehend gestoppt. In den Aufsichtsgremien der derzeit 183 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen stagniert der Anteil bei 37 Prozent (2025: 37 %). In den Vorständen ist der Frauenanteil auf 19,1 Prozent gesunken (2025: 19,9 %). Von einer paritätischen Besetzung der Gremien sind die meisten Unternehmen somit noch weit entfernt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Unternehmen mit Zielgröße Null für den Vorstand, die also auch künftig mit einem frauenfreien Führungsgremium planen. Das ergibt der aktuelle Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand Mai 2026, der heute in Berlin veröffentlicht wird. Geschlechterquote und Mindestbeteiligungsgebot von allen Unternehmen erfüllt Die 2015 eingeführte Geschlechterquote im Aufsichtsrat wird von weit mehr Unternehmen erfüllt, als dazu verpflichtet sind: 139 – gut drei Viertel – der untersuchten 183 Unternehmen erreichen einen Frauenanteil von 30 Prozent im Kontrollgremium. 80 Unternehmen erreichen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent und erfüllen damit die in Deutschland nicht geltende Vorgabe der EU-Führungspositionen-Richtlinie, die höhere Quoten als die deutsche Regelung mit 30 Prozent vorsieht. 28 Unternehmen haben ein mindestens paritätisch mit Frauen und Männern besetztes Kontrollgremium. Das seit 2022 geltende Mindestbeteiligungsgebot für Vorstände erfüllen alle der aktuell 61 unter die Regelung fallenden Unternehmen. Südzucker – im vergangenen Jahr noch der einzige betroffene Konzern mit frauenfreier Chefetage – hat mit Dr. Theresa von Fugler als CCO seit Oktober 2025 eine Frau im Vorstand. Fast unbemerkt ist die Zahl der Unternehmen, die keine Frau im Vorstand haben, erneut gestiegen: 73 Chefetagen sind ausschließlich mit Männern besetzt. Feste Quote ist Erfolgsgarant Über die elf Jahre seit der Einführung der Geschlechterquote für Aufsichtsräte ist der Frauenanteil bei den Unternehmen, die der festen Quote im Aufsichtsrat unterliegen, sowohl in den Kontrollgremien als auch in den Vorständen deutlich stärker gestiegen, als bei jenen, die nicht unter diese gesetzliche Regelung fallen. Dieser Trend wurde durch die Einführung des Mindestbeteiligungsgebots für Vorstände durch das FüPoG II verstärkt. Insgesamt stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der führenden Börsenunternehmen seit 2015 um 17,1 Prozentpunkte auf 37 Prozent. Die aktuell 101 der Aufsichtsratsquote unterliegenden Unternehmen erreichen mit 39 Prozent einen höheren Anteil als die 82 nicht unter die Quote fallenden Unternehmen, bei denen der Anteil auf 31,2 Prozent gesunken ist. Bei den Vorständen ist der Frauenanteil bei den unter die Aufsichtsratsquote fallenden Unternehmen auf 22,1 Prozent zurückgegangen, bei den nicht der Quote unterliegenden Unternehmen sank er auf nur 14,4 Prozent. Zahl der Unternehmen mit Zielgröße Null steigt Während die festen Quoten wirken, nutzen die Unternehmen die Zielgrößen immer weniger zur strategischen Personalplanung und konkreten Steigerung des Frauenanteils. Börsennotierte oder mitbestimmte deutsche Unternehmen sind verpflichtet, Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den oberen zwei Managementebenen festzulegen und zu veröffentlichen. Hier sind insbesondere die Unternehmen gefragt, die nicht einer Quotenregelung unterliegen. Doch die Zahl der von den untersuchten 183 Unternehmen veröffentlichten Zielgrößen sinkt. Dahingegen ist die Zahl der Unternehmen mit frauenfreier Vorstandsetage, die Zielgröße Null festlegen, von 23 auf 27 gestiegen. Diese Unternehmen planen weiter mit einem Vorstand ohne Frauen – zwar sind der überwiegende Teil davon (20) Unternehmen, die nicht der Aufsichtsratsquote unterliegen, doch auch 7 Unternehmen, die unter die Quote fallen, sind auf der operativen Führungsebene frauenfrei und planen ohne Frauen. Die Erfolgsbilanz der gesetzlichen Regelungen spricht dafür, die festen Geschlechterquoten auf mehr Unternehmen auszuweiten. Derzeit unterliegen lediglich 101 börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen der Aufsichtsratsquote – das Mindestbeteiligungsgebot im Vorstand gilt sogar nur für 61 dieser Unternehmen der Privatwirtschaft mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern. Bundesfrauenministerin Karin Prien: „Mehr Frauen in Führung dringend geboten“ „Die gesetzlichen Regelungen der Führungspositionengesetze haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist. Darauf sollten die Unternehmen jetzt aufbauen und gerade in Zeiten der Stagnation und sogar des Rückschritts ihr Engagement für mehr Frauen wieder intensivieren. Klar ist: Wir brauchen weibliche Talente auf allen Ebenen der Wirtschaft. Mehr Frauen in Führungspositionen stärken nicht nur die Chancengerechtigkeit, sondern tragen auch wesentlich zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg bei", so Bundesfrauenministerin Karin Prien. Monika Schulz-Strelow: „‘Comeback‘ von Zielgröße Null ist ein Alarmzeichen“ „Die Schere zwischen den der Aufsichtsratsquote unterliegenden und den nicht unter die festen Quoten fallenden Unternehmen geht immer weiter auf. Es ist ein Alarmzeichen, dass die Zahl der Unternehmen, die mit Zielgröße Null im Vorstand planen, wieder gestiegen ist. Frauenfreie Führungsetagen sollten der Vergangenheit angehören. Die Begründungspflicht für Zielgröße Null reicht nicht aus, die Unternehmen dazu zu bewegen, mit mehr Frauen in der Führung zu planen. Zielgrößen müssen endlich als strategisches Instrument zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe verstanden und auch genutzt werden. Dafür müssen die Sanktionen bei Verstößen konsequent angewendet werden. Ohne spürbaren Druck wird die Zielgrößenpflicht nicht ernst genommen“, so FidAR-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow, die den WoB-Index seit der Erstauflage 2011 federführend betreut. Anja Seng: „Reichweite der verbindlichen Regeln erhöhen“ „Seit elf Jahr wirken die gesetzlichen Vorgaben des Führungspositionengesetzes erfolgreich. Jetzt ist es Zeit, den Erfolg auf mehr Unternehmen auszuweiten. Die Geschlechterquote im Aufsichtsrat sollte auf 40 Prozent erhöht und auf alle Unternehmen ausgeweitet werden, die börsennotiert oder mitbestimmt sind. Zudem sollte das Mindestbeteiligungsgebot für Vorstände in eine feste Quote überführt werden und für mehr Unternehmen greifen. Erst wenn mehr Frauen in Leitungspositionen sind, wird die gleichberechtigte Teilhabe zur gesellschaftlichen Normalität. In anderen europäischen Ländern wird die EU-Führungspositionenrichtlinie mit einer Geschlechterquote von 40 bzw. 33 Prozent in den Top-Gremien bereits umgesetzt – sie gilt für wesentlich mehr Unternehmen. Das sollte sich die deutsche Wirtschaft zum Vorbild nehmen und engagiert mehr Frauen in ihre Führungsetagen holen“, so FidAR-Präsidentin Anja Seng. Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum Women-on-Board-Index von FidAR finden Sie unter www.wob-index.de. Ihre Ansprechpartnerinnen Prof. Dr. Anja Seng, Präsidentin FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V., Berlin Tel.: +49 (1 51) 12 54 64 60, E-Mail: anja.seng@fidar.de Monika Schulz-Strelow, Gründungspräsidentin FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V., Berlin Tel.: +49 (1 72) 31 16 812, E-Mail: monika.schulz-strelow@fidar.de Pressekontakt Matthias Struwe | Eye Communications | Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel.: +49 (7 61) 137 62-21, E-Mail: m.struwe@eyecommunications.de Über FidAR: FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V. ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, die 2006 von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen wurde. FidAR strebt eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen und die Verbesserung der Unternehmenskontrolle und -kultur an. Ziel der Initiative, getragen von ca. 1.500 Frauen und Männern, ist die paritätische Besetzung aller Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. FidAR verfolgt diese Ziele im engen Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und in Kooperation mit den relevanten Wirtschafts- und Frauenverbänden. Mehr Informationen zu FidAR im Internet unter www.fidar.de. 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